ECM-Konzepte sichern heute den effizienten Ablauf unternehmensweiter Geschäftsprozesse. Mit dem Ziel, das den Geschäftsprozessen zu Grunde liegende Informationsmanagement weiter zu optimieren, unterstützen ECM-Systeme neben DMS-, Workflow- und Archivfunktionen zukünftig auch Web-2.0-Services.
von Siegfried Dannehl
Bild: Goodnews
Das immer komplexer werdende Arbeitsumfeld mit verteilten und virtuellen Teams erfordert zwangsläufig eine Umgestaltung des traditionellen Arbeitsplatzes. Egal ob im Kundenservice, beim Qualitätsmanagement oder generell bei der Etablierung eines unternehmensweiten Wissensmanagements – durch den Einsatz von Web-2.0-Technologien und Social-Software wie Wikis, Blogs oder Podcasts kann der unternehmensinterne Informationsfluss sowie die Zusammenarbeit über Abteilungen und Funktionsbereiche hinweg nachhaltig verbessert werden. Als Schlüssel betrachten Experten einfachere Benutzerschnittstellen und interaktive Anwendungen, die die Vernetzung von Mitarbeitern und ihrem dokumentierten Wissen fördern.
Web 2.0 mit seinen kollaborativen Anwendungen rückt daher zunehmend in das Interesse der Anbieter von ECM-Lösungen. Enterprise 2.0 und ECM 2.0 lauten die neuen Schlagwörter. Die Verbindung von Community-Software, zentralen Informationsrepositorys und Foren ermöglicht – so die Vorstellung führender ECM-Anbieter – die systematische und schnellere Nutzung des kollaborativen Wissens aller Beteiligten.
Erfolgreicher im Kollektiv
»Anwendungen wie E-Mail und Dokumentendatenbanken werden den neuen Anforderungen bereits heute nicht mehr gerecht«, glaubt René Werth, Leader Social Software und Enterprise 2.0 Lösungen bei der IBM Software Group. »Erst der Einsatz von Enterprise-2.0-Anwendungen ermöglicht den Benutzern wieder eine effiziente Kommunikation und das Finden von relevanten Informationen, so dass jeder einzelne durch die kollektive Intelligenz aller profitiert und einen persönlichen Mehrwert erhält.«
Eine Einschätzung, die offenbar von immer mehr Unternehmen geteilt wird, wie die aktuelle Studie zum Thema »Enterprise 2.0: Agile, Emergent and Integrated« des Branchenverbandes AIIM (Association for Information and Image Management) belegt. »44 Prozent der Befragten gaben an, dass Enterprise 2.0 dringend notwendig oder maßgeblich für die Erreichung der Unternehmensziele sei«, erklärt AIIM-Vizepräsident Carl Frappaolo. »Weitere 27 Prozent sehen Enterprise 2.0 als durchschnittlichen Einflussfaktor auf Unternehmensziele und -erfolg.«
Bislang wurden Web-2.0-Funktionen als separate Lösungen zu Content-Management-Systemen eingesetzt. Eine integrierte Nutzung war in der Regel nicht möglich. Mit den neuen Web-2.0-Erweiterungen ermöglicht RedDot, die Open Text Web Solutions Group, nun erstmals die nahtlose Einbindung interaktiver Applikationen und Web-2.0-Funktionen in sämtliche Web-Medien. Mit Hilfe der Reddot-Erweiterungen können Redakteure im Unternehmen ohne Unterstützung von IT-Spezialisten Intranet- oder Internet-Seiten um Blogs, Foren, Wikis, Kommentarfelder, Bewertungen oder andere Komponenten erweitern. Durch die integrierte Nutzung lassen sich alle Inhalte einheitlich verwalten: Nutzergenerierte Inhalte fließen genauso wie redaktionelle Inhalte in einen gemeinsamen Datenpool und bereichern so das Unternehmenswissen.
ECM 2.0 wird zur Wissensplattform
»Web 2.0 entwickelt sich zu einem essenziellen Bestandteil einer erfolgreichen Web-Strategie«, sagt Daniel Kraft, Vorstand von Reddot. Aus vielen Kundengesprächen wissen wir, dass eine Kernanforderung die nahtlose Integration in die Content-Management-Struktur ist. Organisationen erreichen damit eine intensivere Beziehung zu ihren internen und externen Zielgruppen und können Wissen konservieren und personalisiert nutzen.«
Einen ersten deutlichen Schritt in Richtung »Enterprise 2.0« will mit der DAK eine der größten deutschen Krankenkassen tun. Die Krankenkasse und CoreMedia, internationaler Anbieter von »people-centric« Content-Management-Software, gaben auf der CeBIT 2008 bekannt das Wissensmanagement bei der DAK im Rahmen einer Kooperation voranzutreiben und neu zu gestalten. Das Projekt »DAKw!ssen« soll innerhalb der nächsten Monate umgesetzt werden. »DAKw!ssen wird sicherlich eine Wissens- und Kommunikations-Plattform mit Pilotcharakter für weitere Unternehmen«, erwartet Sören Stamer, CEO und Mit-Gründer von Coremedia. »Die Vernetzung von Mitarbeitern und deren Wissen wird in unserer global vernetzten und sich schnell verändernden Welt zunehmend wichtiger.«