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[16.11.2009] (eh)
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Im Interview: Hans Held Büroorganisation

Marcus Hüttmann, Geschäftsführender Gesellschafter, Hans Held Büroorganisation

Die EU-Dienstleistungsrichtlinie gilt als ein bedeutender E-Government-Treiber. Unternehmen sowie der normale Bürger werden davon profitieren. Doch es gibt noch allerhand zu tun.
Wir sprachen mit Marcus Hüttmann, Geschäftsführender Gesellschafter bei Hans Held Büroorganisation, wie Outsourcing-Trends, Web 2.0 und die EU-Dienstleistungsrichtlinie das E-Government verändern.

Anfang 2000 hat der seinerzeitige Bundeskanzler Gerhard Schröder die E-Government-Initiative »BundOnline 2005« ins Leben gerufen und damit dem so genannten Electronic-Government einen neuen Antrieb gegeben. Was hat sich aus heutiger Sicht – rückblickend – getan?

 Marcus Hüttmann 
Marcus Hüttmann
Hüttmann: Die Gesamtsituation ist nicht eindeutig und differenziert zu betrachten. Einige Kommunen sind, was den Grad der Umsetzung von IT-Verfahren betrifft, sehr fortschrittlich. Besonders kleine und mittlere Kommunen besitzen jedoch beim Thema Electronic-Government Nachholbedarf. Generell sehen wir in den letzten Jahren ein steigendes Bewusstsein im Behörden-Sektor für die Vorteile elektronischer Dokumentenmanagement-Systeme, besonders wenn es um die Umsetzung effizienter Arbeitsprozesse geht. Die Bestimmungen der EU-Dienstleistungsrichtlinie mit ihren Anforderungen an die Informations- und Organisationsverwaltung werden den Wandel hin zum E-Government forcieren.

Aufgrund der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise wurden unter anderem auch von der deutschen Bundesregierung Konjunkturpakete angeschoben. Viel Geld soll in Infrastrukturmaßnahmen fließen, zum Beispiel in die IT-Infrastruktur des Bundes, also ins E-Government. Wo können Sie erkennen, dass sich wirklich etwas tut?

Hüttmann: Wir können leider keine Verbesserung feststellen. Investitionen in die Infrastruktur sind in der überwiegenden Mehrheit als bauliche Maßnahmen konzipiert. Der Ausbau des E- Government wird unserer Meinung nach viel zu zaghaft betrieben.

In der freien Wirtschaft gibt es beispielsweise einen starken Trend zum Outsourcing. Merken Sie davon auch was in den öffentlichen Verwaltungen?

Hüttmann: Der Trend zum Outsourcing war auch im Behörden-Sektor in den letzten Jahren zu erkennen. Ziel war es, die kommunalen Haushalte von einzelnen Aufgaben zu entlasten. Doch hat dieser Trend in letzter Zeit stark nachgelassen. So wurde das Sparpotenzial häufig überschätzt. Zudem hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass nur der Aufbau eigener IT-Strukturen die Grundlage für eine umfassende Prozess-Optimierung schafft und zudem die Flexibilität bei der Gestaltung einzelner Workflows erhöht. Auch gibt es Verwaltungsaufgaben, die aufgrund sensibler Daten, nicht ausgelagert werden können.

Web 2.0 ist in der freien Wirtschaft ebenfalls in aller Munde. Was können öffentliche Verwaltungen davon lernen?

Hüttmann: Web 2.0 wird häufig missverstanden und nur im Sinne von mehr Infotainment und mehr Videoclips umgesetzt. Dabei ist das Kernthema von Web 2.0, speziell für Behörden, eine stärkere Interaktion mit den Kunden bzw. Bürgern. Hierbei besteht ein erhebliches Verbesserungspotenzial. Die Themen sind zweifellos vorhanden, angefangen von der Verlängerung des Personalausweises bis hin zur Beantragung von Sozialleistungen. Was fehlt, sind das notwendige Web-Know-how, die Fachleute sowie häufig der Mut. So fürchten die Gemeinderäte oft die unberechenbaren Folgen und Konsequenzen aus einer verstärkten Interaktion mit den Bürgern.

Auf europäischer Ebene ist sicherlich die EU-Dienstleistungsrichtlinie ein bedeutender E-Government-Treiber. Dabei haben E-Government-Basisdienste Priorität wie elektronisches Identity-Management, elektronische Signatur, Portal-Services, Workflow und Dokumentenmanagement, Formularservices und Archivierung. Was können Sie hier dazu beitragen?

Hüttmann: Unsere DMS-Software »Regisafe« präsentiert sich als ganzheitliches Steuerungsinstrument für die Dokumentenverwaltung und die Umsetzung der EU-Dienstleistungsrichtlinie. Regisafe bietet alle genannten Basisdienste unter einer einheitlichen Oberfläche. Dabei sorgen unterschiedliche Schnittstellen für die Einbindung in andere IT-Anwendungen und -Prozesse. Nur wenn die zentralen DMS-Aufgaben unter einem Dach vereint sind, können die Vorteile einer E-Government Lösung – wie zum Beispiel eine einheitliche Datenhaltung und das damit verbundene Wegfallen von zeitaufwändigen Mehrfach-Erfassungen – wirklich zum Tragen kommen.

Mit welchen Trends ist Ihrer Meinung nach in der nächsten Zeit im E-Government-Segment zu rechnen?

Hüttmann: Das E-Government erhält durch die EU-Dienstleistungsrichtlinie neuen Schwung. Ihr Ziel ist es, den grenzüberschreitenden Handel mit Dienstleistungen zu fördern. Um eine Dienstleistung vor Ort zu ermöglichen, müssen die EU-Staaten sicherstellen, dass alle erforderlichen Informationen elektronisch verfügbar sind. Die Webseiten der öffentlichen Verwaltung entwickeln sich somit zum zentralen Anlaufpunkt für alle Informationen – von den Öffnungszeiten bis hin zu einzelnen Formularen, Anfahrtswegen sowie der Nennung eines so genannten einheitlichen Ansprechpartners (EA), der für die spezifische Dienstleistung alles Wissen versammelt, das sonst in einzelnen Abteilungen oder Behörden verteilt wäre.

Das hört sich danach an, dass Firmen viel davon haben. Hat der normale Bürger auch etwas davon?

Hüttmann: Aber sicher. E-Government Konzepte der nahen Zukunft werden zudem verstärkt interaktive Elemente bieten, was nicht nur dem gewerblichen, sondern auch dem privaten Bereich zugute kommen wird. Bürger können somit per Mail oder Web-Interface Anträge stellen oder Ausweise verlängern lassen. Abhängig ist diese Entwicklung jedoch von den Rahmenbedingungen im Bereich der elektronischen Signatur und der damit zusammenhängenden Rechtsgültigkeit sowie von den Kosten für den Bürger.
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