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[09.08.2010] (eh)
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Labor Koblenz hat Blutwerte und Compliance im Griff

Intelligente Datenerfassung hilft neue rechtliche Vorgaben im Laborbereich zu erfüllen und Wettbewerbsfähigkeit zu stärken. Beim Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) Koblenz kommt eine neue Lösung aus Hochleistungsscannern und Formularlesesystemen bereits produktiv zum Einsatz.

Von Siegfried Dannehl, Freier Journalist

Auomatisierte Blutanalyse generiert bis zu 6.000 Belege pro Tag (Bild: Inotec)
Auomatisierte Blutanalyse generiert bis zu 6.000 Belege pro Tag. (Bild: Inotec)
Im Rahmen einer umfassenden gesetzlichen Neuregelung sind Laborgemeinschaften (LGen) verpflichtet, Labordiagnostik-Leistungen direkt mit den Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) abzurechnen. Entsprechend komplexer und umfangreicher wurden die Anforderungen an die Informationsverarbeitung, was die IT der Laborgemeinschaften vor große Herausforderungen stellte. Gesucht waren intelligente Lösungen aus Hochleistungsscannern und Formularlesesystemen, die alle notwendigen Informationen weitgehend fehlerfrei und in hoher Geschwindigkeit erfassen. Ein solches System ist seit einem Jahr beim Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) Koblenz produktiv im Einsatz.

Gestiegene Anforderungen

Früher – früher war irgendwie alles anders. »Früher konnte der Prozess der Datenerfassung mit überschaubarem technischem Aufwand durchgeführt werden«, erläutert Christopher Asp, Geschäftsführer von AB+M, einem Spezialisten für Formularlesesysteme. Die Auftragsvordrucke waren standardisiert angelegt, enthielten keine patientenspezifischen Daten und konnten daher leicht mit einem einfachen System ausgelesen werden.

Die seit einem Jahr geltende direkte Leistungsabrechnung zwischen LGen und KVen erfordert allerdings den Einsatz neuer Anforderungsscheine. Neben der Markierung der gewünschten Laboratoriumsuntersuchungen beinhalten sie umfangreiche Angaben zum jeweiligen Patienten wie beispielsweise Name, Geburtsdatum, Versicherungsnummer, aber auch medizinische Angaben zum Zweck der angeforderten Analyse.

»Die Belege besitzen einen farbigen Hintergrund und sind mit Barcode ausgestattet«, beschreibt Asp die neuen Rahmenbedingungen für die Datenerfassung. »Die Druckqualität auf den Anforderungsscheinen schwankt beträchtlich mit dem Ergebnis, dass einzelne Informationen nur schwer lesbar sind.«

Wettbewerbsfähigkeit stärken

Trotz Zeitdruck ist höchste Genauigkeit bei der Probenanalyse gefragt (Bild: Inotec)
Trotz Zeitdruck ist höchste Genauigkeit bei der Probenanalyse gefragt.
(Bild: Inotec)
Das Medizinische Versorgungszentrum (MVZ) Koblenz mit seiner angeschlossenen Laborgemeinschaften hat sich den neuen IT-Herausforderungen früh gestellt. »In unserem Großlabor müssen täglich mehrere tausend Proben analysiert werden«, erklärt Dr. med. Dipl.-Chem. Rüdiger Walscheid, Mitglied in der Geschäftsführung des MVZ. »Die gleichermaßen schnelle wie fehlerfreie elektronische Erfassung der Belege ist entscheidend für alle folgenden laboranalytischen wie administrativen Arbeitsprozesse.«

Als Kriterien für die gesuchte Erfassungslösung nennt er Schnelligkeit, Zuverlässigkeit und Zukunftssicherheit. Etwa 70 Touren mit jeweils Hunderten von Blutröhrchen treffen jeden Mittag im MVZ ein. Dies entspricht einem Volumen von bis zu 6.000 Belegen pro Tag. Zwischen 13.00 Uhr und 17.00 Uhr finden die Haupterfassung der Auftragsdaten und die Analyse der Proben statt. Das Ziel ist es, die Befunde den Ärzten noch am selben Tag zur Verfügung zu stellen.

Bei allem Zeitdruck ist höchste Genauigkeit bei der Informationsverarbeitung und Probenanalyse gefragt. »Denn jeder Fehler führt zu höheren Kosten und zu einer niedrigeren Kundenzufriedenheit«, betont Walscheid. Schließlich muss die Erfassungslösung Arbeitsspitzen sicher bewältigen und mit einem wachsenden Belegvolumen Schritt halten.

Höchstmöglicher Automatisierungsgrad

Die beim MVZ implementierte Formularerkennungslösung stammt von AB+M und trägt diesen Kriterien Rechnung. Sie besteht aus einem Cluster-Server, das heißt zwei redundant ausgelegten Servern mit jeweils acht Prozessoren, zwei Scanner-Arbeitsplätzen, ausgestattet mit jeweils einem InoTec-»Scamax«-Hochleistungsscanner sowie leistungsfähiger Scan- und Erkennungs-Software.

