Kai Schmude, Geschäftsbereichsleiter IT & Digital Entertainment, Koelnmesse
Relativ kurzfristig, aber offensichtlich nach Abwägung aller Vor- und Nachteile, geschah das Zusammenlegen der »DMS Expo« mit der »IT & Business« in Stuttgart bereits in diesem Jahr. Über die Hintergründe und Zukunft der Kooperation zwischen Koelnmesse und Messe Stuttgart sprach ECMguide.de-Mitarbeiterin Annette Stadler mit Kai Schmude, Geschäftsbereichsleiter IT & Digital Entertainment der Koelnmesse.
Welchen Hintergrund hat die Zusammenlegung der DMS Expo mit der IT & Business?
Schmude: Mit der Zusammenlegung bzw. der parallelen Durchführung der Messen bedienen wir zwei wesentliche Interessenlagen und Synergieeffekte im Markt: Zum einen den Wunsch der Besucher, die ein immer breiteres Interessenspektrum haben. IT-Anwendungen wachsen im betrieblichen Alltag immer mehr zusammen. ECM, Collaboration, Enterprise 2.0 und andere aktuelle IT-Themen betreffen verschiedene Fachbereiche und Systeme im Unternehmen, die immer stärker miteinander vernetzt sind. Daher richtet sich das Interesse des Publikums nicht nur auf einzelne Systeme, sondern auch auf angrenzende Themenfelder. Zum anderen besteht auch bei den Ausstellern ein großes Interesse an einer breit aufgestellten und starken Veranstaltungsplattform, auf der sie ihre Zielgruppen gebündelt mit einem Messeauftritt und gutem Preis-Leistungs-Verhältnis erreichen können.
Verlieren die Koelnmesse und die Stadt Köln dadurch nicht eine wirtschaftlich attraktive Veranstaltung?
Schmude: Sicherlich ist es für die Stadt Köln und die Koelnmesse von großem Interesse, Gastgeber von interessanten Veranstaltungen zu sein. Unabhängig von dieser Interessenlage ist es für uns und den Erfolg von Veranstaltungen aber von höchster Priorität, die Interessenlage der jeweiligen Branchen optimal zu bedienen und sich den Argumenten dabei nicht zu verschließen.
Sie haben die Aussteller und die Presse am Mittwochabend des 14. Juli über die Zusammenlegung der DMS Expo mit der IT & Business informiert. Wann wurde die Entscheidung gefällt und wer war daran beteiligt? Spielte der VOI als ideeller Träger der Veranstaltung eine Rolle?
Schmude: Es gehört zu unserem Selbstverständnis, dass wir mit Partnern und Kunden regelmäßig besprechen, was wir an unseren Veranstaltungen noch besser machen können und wie wir sie zukunftsorientiert aufstellen. In diesen Diskussionen wurde die grundsätzliche Stossrichtung, Synergien durch die Zusammenlegung der DMS Expo mit anderen Veranstaltungen zu erschließen, ausdrücklich begrüßt. Die finale Entscheidung über die konkrete Ausgestaltung der Kooperation und die Zusammenlegung der Messen wurde am Mittwochmorgen von den Verantwortlichen der Messe Stuttgart und der Koelnmesse getroffen. Die Landesmesse Stuttgart hat gemeinsam mit uns als Mitveranstalter ein großes Interesse, alle Partner, die bisher erfolgreich an der DMS Expo mitgewirkt haben, auch in Zukunft an Bord zu haben – allen voran natürlich den VOI.
Die Koelnmesse übernimmt eine Rolle als Mitveranstalter. Wie lange bekleiden sie diese und welche Aufgaben übernehmen Sie dabei konkret?
Schmude: Die Kooperation mit der Messe Stuttgart ist langfristig ausgelegt. Wir bringen als Mitveranstalter, neben unserer langjährigen Erfahrung, unseren Kontakten und unserer Themenkompetenz, alles ein, was der Veranstaltung zu weiterem Wachstum hilft. Konkret betreuen wir gemeinsam mit den Stuttgarter Kollegen Partner und Key-Accounts und unterstützen die Durchführung des Rahmenprogramms. Hierzu nehmen wir unter anderem an regelmäßigen Arbeitssitzungen teil und sitzen im Fachbeirat der DMS Expo.
