Hitachi Data Systems »Active Archive«
Ab Oktober will
Hitachi Data Systems die festplattenbasierte Archivlösung »Active Archive« anbieten. Diese soll Archivsicherheit, Automatisierung, Verfügbarkeit und vor allem Regel-Konformität gewährleisten. Wie bei anderen bereits im Markt etablierten Systemen in diesem Segment, ist die Hardware der umständlich »HCAP« (»Hitachi Content Archive Platform«) getauften Lösung trivial.
In den viermal zwei Höheneinheiten messenden 19-Zoll-Gehäusen verrichten jeweils zwei
Intel »Xeon«-Prozessoren mit drei GHz Taktfrequenz ihren Dienst. Als Hauptspeicher stehen pro Server vier GByte DDR2-RAM zur Verfügung. Das Betriebssystem »Hitachi Content Archiver« wird von jeweils zwei 36 GByte großen und 15.000 U/min schnellen U320-SCSI-Festplatten geladen, die sich bei Bedarf im laufenden Betrieb austauschen lassen. Ebenfalls sind Lüfter und Netzteile ohne Unterbrechung zu wechseln, allerdings nur, mit dem optional erhältlichen so genannten »High Availability Kit«, in dem darüber hinaus auch Monitoring-Eigenschaften enthalten sind. Laut Hersteller lassen sich später vielfache dieser Rechner in Zweier-Schritten zum Cluster hinzufügen, so dass sich eine annähernd unendliche Skalierbarkeit ergeben soll.
Als eigentlicher Speicher stehen dem System die bekannten »TagmaStore Workgroup Modular Storage« (WMS) der Baureihe 100 zur Verfügung. In ihnen werden maximal 30 SATA-Laufwerke zu je 400 GByte mit 7.200 U/min verbaut. Maximal stehen daher bis zu zwölf TByte Bruttospeicher zur Verfügung. Das Array unterstützt die RAID-Level 0, 1, 2, 3 und 5. Somit bleiben maximal zehn TByte netto übrig. Momentan lassen sich bis zu 40 Systeme clustern, so dass sich ein Volumen von maximal 400 TByte ergibt (HDS gibt 300 TByte an).
Die Lösung wird redundant vorkonfiguriert ausgeliefert. Das heißt, mindestens zweimal jeweils zwei Server mit der Archivas-Software und einer WMS100. Um keinen unnötigen Overhead zu erzeugen, sind diese Systeme mit RAID 5 vorkonfiguriert. Die WMS100 ist RAID-6-tauglich, dies macht hier aber keinen Sinn und wird deshalb vom Hersteller auch nicht so eingerichtet.
Das Betriebssystem Content-Archiver kommt von einem Zukaufprodukt der Firma
Archivas. Mit seiner Hilfe lassen sich Inhalte wie E-Mails, Dokumente, Tabellenkalkulationen, Bilder und Datenbankeinträge in das aktive Archiv überführen. Es stellt die Authentizität der Inhalte durch Erzeugen einer digitalen Signatur sicher, die sich ändert, sobald die Datei geändert und neu gespeichert bzw. überschrieben wird. Als Algorithmen stehen hier MD5, SHA1, SHA256 oder SHA512 zur Verfügung. Natürlich bewahrt der Content-Archiver mit seinen »Retention Policies« auch davor, dass IT-Verantwortliche bewusst oder versehentlich Inhalte vor einer bestimmten Ablauffrist löschen. Dieses Modul vernichtet andererseits Inhalte automatisch, wenn diese ein bestimmtes Alter erreicht haben, oder ermöglicht es Nutzern, diese manuell zu entfernen. Damit erfüllt das System laut Hersteller alle Gesetze und Vorschriften zur Datenhaltung für Unternehmen auf nationaler und internationaler Ebene. All diese Funktionen stellen Metadaten und Policys sicher, die jedem einzelnen Datensatz hinzugefügt und mit diesem gespeichert werden. Das Dateisystem entspricht gängigen WORM-Lösungen und lässt sich bei Bedarf über Indizes bzw. auf Volltextbasis mit einem Browser durchsuchen.
Um den Zugriff auf das Archiv zu beschleunigen, bearbeitet das Betriebssystem mehrere Dateitransfersitzungen parallel. Zur Optimierung verteilt die Maschine alle Informationen gleichmäßig über die vorhandene Hardware und sorgt damit für Lastverteilung und höchstmögliche Gesamtleistung. Die Daten selbst sind mehrstufig durch Authentifizierung, Einhaltung von Aufbewahrungsfristen, RAID und Aufzeichnungen der Zugriffe geschützt. Darüber hinaus legt das System mehrere Kopien eines Datensatzes auf physikalisch getrennten Speichermodulen ab, um deren Verfügbarkeit auch bei Ausfall einer kompletten Komponente sicherzustellen. Wie der größte Konkurrent
EMC mit dessen »Centera«, verspricht HDS »selbstheilende« Funktionen. Hierbei geht es jedoch bei beiden Herstellern lediglich um die Isolierung fehlerhafter Komponenten und dem Ausschluss dieser vom Betrieb.
