Ein Mietmodell (ASP) erspart dem Nutzer komplizierte Installation und aufwendige Wartung. Bei Open-Source-Software dagegen fallen keine Lizenzkosten an; dafür erfordern sie aber hohe technische Kenntnisse. Diese Probleme kann der Kunde vermeiden, indem er Open Source mit ASP kombiniert.
von Dr. Jakob Jung, Redakteur
Wer seinen Webauftritt stets auf dem neuesten Stand halten will, kommt um ein System für Web-Content-Management (WCM) nicht herum. Das Problem ist klar: Die Erwartungen, die ein Nutzer an einen Unternehmens-Auftritt im Internet stellt, wachsen ständig. Aktuelle Informationen und Angebote sind ein Muss. Für den Anbieter heißt das, er ist verpflichtet, stets aktuelle und qualitativ hochwertige, reich bebilderte Seiten zu unterhalten, oder der Kunde wird ihn gnadenlos bestrafen, indem er zur Konkurrenz wechselt. Um das Web-Angebot aber entsprechend zu präsentieren, ist der Einsatz von Web-Content-Management (WCM) unabdingbar.
WCM-Markt im Überblick
Der Markt für Web-Content-Management ist sehr stark zersplittert. Es gibt eine Vielzahl von Anbietern, die Lösungen unterscheiden sich in Preis und Leistung stark. Beispielsweise verlangt Interwoven einen Einstiegspreis von 250.000 Dollar. Und das ist noch nicht einmal eine Garantie für eine erfolgreiche Lösung. Das musste besonders schmerzlich die »Bild-Zeitung« erfahren, deren von Vignette konzipierter Online-Auftritt schmählich scheiterte. Solche Blamagen führten neben überzogenen Umsatzerwartungen zum Absturz der einst als Börsenlieblinge gehandelten reinen WCM-Spezialisten. Mittlerweile haben Hersteller, deren Kernkompetenz im Archiv-Bereich lag, ihre Angebote in Richtung WCM ausgebaut. So hat etwa Open Text mehrere WCM-Hersteller aufgekauft, darunter das deutsche Unternehmen Gauss, das ehemals als einer der Marktführer im WCM-Segment galt. Einen anderen Weg beschritt das Unternehmen Filenet, das aus eigener Kraft sein Portfolio in Richtung WCM erweiterte.
Laut den Analysten von Forrester ist es Trend, nicht nur die Inhalte für eine Site bereit zu stellen, sondern auch herauszufinden, wie die Kunden diese Inhalte nutzen. Zudem erhalten Websites zunehmend eine soziale Dimension, das heißt die Kunden wollen untereinander interagieren. Auf Basis neuer Technologien wie Ajax, RSS, Macromedia Flash entwickelten sich in den letzten Jahren eine Vielzahl neuer Anwendungen wie Blogs, Social-Networking, Photo- und Video-Sharing und Wikis. Wer mit seinem Angebot beim Megatrend Web 2.0 mithalten will, muss sich laut Gartner zunehmend auf diese Herausforderung einstellen. Die Analysten von Experton beschwören bereits die Ablösung des Desktop durch den Webtop . Das mag zwar noch einige Zeit dauern, aber wer sich heute für ein WCM-Angebot entscheidet, sollte sich für ein System entscheiden, das auch für die neuen Aufgaben gerüstet ist. Aber auch die neu hinzugekommenen Produkte der großen Hersteller sind nicht gerade billig. Wenn es ein bisschen günstiger sein soll, dann gibt es Alternativen.
Kommerzielle WCM-Angebote für ASP
Software zur Miete, bekannt als Application-Service-Providing (ASP) oder Hosting, erlebt derzeit ein Comeback. Dafür spricht, dass sich der Kunde dann nicht um Implementierung oder laufenden Betrieb kümmern muss. Das erledigt gegen eine monatliche Gebühr der Hosting-Partner. Die Vorzüge eines solchen ASP-Modells kommen vor allem bei einer komplexen Lösung, wie es WCM immer ist, voll zur Geltung.
Unternehmen neigen dazu, die internen Kosten zu unterschätzen, die anfallen, wenn WCM in Eigenregie betrieben wird. Nach einer Studie des österreichischen Consulting-Unternehmens Tikom entstehen in 18 Prozent aller Unternehmen über 72.000 Euro an internem Aufwand für die Bearbeitung der Inhalte, wobei signifikante Unterschiede hinsichtlich Unternehmensgröße und Branche festzustellen sind. Hier bieten gehostete Lösungen echte Kostenvorteile.
