Der Trend zur zunehmenden Digitalisierung war schon immer eine Herausforderung in Postbearbeitungsabteilungen. Nun kommt eine neue hinzu: De-Mail und E-Postbrief wurden jüngst rechtlich verabschiedet, die ersten Anbieter werfen die Marketingmaschinerie dafür an.
ECMguide.de sprach mit Wilhelm Kanzler, General Manager DMT Northern Europe bei Pitney Bowes, über die neue E-Mail- bzw. Online-Briefgeneration und weitere Trends im Bereich Postbearbeitungslösungen.
Was bewegt den Markt für Postbearbeitungslösungen derzeit am meisten? Neuerungen bei klassischen Lösungen, oder der Hype rund um den kommenden elektronischen Briefverkehr wie De-Mail oder E-Postbrief?
Kanzler: Auf der einen Seite wird das Thema E-Postbrief ganz offensichtlich intensiv vorangetrieben und beworben. Doch andererseits überlegen Aussender, wie und mit welchen Mitteln sie auf klassischem Wege die bestmögliche Kommunikation mit ihren Kunden erreichen.
Glauben Sie, dass sich elektronischen Briefverkehr wie De-Mail oder E-Postbrief breitflächig durchsetzt? Immerhin muss sich ein potenzieller Kunde erst mal registrieren, was bei der normalen Papierpost nicht notwendig ist…..
Kanzler: Das größte Potenzial für den elektronischen Briefverkehr sehe ich im B2C-Bereich. Allerdings wird die Durchdringung davon abhängen, wie anwenderfreundlich und einfach die Systeme für den Empfänger wirklich sind – und das wurde zusammen mit der Sicherheit der Zustellung in den letzten Wochen heftig diskutiert. Die Rahmenbedingungen, das heißt die Gesetzesgrundlage, ist geschaffen, jetzt muss der Kundennutzen in den Fokus rücken.
Wird nicht die elektronische Signatur beim Online-Brief überflüssig? Eigentlich besteht keine Notwendigkeit mehr für eine elektronische Signatur….
Kanzler: Für welche Anwendergruppe ist der Online-Brief am interessantesten? Doch wohl eher für Unternehmen und Behörden, der normale Bürger dürfte sehr selten davon profitieren… Was ist das Ziel des Online-Briefes als komplementäres Medium? Habe ich damit wirklich die Möglichkeit, den Adressaten schneller, direkter, individueller anzusprechen? Oder ist der Ansatz vielmehr darin zu sehen, Kosten- und Portoeinsparungen zu erzielen? Bis zu ca. 75 Prozent der Prozesskosten betreffen heute das Porto. Unter diesen Gesichtspunkten würde es natürlich nahe liegen, dass sich hochvolumige Aussender durch den Kostendruck im Markt eher auf die Online-Versendung konzentrieren. Allerdings entgeht ihnen damit das große Aufmerksamkeitspotenzial, das gut gestaltete Briefe bieten. Das Ziel sollte also immer ein ausgewogener Mix verschiedener Kanäle und Maßnahmen sein, auch um den Kunden die gewünschte Auswahl an Kommunikationskanälen zu bieten.
Geht es also der normalen Briefpost an den Kragen, oder nicht?
Kanzler: »Normale« Briefpost gibt es nahezu nicht mehr. Die Zeiten von unpersonalisierten, nicht individualisierten Anschreiben in weißen Kuverts sind definitiv vorbei. Basierend auf neuen Technologien, wie Pitney Bowes sie anbietet, bekommt der Brief eine komplett neue Wertigkeit. Dies beginnt bei der Dokumentenaufbereitung und -anreicherung mit kundenrelevanten Informationen und reicht bis zu personalisierten Briefhüllen mit individuellen Marketingbotschaften. Mit anderen Worten, wenn die Entscheidung für einen gedruckten und zugestellten Brief fällt, dann sollte der bestmögliche Nutzen für den Empfänger angestrebt werden – dann wird die Nachricht auch wahrgenommen und ein Mehrwert dadurch erzielt.
Es wird wohl auf hybride Postsysteme hinauslaufen. Heißt: Am PC einen Brief schreiben und ihn auf Knopfdruck an eine zentrale Stelle senden, die sich dann um Druck und Versand kümmert. Könnte dies die Lösung bei modernen Postbearbeitungslösungen sein?
Kanzler: Definitiv. Das hat Pitney Bowes vor Jahren erkannt und mit seinem Produkt »P/I OfficeMail« die Antwort gegeben: Eine Lösung, die dezentral erstellte Dokumente sammelt, aufbereitet, mit empfängerrelevanten Daten anreichert und zur Verarbeitung auf hochproduktiven Weiterverarbeitungslösungen bereitstellt. Dies ermöglicht erhebliche Kosteneinsparungen. Außerdem kann mit unserer »White Paper Factory«-Lösung jedes einzelne Poststück individuell erstellt werden. Nutzer profitieren davon in zweierlei Hinsicht: durch die Rationalisierung der Verarbeitung, und die Erschließung neuer Geschäftsfelder und damit dem Ausbau des Geschäftsvolumens. Pitney Bowes sieht auch die digitale Zustellung als Wachstumsmarkt und bietet in Nordamerika bereits ein digitales Zustellportal namens »Volly«. Neben einer effizienten und sicheren Zustellung der Dokumente steht die Kundenakzeptanz durch Mehrwerte bei diesem neuen digitalen Service an oberster Stelle.
Noch vor etlichen Jahren gab es rund um Transpromo fast einen Hype. Wir haben den Eindruck, es ist etwas abgeflaut. Ist unser Eindruck zu oberflächlich, oder setzen sich Transpromo-Mailings bzw. -Lösungen doch durch?
Kanzler: Farbe ist aus einer modernen Kommunikation nicht mehr wegzudenken. Pitney Bowes bietet mit der »IntelliJet«-Druckerfamilie das qualitativ hochwertigste und produktivste Tool im Transaktionsmarkt. Ein Farbdrucker ist aber nicht gleichzusetzen mit Transpromo, dazu bedarf es mehr. Deshalb bieten wir vielfältige Software-Lösungen, um kundenrelevante Daten mit vertriebs- bzw. marketingrelevanten Informationen zu verbinden und sie für die Weiterverarbeitung aufzubereiten. Durch das Zusammenspiel von intelligenter Druckdatenaufbereitung und individueller Dokumentenanreicherung mit hochproduktiven Drucksystemlösungen wird sich Transpromo in vielen bis dato alltäglichen Dokumenten sicherlich wiederfinden.
Wagen Sie einen Ausblick, sagen wir zwei bis drei Jahre. Auf welche Trends sollen sich unsere Leser im Postbearbeitungs-Segment dann einstellen?
Kanzler: »Customized messages to targeted customers through preferred channels« – das ist der Schlüssel für erfolgreiches Customer-Communications-Management, also eine moderne effektive Kundenkommunikation. Für den geschäftlichen Erfolg wird es in Zukunft entscheidend sein, die kundenbezogene Botschaft an die ausgewählten Zielpersonen über den bevorzugten Kommunikationskanal anzubieten.
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