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[09.08.2010] (eh)
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»Der Preiskampf hat angezogen«

Thomas Wulle, Geschäftsführer, Avision Europe; und Manfred Grandis, Produktmanager, BHS Binkert

Die Computermesse »Computex« in Taiwan war auch in diesem Jahr Pflichttermin für Thomas Wulle, Geschäftsführer des Scannerherstellers Avision Europe, und Produktmanager Manfred Grandis vom Spezialdistributor BHS Binkert. ECMguide.de-Chefredakteur Engelbert Hörmannsdorfer sprach mit beiden über aktuelle Tendenzen auf dem DMS- und Scanner-Markt.

Aus Asien kommt ja ein Großteil der DMS-Produkte, vor allem bei der Hardware. Welche Trends haben Sie auf der Computex wahrgenommen?

Thomas Wulle
Wulle: Was unser Gebiet betrifft, liegt der Fokus ganz klar auf professionellen Scannern, die am Arbeitsplatz oder in Arbeitsgruppen eingesetzt werden und Daten über eine Netzwerkschnittstelle zentral bereitstellen. Wir selbst kommen voraussichtlich Ende des Jahres mit einem weiterem solchen Gerät auf den Markt, dem »AV620C2+«. Insgesamt war aber auch zu sehen, dass der Preiskampf angezogen hat. Möglichst viel Funktion für immer weniger Geld anbieten – mit dieser Tendenz müssen Hersteller und Handel wohl noch eine ganze Weile leben.

Grandis: Auch das Thema mobiles Scannen ist sehr gefragt, wie man an einer Reihe Neuvorstellungen bei unterschiedlichen Herstellern sehen konnte. Darüber hinaus spielen hochkomprimierte Dateien und das Scannen in Farbe eine immer größere Rolle. Insgesamt war aber das Dokumentenmanagement eher sparsam auf der Computex vertreten.

Wo sehen Sie die signifikanten Entwicklungen bei der Technologie?

Wulle: Mit der Scanner-Hardware holt man sich heute schon automatisch ein gutes Stück DMS-Funktionalität ins Haus, weil Aufgaben, die früher von separater Capture-Software erledigt wurden, jetzt im Scanner-Treiber ablaufen, zum Beispiel Bildoptimierung und Barcode-Erkennung. Auch das Digital Filing – die Ablage und Organisation ganz unterschiedlicher Dokumente – ist ein Bereich, der sich immer mehr mit dem Scan-Ablauf verbindet. Was die Performance bei der Datenübertragung angeht, betrifft, dürfte USB 3.0 ein wichtiges Stichwort für uns werden – aber nur, wenn auch auf Rechnerseite das Potenzial der Schnittstelle richtig genutzt wird, was ich momentan noch nicht sehe.

Grandis: Ein großer Schritt bei den Dokumentenscannern sind sicherlich auch die neuen Hochleistungschips, wie sie zum Beispiel Avision in den »D2+«-Modellen verwendet, die das Gerät in die Lage versetzen, durchgehend mit der vollen Geschwindigkeit zu scannen, egal ob in schwarz-weiß, Graustufen oder Farbe, mit Auflösungen von 200 dpi und 300 dpi.

Letztes Jahr hatten wir Wirtschaftskrise. Wie hat sich die Nachfrage auf Seiten der Kunden in den letzten Monaten entwickelt?

Wulle: Kein Zweifel: 2009 hatte die DMS-Branche einen massiven Einbruch zu verkraften. Inzwischen haben wir das aber kompensiert. Ich gehe davon aus, dass wir auf der Wachstumskurve momentan da stehen, wo wir unter günstigeren Umständen auch wären. Das erklärt sich vor allem dadurch, dass Unternehmen sparen, wo sie können, aber um IT-Investitionen eben nicht herumkommen, ganz besonders nicht bei DMS. Sie sparen, damit sie sich bessere IT leisten können, und das passiert jetzt, so ist mein Eindruck.