So bietet etwa der deutsche Hersteller Dynasite Web-Content-Management auf Mietbasis, das ab 99 Euro pro Monat zu haben ist. Technisch basiert Dynasite auf Macromedia Cold Fusion.
Ebenfalls 99 Euro verlangt das Nürnberger Unternehmen Drow für ihr Angebot Drow CMS ASP.
Ein österreichisches Produkt auf Basis von Microsoft ASP.net ist descience.CMS, das ab 39 Euro erhältlich ist. Es ist mit derzeit 15 Modulen erweiterbar.
Aber auch die mittelgroßen WCM-Hersteller sind im ASP-Bereich vertreten. So hostet etwa Pironet nicht nur das hauseigene CMS, sondern die ganze Unternehmensinfrastruktur bis hin zu SAP.
Einen anderen Ansatz geht dagegen Coremedia. Das Unternehmen lässt seine WCM-Software Coremedia CMS bei insgesamt sieben ASP-Partnern hosten.
Open-Source-Alternativen
Es gibt bereits einige gut eingeführte Projekte aus dem Open-Source-Bereich, die mit kommerziellen Produkten vom Leistungsumfang durchaus mithalten können. Das bestätigen die Analysten von Gartner: Open-Source-WCM befindet sich auf dem Höhepunkt des von den Marktforschern definierten Zyklus (Hype Cycle for Open-Source Software 2005), die Lösungen sind also ausgereift. Vor allem für kleinere und mittlere Projekte hat ein echter Verdrängungswettbewerb eingesetzt: Kommerzielle Systeme tun sich schwer, ihren Mehrwert gegenüber Open-Source-Angeboten darzustellen.
Es gibt sieben wesentliche Projekte: zunächst Midgard CMS 1.7. Dafür leisten insgesamt sieben deutschsprachige Systemhäuser Support.
Der Zweite im Bunde ist Open CMS 6.0. Dafür gibt es Unterstützung vom Kölner Systemhaus Alkacon.
Als Dritter ist Zope Content-Management-Framework zu nennen, das auf dem Web-Application-Server Zope aufbaut. Nicht weniger als 77 deutschsprachige Dienstleister haben sich auf dieses Framework spezialisiert.
Zur Zope-Familie gehört die vierte Lösung Plone CMS 2.1, die ebenfalls auf dem Zope Application-Server aufbaut.
Fünftens gibt es noch die Open-Source-WCM-Lösung Contenido, die vom Offenbacher Systemhaus Four for Business entwickelt wurde. Im Gegensatz zu anderen OSS-WCMs wurde hier Wert auf einfache Bedienung gelegt.
Dies zeichnet auch den Sechsten im Bunde, Conpresso 4.0, aus. Allerdings ist Conpresso kein echtes Open-Source-Produkt, sondern nur für bestimmte Einsatzzwecke lizenzfrei.
Last not least ist das CMS-System Typo3 4.0 das im deutschsprachigen Raum wohl bekannteste. In Deutschland allein haben sich über 500 Consultants dem Typo3-Support verschrieben. Es gibt zu Typo3 eine Vielzahl von Büchern und sogar eine eigene Zeitschrift.
Das ist auch nötig, denn so verlockend es auch sein mag, eine kostenlose Open-Source-Software in Eigenregie zu implementieren, sollten Unternehmenskunden doch besser die Finger davon lassen. Die vermeintliche Ersparnis schlägt schnell ins Gegenteil um, denn eine WCM-Lösung aufzusetzen kostet eine Menge Zeit und Mühe. Von daher erscheint es als das Eleganteste, einfach die Vorteile von Open-Source und ASP zu kombinieren und die Installation und Betreuung des WCM einem Hosting-Partner zu überlassen. Allerdings sind die Anforderungen von Open-Source-WCM an die Hardware-Server recht hoch und ein Paket wie Typo3 ist nicht bei jedem Provider lauffähig. Von daher ist es im Gegensatz zu den kommerziellen Hosting-Angeboten empfehlenswert, auch einen eigenen Hardware-Server zu mieten (Kosten etwa 80 bis 400 Euro monatlich).
Hierfür gibt es auch eine Vielzahl von Hosting-Angeboten, anbei einige Beispiele:
Die Mittwaldmedien CM Services bieten Typo3 auf Hosting-Basis für 9,90 Euro monatlich an.
Jochen Weiland hat sich auf Typo3-Hosting auf den Servern von Schlund & Partner (1 & 1, GMX) spezialisiert.
Die Dresdner Internet 24 bietet Typo3-Hosting ab 18,90 Euro monatlich an und kann mit dem Chip-Anbieter AMD eine beeindruckende Referenz vorweisen.