Engelbert HörmannsdorferInternationale Hacker und Hersteller von Antivirensoftware stehen vor einer Art Sonderkonjunktur: Der Bundes-Trojaner ist (praktisch) da! Noch blöder als der Name ist höchstens noch das geplante Vorgehen des Staates. Eine der Methoden, die Späh-Software auf den PCs der potenziellen oder tatsächlichen Verbrecher zu installieren, soll nämlich der Versand von manipulierten Behördenmails sein! Das müssen Sie sich mal vorstellen: Da wird Ihnen von jedem Datensicherheitsspezialist eingetrichtert, dass Sie nur Mails von vertrauenswürdigen Quellen öffnen und oberste Vorsicht walten lassen sollen. Und dann wird mit einem Schlag die Verlässlichkeit der vermeintlich zuverlässigsten Quelle – staatliche Institutionen (!) – derart in Frage gestellt! Für mich heißt das: Online-Steuererklärung – aus, das war’s. Online-Behördengänge a la eGovernment – nette Idee, jetzt gestorben.
Aber halten Sie sich fest – es kommt noch besser. Der zweite geplante Weg, die Trojaner zu installieren: Ein BKA-Trupp bricht in die Wohnung des vermeintlichen Terroristen ein, startet mal ganz locker seinen PC, installiert die Software und geht wieder! Na, wenn’s weiter nichts ist….
Das alles klingt so lächerlich, dass man eigentlich fast annehmen müsste, dass es eine Desinformationskampagne ist, um die Betroffenen zu verwirren bzw. in Sicherheit zu wiegen. Denn kann man wirklich annehmen, dass professionelle Terroristen so dumm und unvorsichtig sind? Abgesehen davon bin ich schon gespannt auf die Reaktion der Hacker-Gemeinde. Für die ist es ein gefundenes Fressen: Erstens selber versuchen, die Bundes-Trojaner anzuzapfen. Und zweitens natürlich Gegenmittel programmieren. Einen größeren Anreiz kann man gar nicht haben, wer das schafft, dürfte in Hacker-Kreisen die höchsten Weihen erhalten.
Und stellen Sie sich mal vor, ein Trojaner-Programmierer wird mal verhaftet und vor Gericht gestellt wegen »Infizierens eines PCs mit Schadprogammen«. Er wird in Zukunft argumentieren: Die Bundesregierung macht’s doch auch. Ich traue mir jetzt schon eine Prognose zu: Die ganze Aktion wird ein ganz großer Bundes-Reinfall!
P.S.: Just als ich mit diesem Editorial fertig bin, erreicht mich die erste PR-Meldung aus der IT-Branche dazu. Eigentlich gäbe es einen ganz simplen und einfach Trick, den Bundes-Trojaner – und natürlich auch alle anderen vergleichbaren Schadprogramme – auszuhebeln: Festplatten-Verschlüsselung. (Falls es jemanden interessiert, die Meldung kam von Securstar; es gibt aber noch andere Verschlüsselungsspezialisten.)
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ehoermannsdorfer@speicherguide.deIhr Engelbert Hörmannsdorfer, Redaktion speicherguide.de