Manfred Grandis
Grandis: Die Nachfrage besonders bei den IT-Händlern steigt kontinuierlich, was uns als Spezialdistributor besonders freut. Wir hatten schon befürchtet, dass der gesamte DMS-Markt nur von den großen Systemhäusern bedient wird und die kleineren IT-Händler leer ausgehen. Wir versuchen, dieser Entwicklung entgegenzuwirken und den Fachhandel durch unsere breite Aufstellung mit DMS-Hardware und Software umfassend zu unterstützen.

Wie entwickelt sich die Preisgestaltung? Womit haben Hersteller, Händler und Kunden zu rechnen?

Wulle: Wir können den aktuell starken US-Dollar nicht einfach weitergeben und die Preise entsprechend erhöhen. Händler freut das in Form höherer Margen, Endkunden können von der gewohnten Basis ausgehen.

Grandis: Wie bei allen Randprodukten, die mehr und mehr in den Fokus des Marktes geraten, stellen wir seit einiger Zeit auch bei den Dokumentenscannern einen starken Preisverfall und einen zunehmend ernster werdenden Konkurrenzkampf der Hersteller fest. Dennoch ist die Margensituation beim Thema Dokumentenmanagement noch sehr gut, wenn man sie mit den anderen IT-Bereichen vergleicht.

Wie wichtig ist oder wird für Sie das Projektgeschäft?

Wulle: Dort liegt sehr viel Potenzial, da vor allem auch große Unternehmen im Bereich DMS investieren. Zwar sehen wir das bei Avision noch nicht so sehr in Deutschland, dafür aber in anderen Ländern Europas. Alles in allem sind wir für dieses Geschäft sehr gut aufgestellt, da wir viel Erfahrung mit projektbezogenen Lösungen in unsere Entwicklungen einbringen und deshalb auf spezielle Kundenanforderungen gezielt reagieren können.

Grandis: Größere Projekte sind natürlich immer ein Sahnehäubchen auf unserem Alltags-Business, aber wirklich rechnen kann man damit nicht. Da sind viele kleine und mittlere IT-Händler und Systemhäuser, die regelmäßig kleinere Mengen abnehmen, für uns insgesamt wichtiger. In der Vergangenheit haben wir aber auch durchaus vorzeigbare Projekte erfolgreich abgeschlossen.

Zum Schluss noch einmal zur Computex: Die Messe ist sehr erfolgreich. Was läuft dort besser als auf hiesigen Großveranstaltungen?

Wulle: Auch die Computex stößt inzwischen an Grenzen und wächst nur noch langsam – was allerdings eine Stagnation auf sehr hohem Niveau bedeutet. Ein wichtiger Grund für den Erfolg liegt, glaube ich, darin, dass sich asiatische Hersteller und Kunden emanzipiert haben und nicht mehr obligatorisch nach Europa und in die USA zu den wichtigen Veranstaltungen gehen. Zudem ist die Computex als Plattform für Produktpremieren weithin etabliert, während man hier nur noch selten wirkliche Neuheiten auf großen IT-Messen zu sehen bekommt. In dieser Hinsicht hat sich der Schwerpunkt verlagert – wir fliegen jetzt zu den Neuheiten nach Asien!

Grandis: Vielleicht liegt es an den vielen hübschen Hostessen? Nein, im Ernst: Während bei uns das jahrelange Schlechtreden der CeBIT langsam Wirkung zeigt, herrscht auf der Computex nach wie vor eine gewisse Aufbruchsstimmung. Sicherlich spielt es auch eine Rolle, dass ohnehin sehr viele IT-Produkte aus Taiwan kommen und daher die Computex für die Taiwanesen einen ganz anderen Bezug hat. Außerdem leistet man sich nicht mehr so bereitwillig einen vergleichsweise teueren Stand auf der CeBIT.
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