Der Startschuss für die Zertifizierungen als De-Mail-Provider ist gefallen. Wenn alles planmäßig verläuft, wird die Deutsche Telekom zusammen mit den anderen De-Mail-Providern den neuen Online-Brief, der dem »E-Postbrief« der Deutschen Post Konkurrenz machen soll, im Frühjahr 2012 auf den Markt bringen.
ECMguide.de sprach mit Dr. Frank Wermeyer, Geschäftsverantwortlicher für De-Mail bei der Deutschen Telekom, über die Aussichten und die Erwartungen an die neue Online-Briefgeneration.
Was bewegt den Markt für Postbearbeitungslösungen derzeit am meisten? Neuerungen bei klassischen Lösungen, oder der Hype rund um den kommenden elektronischen Briefverkehr wie De-Mail oder E-Postbrief?
Dr. Wermeyer: Den Markt bewegt die Frage, wie sich die Verbindlichkeit des Briefes auf ein zeitgemäßeres digitales Medium übertragen lässt – ohne Einbußen bei Sicherheit und Vertraulichkeit aber zu geringeren Kosten. Daher ist das Interesse an der De-Mail groß. De-Mail erfüllt diese Anforderungen und ist gleichzeitig umwelt- und Ressourcen schonend, da große Papiermengen entfallen.
Glauben Sie, dass sich elektronischer Briefverkehr wie De-Mail oder E-Postbrief breitflächig durchsetzt? Immerhin muss sich ein potenzieller Kunde erst mal registrieren, was bei der normalen Papierpost nicht notwendig ist.
Dr. Wermeyer: Einen Briefkasten am Haus zu installieren, ist deutlich aufwändiger. Die De-Mail-Registrierung macht man einmal, und verfügt danach über einen einfach zu bedienenden Kommunikationskanal, der schnell ist und Sicherheit und Verbindlichkeit bietet. Der Nutzen überwiegt den geringen Aufwand der Registrierung. Wir gehen daher davon aus, dass die De-Mail bis zum Jahr 2018 einen großen Teil der Postbriefe und der Geschäftsfaxe ablösen wird.
Wird nicht die elektronische Signatur beim Online-Brief überflüssig? Eigentlich besteht keine Notwendigkeit mehr für eine elektronische Signatur….
Dr. Wermeyer: Für viele Anwendungsfälle reicht eine De-Mail auch ohne zusätzliche Signaturen aus. Für einige wenige Rechtsgeschäfte ist die Schriftform gesetzlich vorgeschrieben. Da die qualifizierte elektronische Signatur gemäß dem Signaturgesetz (SigG) als Äquivalent zur eigenhändigen Unterschrift gilt, können solche Rechtsgeschäfte mithilfe einer qualifizierten elektronischen Signatur dann auch auf elektronischem Wege erfolgen. Insofern wird die elektronische Signatur zurzeit durch De-Mail nicht ersetzt, sondern ergänzt. Die De-Mail-Provider unterstützen die elektronische Signatur.
Für welche Anwendergruppe ist der Online-Brief am interessantesten? Doch wohl eher für Unternehmen und Behörden, der normale Bürger dürfte sehr selten davon profitieren…
Dr. Wermeyer: Jeder, der bei Nieselregen nicht zum Amt gehen muss, sondern Dokumente verbindlich per De-Mail aus dem warmen Zuhause senden kann, wird schnell die Vorteile von De-Mail schätzen lernen. Gleiches gilt für jede Briefmarke, nach der im Haushalt nicht gesucht werden muss. Krankmeldungen, Reisekostenabrechnungen oder Gehaltsmitteilungen per De-Mail wären ebenfalls eine bequeme Sache. Oder denken Sie an die Möglichkeit, 24 Stunden am Tag Briefe bzw. Einschreiben versenden und empfangen zu können. Sie müssen auch nicht mehr von verschiedenen Webseiten die elektronischen Belege, Nachweise oder Dokumente herunterladen, sondern bekommen diese zukünftig per De-Mail bequem in Ihr Postfach geschickt. Die De-Mail wird den Privatkunden ein weiteres Stück Komfort bringen und dabei auch noch Geld sparen. Richtig ist natürlich: Bei Unternehmen mit viel Briefverkehr ist das Interesse an der De-Mail besonders groß.
Geht es also der normalen Briefpost an den Kragen, oder nicht?
Dr. Wermeyer: Nein, Privatbriefe und Warensendungen wird und soll es immer geben. Vielmehr geht es um die Geschäftspost, die den überwiegenden Teil aller Sendungen ausmacht. Die lässt sich künftig verbindlich und sicher und zu geringeren Kosten per De-Mail erledigen. Es geht aber auch um Dinge, die wir heute bedenkenlos per E-Mail versenden. Die ungeschützt sind und durch Dritte mitgelesen oder gefälscht werden können. Die De-Mail soll den Kunden beim Versand von schützenswerten Dokumenten die nötige Sicherheit bieten.
Es wird wohl auf hybride Postsysteme hinauslaufen. Heißt: Am PC einen Brief schreiben und ihn auf Knopfdruck an eine zentrale Stelle senden, die sich dann um Druck und Versand kümmert. Könnte dies die Lösung bei modernen Postbearbeitungslösungen sein?
Dr. Wermeyer: Mischangebote aus Digitalversand und Papierzustellung sehen wir gerade im Privatkundenbereich als Übergangsphänomen. Dies endet, wenn sich elektronische Lösungen flächendeckend durchgesetzt haben. Zumal durch Druck und Kuvertierung und Zustellung ein Großteil der Kosten- und Umweltvorteile des digitalen Mediums wieder verloren gehen. Daher setzen wir im Privatkundenbereich künftig auf ein durchgängig elektronisches Produkt, ohne Papier dazwischen. Trotzdem sehen wir den Bedarf unserer Großkunden, die zwar zunehmend mit ihren Kunden elektronisch, aber nach wie vor auch klassischen über Brief kommunizieren. Daher werden wir Unternehmen wie Banken und Versicherungen oder Behörden Kombidienste anbieten. Wir wollen uns künftig um deren De-Mail-Verkehr und über Partner auch um die Briefpost der Unternehmen kümmern.
Wagen Sie einen Ausblick, sagen wir zwei bis drei Jahre. Auf welche Trends sollen sich unsere Leser im Postbearbeitungs-Segment dann einstellen?
Dr. Wermeyer: Der elektronische Briefverkehr via De-Mail wird sich aufgrund seiner Einfachheit, Schnelligkeit, Sicherheit und Nachweisbarkeit überall dort durchsetzen, wo es Kostenvorteile und den Gewinn an Sicherheit gegenüber der normalen E-Mail bringt. Wo es dagegen mehr um persönliche Wertschätzung oder Zwischenmenschliches geht, wird der Privatbrief hoffentlich seinen Platz behaupten. Der Hand geschriebene Brief, beklebt mit einer schönen Marke, ist ein Stück liebgewonnene Kultur und in unserem Medienorchester der Solist. Er spielt nicht immer, aber wenn, dann schafft er die Aufmerksamkeit, die er verdient.
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