Bei ihrer Vorstellung im Februar 2003 war die
EMC »Symmetrix DMX« das schnellste und leistungsfähigste Speichersystem, für das sich Highend-Kunden entscheiden konnten. Mit bis zu 116 PowerPC-Prozessoren, 64 GByte Bandbreite und bis zu 256 GByte Cache war die Maschine lange Zeit die Referenz im Markt für Fibre-Channel-Arrays. Im Herbst 2004 legten EMCs Konkurrenten kräftig nach und stellten mit der
IBM »DS8000« und der
HDS »TagmaStore« Geräte vor, die der DMX nicht nur ebenbürtig waren. Die passende Antwort von EMC ist die »Symmetrix DMX-3«.
An der Architektur der Symmetrix namens »Direct Matrix« hat sich prinzipiell nichts geändert. Schon bei der Vorstellung der ersten Generation vor zweieinhalb Jahren hatte der Hersteller betont, sich für mindestens zehn Jahre auf diese Technologie stützen zu wollen. Das Logikgehäuse erinnert auch sehr an die »DMX2000«. In beiden arbeiten maximal acht Cache-Boards (Direktoren) und bis zu 16 Front- und Backend-Controller. Aber damit hat es sich auch schon mit den Gemeinsamkeiten zwischen beiden Generationen. Waren die großen Ausführungen der Symmetrix bisher so genannte »Monolithen«, bei denen Unternehmen auf feste Gehäusegrößen ohne Upgrade-Möglichkeiten gezwungen wurden, ist das neue System durchgängig modular.
Im Logikgehäuse finden neben den 24 Direktoren auch die Stromversorgung, die Lüfter, der Steuerrechner, eine Bildschirm- und Tastatureinheit und die Notstromversorgung Platz. Die Festplatten-Chassis beinhalten jeweils maximal 240 Laufwerke in jeweils 15 so genannten »DAEs« (Disk Array Enclosures). Vier DAEs sind in einem »Pod« zusammengefasst, und vier Pods passen in ein Laufwerksgehäuse. EMC nennt zum jetzigen Zeitpunkt eine maximale Anzahl von vier Laufwerkseinheiten, also 960 Platten. Zu einem späteren Zeitpunkt will der Speicherhersteller bis zu 1.920 Disks freigeben.
Im Angebot stehen 73- und 146-GByte-Laufwerke in 10.000- oder 15.000-U/min-Ausführung und ein 300-GByte-Drive mit 10.000 U/min, allerdings momentan durchgehend noch mit 2-Gbit-Schnittstelle. Sobald die einschlägigen Hersteller ausreichend zuverlässige 4-Gbit-Platten liefern können, setzt EMC diese auch in der DMX-3 ein, deren Architektur durchgehend vier Gbit unterstützt. Damit bietet die DMX-3 momentan eine Kapazität von 288 TByte, später von 576 TByte brutto. Diese lassen sich in den RAID-Leveln 1, 5 oder 1/0 organisieren. Der Anwender kann bis zu 64.000 logische Laufwerke für über 40 verschiedene Betriebssysteme generieren. Einen Schutz gegen multiplen Laufwerksausfall wie beispielsweise durch RAID-6 oder Dual-Parity ist nicht vorgesehen.
Der Anschluss an die DMX-3 kann über FC-Switches (1, 2 oder 4 GBit), Escon, Ficon (1 oder 2 Gbit) oder Gbit-Ethernet/iSCSI (1 Gbit) erfolgen. Hierfür stehen je nach Ausstattung zwischen 48 und 96 Ports zur Verfügung. Das System unterstützt 42 Betriebssysteme von Windows über diverse Unix-Derivate, OS/400 und OSD/BS2000 bis hin zu z/OS. EMC gibt an, dass sich Rechenleistung, Bandbreite und I/O-Leistung gegenüber dem Vorgängermodell verdoppelt haben. Dies ist allerdings keine Kunst, denn in der Maschine arbeiten doppelt getaktete Prozessoren und wesentlich leistungsfähigere RAMs. In schieren Zahlen drückt sich das so aus: über 500.000 Dhrystone-MIPS, 128 GByte interne Bandbreite und über 2,2 Millionen I/Os pro Sekunde leistet das neueste Speichermodell aus Boston.
Angenehm sowohl für Bestands- als auch für Neukunden ist die Tatsache, dass EMC nichts am bisherigen Betriebssystem geändert hat. So lassen sich in alter Tradition des Herstellers sämtliche Funktionalitäten der Vorgängersysteme ohne Änderung an Skripten übernehmen und somit der Umstellungsaufwand auf die neue Maschine so gering wie möglich halten. Bewährte Lösungen wie »TimeFinder« zur Replikation, »SRDF« zur Fernspiegelung und »SymmOptimizer« zum Selbsttuning sind unverändert geblieben. Ergänzt wird der Funktionsumfang unter anderem durch die »OpenReplicator« genannte Möglichkeit, gesteuert von der Symmetrix FC-LUNs von Drittherstellern mit dem System zu koppeln und Daten zwischen beiden zu bewegen.