Als Schnittstellen zur HCAP unterstützt Active-Archive NFS, CIFS/SMB, HTTP/HTTPS und WebDAV. Bisher gibt es vom Hersteller noch keine Angaben zu zertifizierten Anwendungen bzw. APIs, die Daten aus Standard-Software (z.B. E-Mail-Systemen, Datenbanken oder Dokumentenmanagement) extrahieren. Erst mit der Ablage von Daten aus diesen Umgebungen erwacht ein aktives Archiv zum Leben, und deswegen dürfte man gerade auf diese Liste gespannt sein.
FazitHDS bemüht sich nach Kräften, den Begriff CAS (Content-Addressed-Storage) zu vermeiden, wenn es über seine HCAP spricht. Damit soll Abstand zu Systemen von Marktbegleitern wie EMC geschaffen werden, die bereits vor drei Jahren diesen Markt besetzten und potenziellen Interessenten etwas Neues und Besonderes suggerieren. In Wirklichkeit ist die HCAP eine weitere Lösung auf diesem Markt. Allerdings ist das System keine proprietäre Lösung, sondern fügt sich nahtlos in die Produktfamilien der Japaner ein und nutzt deren Storage-Technologie. Im nächsten Jahr plant HDS eine Integration in die Virtualisierungs-Plattform USP (»Universal Storage Platform«) anzubieten. Damit würde der Hersteller tatsächlich einen erheblichen technologischen Vorsprung gegenüber seinen Mitbewerbern erlangen.
Im Vergleich zu EMC liegt HDS auf allen technischen Punkten ungefähr gleich. Die Centera enthält pro Schrank 30,7 TByte (32x 4x 320 GByte in RAID 5). Bis zu zehn Schränke lassen sich »verclustern«, was ein Gesamtvolumen von 307,2 TByte ergäbe. In der Centera ist die Hardware (Prozessoren und Platten) in allen Blades gleich, nur die Aufgaben werden unterschiedlich verteilt. Beispielsweise arbeiten mindestens zwei pro Frame als I/O-Blade, während die anderen als Storage-Blade zur Verfügung stehen. Bei HDS sind Logik und Speicher getrennt - die Platten hängen an den Servern.
Der tief greifende Unterschied ist allerdings, dass EMC mit der Centera vier Jahre voraus ist (Vorstellung im Sommer 2002) und damit mit rund 600 Systemen in Deutschland, über 250 Integrations-Partnern und weit über 100 API-Anwendungen scheinbar wesentlich offener sein kann. HDS gibt noch keine Liste seiner Partner oder API-fähigen Anwendungen bekannt. Man darf hier gespannt sein. Ohne Anwendungen und Partner läuft nichts mit diesen Systemen – da kann die Hardware noch so gut sein.
Kurzinfo
Hersteller: Hitachi Data Systems GmbH
Industriestrasse 28, D-70565 Stuttgart
Tel. 07 11/782 610
Fax 07 11/78 26 11 11
E-Mail: info.de@hds.comWeb: www.hds.deDirekter Link zum Produkt: Active ArchivePreis (netto): Markteinführung erst im Oktober 2006
Garantie: Markteinführung erst im Oktober 2006
Technische DetailsMax. Speicherkapazität (brutto): 12 TByte pro System
Anzahl und Art Festplatten: 2 pro Rechner á 36 GByte, 15.000 U/min, U320-SCSI, 30 pro System á 400 GByte, 7.200 U/min, LC-FC
RAID-Level: 0, 1, 2, 3, 5
Festplattenschnittstelle: FC-AL, 2 Gbit
Anzahl Rechner: vier pro System
Prozessoren: 2x Intel Xeon 3 GHz pro Rechner
Arbeitsspeicher: 4 GByte DDR2-RAM pro Rechner
Formfaktor: 4x 2U Rackmount für Server, 10U Rackmount pro Speichersystem
Redundante Komponenten: Stromversorgung, Lüftung, Netzteile (optional mit High-Availability-Kit)
Hotswapfähige Komponenten: Laufwerke, Stromversorgung, Lüftung, Netzteile (optional mit High-Availability-Kit)
Internes Betriebssystem: Hitachi Content-Archiver, Archivas
Protokolle: NFS, CIFS/SMB, HTTP/HTTPS und WebDAV
Plus+ kein Single-Point-of-Failure
+ hohe Skalierbarkeit
+ Nutzung bewährter Speichertechnologie
+ doppelter Schutz durch RAID und Replikation
+ Speicherung zusammen mit Metadaten und Policys
+ garantierte Verweilzeiten, garantiertes Löschen
+ Erfüllung von über 16.000 gesetzlichen Vorschriften weltweit
Minus- viele Funktionalitäten (APIs) noch nicht verfügbar
- Lowcost-SATA-Laufwerke