Wie viele Mitarbeiter der Koelnmesse sind mit der DMS Expo beschäftigt?
Schmude: Die Anzahl der Mitarbeiter in einem Messeprojekt steigt im Projektverlauf kontinuierlich an und kann in den letzten Projektphasen mit Hostessen etc. an die hundert Personen und mehr betragen.
Zu welchen finanziellen Konditionen geschieht der Transfer nach Stuttgart?
Schmude: Wir bitten um Verständnis, dass wir zu Vertragsdetails keine öffentliche Stellungnahme abgeben.
Viele Aussteller und Branchenkenner zeigten sich von den Veränderungen überrascht. Wie haben die betroffenen Unternehmen nach der Bekanntgabe der Zusammenlegung und dem Standortwechsel Ihnen gegenüber reagiert?
Schmude: Wir erhielten ein breites positives Echo, das uns zeigt, dass die Entscheidung von den überwiegenden Teilen des Marktes begrüßt und als inhaltlich sinnvoll erachtet wird. Einzelne Aussteller waren sicherlich vom relativ kurzfristigen Wechsel noch in diesem Jahr überrascht, die Vorteile dieser Maßnahme überwiegen aber am Ende.
Können Sie den Ausstellern die gleichen Preise, Standflächen und Standorte, die in Köln gebucht waren, garantieren?
Schmude: Wir können sogar ein günstigeres Preisniveau anbieten. Aufgrund der Synergien zwischen den Veranstaltungen können den Ausstellern der DMS Expo die gleichen Preise wie für die IT & Business angeboten werden. Darüber hinaus setzen wir gemeinsam mit den Kollegen aus Stuttgart alles daran, Stände, die bereits fertig geplant sind, eins zu eins in Stuttgart abzubilden. Aufgrund der großzügigen Platzverhältnisse auch am neuen Standort ist dies möglich.
Wie unterstützen Sie die Aussteller bei der Bewältigung des Zusatzaufwands, der durch die Messeverlegung verursacht wird?
Schmude: Wir stehen im intensiven Dialog mit den Ausstellern und dem Team der Messe Stuttgart und unterstützen sie in allen Belangen, um die Messeplanung reibungslos zu überführen. Dabei vermitteln wir alle notwendigen Kontakte, die es braucht, um einen Standortwechsel zu begleiten: Zum Beispiel zu Hotels und anderen Dienstleistungsunternehmen. Insgesamt handelt es sich bei den Ausstellern, die den Messeauftritt in Köln bereits vollständig durchgeplant haben, eher um Einzelfälle.
Wie viele Aussteller haben sowohl seitens DMS Expo als auch von IT & Business ihre Teilnahme in Köln bzw. Stuttgart bereits zugesagt?
Schmude: Die Anmeldungen für Köln bewegten sich auf dem Niveau des Vorjahres. Zur formell richtigen Abwicklung haben wir die für 2010 bereits geschlossenen Ausstellerverträge gekündigt und die Messe Stuttgart entsprechende Neuverträge angeboten. Dieser Umstellungsprozess ist bekanntlich gerade erst angelaufen. Daher können wir noch keine konkreten Angaben zum aktuellen Status machen.
Welche Auswirkungen hat die Verlegung auf das Rahmenprogramm?
Schmude: Es ist für die Kollegen aus Stuttgart und uns ein wichtiger Punkt, die DMS Expo in Stuttgart als eigenständige Leitveranstaltung der ECM/DMS-Branche mit den gleichen Komponenten, beispielsweise dem Konferenzprogramm und den Veranstaltungsreihen, wie in Köln durchzuführen. Die DMS Expo wird daher auch nicht als Bestandteil der IT & Business, sondern als eigenständige Parallelveranstaltung laufen, die mit dem gleichen Besucherticket besucht werden kann. Speziell zu den Formaten im Rahmenprogramm gibt es aber auch einige interessante neue Ideen, deren Umsetzbarkeit wir derzeit mit der Messe Stuttgart besprechen.