Einzig beim Thema Cache ist EMC seiner eigenen Doktrin untreu geworden. Beharrten die Amerikaner bisher stur auf einer ungespiegelten Technik mit dreifachen Prüfmechanismen, wird die neue Maschine ausschließlich mit gespiegeltem Zwischenspeicher ausgeliefert. Der Hersteller nennt als Grund aber nicht den besseren Schutz der noch nicht endgültig geschriebenen I/Os, sondern die Möglichkeit, Daten aus zwei Cache-Zonen im Falle eines Stromverlustes schneller auf die Festplatten evakuieren zu können. Während eine DMX2000 mit 128 GByte Cache noch rund 25 Minuten für ein vollständiges Entladen benötigt, gibt EMC für 2x 256 GByte im neuen System nur noch fünf Minuten an.
FazitMit der neuen Symmetrix geht der Kampf um die Spitze bei den Enterprise-Speichergeräten in die nächste Runde. EMC gibt mit den verbesserten Leistungswerten nun wieder klar den Kurs an und schiebt die Meßlatte für die Konkurrenz ein Stück nach oben. Wie viel Marktanteile IBM und HDS damit verloren gehen, wird die Zukunft zeigen, da der Liefertermin für die EMC erst im September ansteht. Die Kunden wird es freuen, sie profitieren von den neuen wie bewährten Funktionalitäten. Die Preise liegen allerdings bei allen Anbietern in einem Segment, das bei Anwendern ohnehin zu heftigem Schlucken führt. Somit dürfte der Konkurrenzdruck hier nicht all zu viel ausrichten oder mildern. Ebenso sollte König Kunde zweimal hinschauen, was er genau benötigt, denn wer ehrlich ist, wird erkennen, dass beispielsweise die Kapazitätsleistungen in einem Bereich liegen, die kaum ein Unternehmen wirklich beansprucht.
EMC wird mit der neuen DMX die bisherige Modellreihe nicht ersetzen, sondern nach oben hin ergänzen. Somit bleiben die »DMX800«, »DMX1000«, »DMX2000« und »DMX3000« weiterhin im Markt, allerdings bei deutlich gesenkten Listenpreisen. Nach guter alter Gewohnheit wird dann wahrscheinlich für die neuen Modelle ein kräftiger Premium-Aufschlag fällig. Das Einstiegsmodell kostet in einer Basiskonfiguration ab 250.000 US-Dollar. Wie bei allen anderen Produkten dieser Klasse, gibt es nach oben hin (fast) kein Limit.
Kurzinfo
Hersteller: EMC Deutschland GmbH
Tel. 061 96/472 80
Fax 061 96/472 83 82
Web: www.emc2.deDirekter Link zum Produkt: Symmetrix DMX-3Preis: ab 250.000 US-Dollar
Garantie: 3 Jahre
Technische DetailsSpeicherkapazität: 288 TByte (später 576 TByte)
Anzahl Festplatten: 960 (später 1.920)
Festplatten-Interface: FC-AL 4 Gbit (Momentan durchgehend 2 Gbit Platten)
RAID-Level: 1, 1/0, 5
Maximale Datentransferrate: 100 MByte/s iSCSI, 200 MByte/s FC und Ficon, 17 MByte/s ESCON
Cache: max. 2x 256 GByte
Schnittstellen: max. 96 FC, max. 48 iSCSI, max. 48 Ethernet, max. 96 Escon, max. 48 Ficon
Hot-swap-fähige Komponenten: alle systemkritischen Komponenten
Redundante Komponenten: alle systemkritischen Komponenten, dreifach
Netzteile: max. 8x 1.800 W im Logikgehäuse, max. 8x 1.250 W in jedem Plattengehäuse
Formfaktor: Proprietär, Logikgehäuse 190x61x105 cm, Plattengehäuse jeweils 195x76x106 cm
Unterstützte Betriebssysteme: Windows, Linux, UNIX, OS/400, Stratus FTX/VOS, UNISYS 2200, Siemens OSD, IBM zVM/VSE/z/OS (insgesamt 42)
Plus+ vollständige Modularität
+ höchste Skalierbarkeit
+ höchste Leistung und Bandbreiten
+ bewährtes, lang entwickeltes Betriebssystem
+ Mischbetrieb verschiedener RAID-Level
+ Batterie-Backup für gesamtes System, automatisches Cache-Destage und Recover
+ alle Systemkomponenten dreifach redundant und hot-swap-fähig
+ Unterstützung für 42 Betriebssysteme
+ breiteste Funktionspalette im Markt
Minus- proprietäres Gehäuse
- extrem hohes Gewicht (bis über 4 Tonnen)
- hoher Energieverbrauch (8x 1.800 Watt pro Gehäuse)
- kein Schutz vor multiplem Disk-Ausfall (RAID-6 oder Dual Parity)
- nicht alle gängigen RAID-Level unterstützt