Um einen hohen Durchsatz und beste Erkennungsraten zu erreichen, sind die eingesetzten Inotec-Scanner von entscheidender Bedeutung. »Nur ein Image in Topp-Qualität sowie ein robustes Beleghandling führen zu einem höchstmöglichen Automatisierungsgrad«, erklärt AB+M-Geschäftsführer Asp. Dank der standardisierten Gigabit-Netzwerk-Schnittstelle sind die Scanner in der Lage, hoch aufgelöste, unkomprimierte und damit kapazitätsintensive Farbimages schnell zu übertragen.

Roh-Bilddaten werden in Scan-Applikation vorbereitet

Herausforderung Datenerfassung: Druckqualität auf den Anforderungsscheinen schwankt beträchtlich. (Bild: Inotec)
Herausforderung Datenerfassung: Druckqualität auf den Anforderungsscheinen schwankt beträchtlich. (Bild: Inotec)
Nach der Digitalisierung der Belege werden die rohen Bilddaten in der Scan-Applikation für die späteren Arbeitsschritte vorbereitet. Hierbei wird eine rein softwaretechnische Farbbildverarbeitung (Farbfilterung, Binarisierung) durchgeführt, die ein auflösungsreduziertes und komprimiertes Farbbild für das Bildarchiv und ein optimiertes Schwarzweißbild für die nachfolgenden Erkennungsschritte berechnet. Zusätzlich führt die Scan-Software bereits eine 1D- und eine 2D-Barcode-Erkennung durch.

Bilddaten und Barcode-Ergebnisse werden zusammen als Datenobjekt in eine Datenbank eingetragen. Ein solcher Datensatz durchläuft dann nacheinander die optische Markierungs- und Schriftenerkennung (OMR und OCR). Verläuft die Inhaltsprüfung positiv, erfolgt eine erste Teildatenübertragung an das Zielsystem. Andernfalls geht der Datensatz erst zur manuellen Korrektur. Dabei wird eine spezielle Applikation (Korrekturmaske) eingesetzt, die auf zehn Arbeitsplätzen zur Verfügung steht und in der Bild(er) und Erkennungsergebnisse zu einem Beleg angezeigt werden.

Am Ende des Erkennungsprozesses landen die gesamten Daten im Laborinformationssystem (LIS), das die Analysegeräte steuert. Die Ergebnisse der Blutuntersuchung werden an das LIS zurückgespielt und von dort per Fax oder Datenfernübertragung (DFÜ) den Ärzten bereit gestellt.

Investition gelohnt – Compliance im Griff

Walscheid ist mit der Erkennungsleistung und dem Automatisierungsgrad der Datenerfassungslösung sehr zufrieden. Gleichzeitig hebt er die hohe Laufstabilität und Ausfallsicherheit des eingesetzten IT-Systems hervor: »Die Investition hat sich bereits jetzt gelohnt. Walscheid zieht er ein positives Fazit und sieht das MVZ im Markt bestens positioniert: »Dank moderner IT-Systeme erfüllen wir die neuen Compliance-Anforderungen und stärken gleichzeitig unsere Wettbewerbsfähigkeit.«

An eine Ausdehnung des Formularerkennungskonzepts ist bereits gedacht. »So kann auch der Facharzt-Laborzweig die neuen Datenerfassungssysteme zur Effizienzsteigerung gewinnbringend einsetzen«, erklärt Walscheid. »Insbesondere beim Einsatz der neuen Kombi-Anforderungsscheine bietet sich der Vorteil, Patienteninformationen intelligent zu verknüpfen.«

MVZ für Laboratoriumsmedizin
Im Jahr 1948 als chemisches Labor gegründet, wurde das MVZ mit Sitz in Koblenz im April 2006 in ein Medizinisches Versorgungszentrum für Laboratoriumsmedizin umgewandelt und ist heute eine der größten Analyse-Dienstleister in Rheinland-Pfalz. Das Facharztlabor umfasst alle Bereiche der Labormedizin. An das MVZ angegliedert ist eine Laborgemeinschaft mit weit über tausend Mitgliedern. Das MVZ beschäftigt ca. 240 Mitarbeiter.
Inotec
Inotec GmbH mit Sitz im hessischen Wölfersheim entwickelt und produziert Hochleistungsscanner seit 1992. »Made in Germany« gehört für Inotec zur Unternehmensphilosophie: die komplette Produktkonzeption und -herstellung, von den ersten Prototypen bis zur Serienfertigung, findet am Standort Deutschland statt. Die »Scamax«-Scanner der 4x2-Serie sind dafür konzipiert, große Belegmengen und extrem heterogenes Beleggut schnell, sicher und in hoher Image-Qualität zu erfassen.
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