Der Trend zur zunehmenden Digitalisierung war schon immer eine Herausforderung in Postbearbeitungsabteilungen. Nun kommt eine neue hinzu: De-Mail und E-Postbrief wurden jüngst rechtlich verabschiedet, die ersten Anbieter werfen die Marketingmaschinerie dafür an.
ECMguide.de sprach mit Michael Mews, Geschäftsführer von TNT Post, über die neue E-Mail- bzw. Online-Briefgeneration und weitere Trends im Bereich Postbearbeitungslösungen.
Was bewegt den Markt für Postbearbeitungslösungen derzeit am meisten? Neuerungen bei klassischen Lösungen, oder der Hype rund um den kommenden elektronischen Briefverkehr wie De-Mail oder E-Postbrief?
Mews: Momentan ist De-Mail im Markt für Postbearbeitungslösungen das Thema Nummer eins. Dabei geht es vor allem darum, wie Großversender dieses Medium für ihre Kundenkommunikation nutzen können sowie um die Frage der Portooptimierung. Doch auch Neuerungen bei klassischen Lösungen sind nach wie vor gefragt. Denn: Gedrucktes genießt immer noch deutlich höhere Akzeptanz als E-Mails. Das zeigt eine aktuelle Studie, nach der 80 Prozent der online getätigten Käufe darauf zurückzuführen sind, dass der Kunde zuvor einen gedruckten Katalog in der Hand hatte.
Glauben Sie, dass sich elektronischer Briefverkehr wie De-Mail oder E-Postbrief breitflächig durchsetzt? Immerhin muss sich ein potenzieller Kunde erst mal registrieren, was bei der normalen Papierpost nicht notwendig ist…
Mews: Der digitale Brief ist ein Zukunftsmarkt und für uns als Briefdienstleister äußerst relevant. Momentan spricht das Thema auf der Nutzerseite sicherlich stärker die jüngere Generation an, die mit dem Computer groß wurde. Für diese potenziellen Kunden dürfte auch die Registrierung kein weiteres Problem darstellen. In diesem Zusammenhang haben wir auch mit einigen Großkunden zusammen ein neues Produkt zur mobilen Identifikation entwickelt, was kundenfreundlich auf die Verbraucher zugeschnitten wurde.
Für welche Anwendergruppe ist der Online-Brief am interessantesten? Doch wohl eher für Unternehmen und Behörden, der normale Bürger dürfte sehr selten davon profitieren…
Mews: Die Nutzung von De-Mail lohnt sich vor allem für Unternehmen, die bei der Postabwicklung Personal-, Material- und Portokosten reduzieren wollen. Dabei ist die De-Mail sowohl für Geschäftskunden aus der Privatwirtschaft als auch aus dem Bereich der öffentlichen Auftraggeber – egal welcher Größenordnung – interessant.
Geht es also der normalen Briefpost an den Kragen, oder nicht?
Mews: Natürlich ist eine Substitution von Briefen durch elektronische Post nicht zu leugnen. Dieser Abschmelzprozess – physisch wird durch digital ersetzt – findet sukzessive statt. Doch auch in Zeiten elektronischer Medien bleiben physische Briefe für die meisten heutigen Nutzer auch in Zukunft von hoher Relevanz – weil sie eben greifbar sind und dadurch eine höhere Aufmerksamkeit erzeugen.
Es wird wohl auf hybride Postsysteme hinauslaufen. Heißt: Am PC einen Brief schreiben und ihn auf Knopfdruck an eine zentrale Stelle senden, die sich dann um Druck und Versand kümmert. Könnte dies die Lösung bei modernen Postbearbeitungslösungen sein?
Mews: Hybride Postsysteme sind eine Alternative zum klassischen Postversand und im Großkundengeschäft heute schon Standard. Hier wird es in Zukunft viel mehr um die rechtsverbindlich sichere digitale Kommunikation über die De-Mail gehen. Mit »print my post«, dem hybriden Angebot von TNT Post Deutschland, bieten wir kleinen und mittelständigen Unternehmen zeitsparende und kosteneffiziente Bearbeitungsprozesse. Das ist vor allem für regionale Sendungen, die unser Geschäftsbereich TNT Post Regioservice betreut, interessant. Da der Hybridversand viele Vorteile bietet, hat er auch entsprechendes Marktpotenzial. Eine konkrete Aussage, welchen Anteil ihrer Gesamtsendungsmenge Kunden zukünftig hybrid verschicken, lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt dennoch schwer einschätzen. Versender nutzen Hybridangebote sowohl für ihr gesamtes Sendungsvolumen, als auch nur für bestimmte Sendungen.
Wagen Sie einen Ausblick, sagen wir zwei bis drei Jahre. Auf welche Trends sollen sich unsere Leser im Postbearbeitungs-Segment dann einstellen?
Mews: Wir werden in den kommenden fünf bis zehn Jahren eine weitere Differenzierung erleben. Physische, hybride und elektronische Versandmöglichkeiten werden – je nach Bedarf und Anlass – nebeneinander existieren und sich auch entsprechend ergänzen. So, wie zum Beispiel bei den klassischen Medien auch Fernsehen, Hörfunk und Zeitungen ihre Daseinsberechtigung haben. Im Postmarkt ist die De-Mail der nächste zukunftsweisende Schritt, der eine sichere, vertrauensvolle Kommunikation zwischen Versender und Empfänger ermöglicht. Doch bis dieser alltäglich geworden ist, wird die physische Welt die Schlagzahl noch bestimmen!
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