Mittelständische und kleinere Unternehmen scheuen den Aufbau heterogener Speichernetze. Denn Speichernetze sind komplex und verursachen einen umfangreichen Test-, Implementierungs- und Verwaltungsaufwand sowie hohe Administrationskosten.
von Stefan Ehmann, German Committee Chair, SNIA Europe
Firmen, die bereits solche Umgebungen implementiert haben, sind bei deren Verwaltung gezwungen, eine Reihe inkonsistenter Management-Werkzeuge jeweils für die einzelnen Komponenten einzusetzen. Viele unterschiedliche Konsolen mit herstellerspezifischen Oberflächen und Befehlsabläufen prägen das Bild in Rechenzentren. Ein übergreifendes Storage-Resource- und SAN-Management mit Entdeckung, Visualisierung, Reporting und aktiver Verwaltung aller beteiligter Applikationen, Server, Netzwerke und Speichereinheiten über eine gemeinsame Konsole kann dagegen Zeit, Geld und Ressourcen sparen.
Storage-Normen als Standard
Seit ihrer Gründung hat die Storage Networking Industry Association (SNIA) das Ziel, die Akzeptanz von Speichernetzen als vollständige und bewährte Lösungen zu fördern. Der Verband erkannte, dass in der traditionell sehr heterogenen Speicherwelt dieses Ziel nur durch die Entwicklung von Standards zu erreichen war.
Die mit Sicherheit bekannteste Standardisierungsentwicklung ist die Storage-Management-Initiative (SMI) zum einheitlichen Management der heterogenen Speicherlandschaft. Vor kurzem wurde der Standard als »International Standard« von der International Organisation for Standardisation (ISO) und International Electrotechnical Commission (IEC) anerkannt. Es wird erwartet, dass die Zertifizierung die bereits große Akzeptanz des Standards unter Storage-Herstellern und IT-Anwendern international stärken wird.
Endkunden profitieren von den Fortschritten bei der Storage-Management-Standardisierung, da traditionelle Probleme der Interoperabilität wegfallen. Die Anerkennung von SMI-S als internationaler ISO/IEC-Standard ist ein bedeutender Schritt in der Entwicklung von Storage-Normen. Globale Unternehmen setzen vermehrt auf Speichernetzwerke als Teil ihrer weltweiten Infrastruktur. SMI-S liefert die Normschnittstelle für das zentrale Management heterogener und länderübergreifender Netze.
Die SNIA arbeitet an der Weiterentwicklung des Standards, um die Anforderungen von IT-Kunden und IT-Anbietern zu erfüllen. Bisher haben über 450 Produkte Tests für SMI-S erfolgreich durchlaufen. Bei der Weiterentwicklung der Spezifikation wird auf aktuelle Trends reagiert. So wird SMI-S 1.2 vor allem Verbesserungen im Bereich Policy-Management und Storage-Security bieten. Ganz oben auf der Prioritätenliste bei Security steht neben der Erweiterung der rollenbasierten Autorisierung die Einführung des Single-Sign-On zur Vereinfachung des Passwort- und Identity-Managements.
ILM: die Vision wird Realität
Auch in der anhaltenden Diskussion rund um die Datenhaltung und -verwaltung auf Grund gesetzlicher und regulativer Vorschriften hat sich einiges getan. 2006 wurden erste Technologien auf den Markt gebracht, die diese Prozesse einfacher und automatisierter machen. Stichwort Information-Lifecycle-Management (ILM). Es wurden beispielsweise erste Datenklassifizierungstechnologien und erste Lösungen vorgestellt, um die Prozesse zu automatisieren. ILM ist keine Vision mehr, sondern wird immer mehr zu Realität. Da bei ILM Businessziele mit IT-Technologien in Einklang gebracht werden müssen, spielen Standards in der Kommunikation zwischen Business und IT eine sehr wichtige Rolle. Der nächste große Meilenstein bei ILM wird mit den Versionen SMI-S 2.x unter dem Motto »moving up the stack« eingeläutet. Geplant ist hier vor allem die Integration von Applikationen und Datenbanken, um das schon lange geforderte umfassende regelbasierte Information-Lifecycle-Management aus Applikationssicht zu ermöglichen.
Ein wichtiges Unterfangen bei diesem Projekt ist die Definition von standardisierten Metadaten aus den unterschiedlichsten Applikationen. Zu diesem Zweck kündigte die SNIA 2006 eine Schnittstelle unter dem Namen XAM (eXtensible Access Method) an. XAM stellt den Applikationen eine Standard-Storage-Schnittstelle und genormte Metadaten für die Kommunikationen mit objektbasierten Speichersystemen wie beispielsweise »content-aware storage« bereit. Hierdurch wird für die Anwender einfache Interoperabilität, verbesserte Informationssicherheit sowie Transparenz bei der Übertragung und Migration von Informationen zwischen unterschiedlichen Speichersystemen oder gar zwischen unterschiedlichen Anwendungen erreicht. Besonders im Hinblick auf Automatisierung der ILM-Prozesse bis hin zur Langzeitarchivierung wird XAM wegen der standardisierten Metadaten erhebliche Vorteile bieten. Diese Metadaten können dann sehr einfach und herstellerübergreifend für die Datenklassifizierung oder für andere Informationsdienste herangezogen werden. Somit hilft XAM den Anwendern bei der Verringerung ihres Managementaufwands, beim Aufbau von Tiered-Storage-Architekturen und bei der generellen Implementierung von ILM.
XAM erfüllt ebenfalls viele Aufgaben, die für die zukünftige Adoption von Storage-Grids unerlässlich sind. Gerade ihr objektorientierter und technologieunabhängiger Ansatz fördert im Zusammenspiel mit ILM den Aufbau von Daten- und Enterprise Storage-Grids. Es ist daher zu erwarten, dass derartige Begriffe und Konzepte bis Ende 2007 keine Visionen mehr sind – sondern dank der erhöhten Akzeptanz von Standards und der engeren Zusammenarbeit der Hersteller sich auf dem Weg in Enterprise-Data-Center befinden werden.