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[22.05.2010] (eh)
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US-Börsenaufsicht hat ECM-Trend völlig verschlafen

Engelbert Hörmannsdorfer
Bitte erinnern Sie sich kurz: Am 6. Mai 2010 gab es an der US-Börse kurz vor Handelsschluss einen dramatischen Kurssturz. Er geht grad in die Analen als »Flash Crash« bzw. Blitz-Crash ein. Der Dow-Jones-Index knickte innerhalb einer halben Stunde um fast 1.000 Punkte ein, um sich anschließend fast ebenso schnell zu erholen. Wilde Gerüchte über die Gründe überschlagen sich. Aber noch ist alles absolut unklar. Ein US-Senatskomitee ist mehr als ungehalten darüber, dass man es immer noch nicht weiß. Sie zitierten innerhalb von zehn Tagen die Chefs der US-Börsenaufsicht SEC zweimal zu sich, denn die Ermittlungen gehen den Politikern viel zu langsam. »Wenn die Börsenaufsicht den genauen Grund nicht kennt, wie zum Teufel sollen dann die Investoren Vertrauen in die Börse haben?«, wollte der republikanische Senator Jim Bunning im Hearing wissen.

Der Grund für den Blitz-Crash liegt also nach wie vor noch im Dunkeln – aber es kam erstaunliches heraus, warum die SEC so langsam ist: Sie ist technologisch völlig überfordert! Halten Sie sich fest: Eine der beiden Behörden, die Commodity Futures Trading Commission (CFTC), erhält sämtliche Börsendaten noch immer per Fax und gibt sie dann von Hand in ihre eigenen Computersysteme ein. Dies gab ein Vertreter der Behörde bei der letzten Parlamentsanhörung vergangenen Donnerstag zu. »Die CFTC befindet sich in einer unaufhörlichen technologischen Aufholjagd«, klagte Scott O'Malia. Man hinke der technologischen Entwicklung seit Jahren hinterher.

Alle Achtung. Von Scannern, OCR-Systemen und nachgeschalteten ECM-Systemen hat man bei der SEC anscheinend immer noch nichts gehört. Was machen eigentlich ECM-affine US-Unternehmen wie EMC Documentum oder IBM Filenet? Ist die SEC als Behörde zu klein, als dass man sich dort um sie kümmert?

Wenn dem so ist, schlage ich vor, dass sich die deutsche ECM jetzt!-Allianz der Sache annimmt. Nur zur Info: Mary Schapiro, Chefin der Börsenaufsicht SEC, versicherte den Senatoren bei dem Hearing, dass 100 ihrer Mitarbeiter rund um die Uhr an nichts anderem arbeiteten. 100 Mitarbeiter? Jetzt verstehe ich: Das ist wirklich zu wenig für EMC Documentum und Co. Hier müssen die Deutschen ran. Dort fokussiert man auf Mittelstand und Behörden – 100 Clients macht man da mit links.

Ihr Engelbert Hörmannsdorfer
Chefredakteur ECMguide.de

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