Modellbruder des EMC »Celerra NS960«, das »NS20«
Die »Celerra NS960« positioniert
EMC als Highend-NAS-System. Das Gerät bietet neben dateiorientierten Funktionen auch SAN- und iSCSI-Schnittstellen. Bis zu 960 Festplatten und eine Kapazität von maximal 760 TByte netto siedeln die Lösung vor allem im Enterprise-Bereich an. Im Prinzip besteht das so genannte »Unified Storage«-System aus einer »CLARiiON CX4-960« und einem NAS-Header.
Das System basiert technisch im Backend auf der Clariion CX4-960, dem größten Midrange-Array des Herstellers. Dem Anschluss im Frontend dienen X-Blades, auf denen das File-I/O optimierte Betriebssystem »DART« (»Direct Access in Real Time«) läuft. Dieser NAS-Header lässt sich mit bis zu acht X-Blades ausrüsten, die wiederum jeweils bis zu sechs »UltraFlex«-Module aufnehmen können. Diese Module bieten Ethernet-Anschlüsse mit bis zu vier 1-Gbit/s-Kupfer-Ports, zwei 1-Gbit/s-Kupfer- und zwei optischen 1-Gbit/-Ports oder einem 10-Gbit/s-Port. Die Ultraflex-Module lassen sich nicht mischen, daher ergeben sich insgesamt entweder 192 1-Gbit/s-Kupfer-Ports, 96 1-Gbit/s-Kupfer-Ports plus 96 optische 1-Gbit/s-Ports oder 48 10-Gbit/s-Ports pro System.
Als Protokolle unterstützt die NS-960 sowohl CIFS für Windows- als auch NFS für Unix-Umgebungen. Hinzu kommt das »Multi Path File System« (MPFS), das die Anforderung von Dateien über NAS und deren Lieferung über Fibre-Channel oder iSCSI ermöglicht. Darüber hinaus bietet das System auch IP in den Versionen 4 und 6, FTP, TFTP, SNMP, NDMP 2-4, NTP und SNTP. Zusätzlich zum Standardbetrieb kann der Administrator ein X-Blade für »Failsafe Networking« (FSN) einrichten. Hierfür definiert der Nutzer neben dem aktiven einen Standby-Pfad durch das Netzwerk, der sich bei Nichtverfügbarkeit des Standardpfades automatisch aktiviert. Dies kann für einzelne Laufwerke, aber auch für ganze Laufwerksgruppen geschehen.
Nach Erwerb einer zusätzlichen Lizenz lässt sich das System direkt über FC-Ports aus einem SAN nutzen. In diesem Fall ergibt sich die Anzahl der verfügbaren FC-Ports aus der Anzahl der verbauten X-Blades. Bei einem oder zwei X-Blades bleibt Platz für zwölf FC-Ports auf sechs Einschüben, bei drei oder vier X-Blades für acht FC-Ports auf vier Einschüben usw. Eine Celerra mit sieben oder acht X-Blades bietet keinen Platz für FC-Ports. Ebenfalls kostenpflichtig ist eine iSCSI-Version mit zusätzlichen Gbit-Ethernet-Ports.
Die Dateisysteme nutzen entweder einen Unix-, einen Windows- oder einen gemeinsamen Modus. Hierbei lassen sich die Nutzerrechte entweder über NFS-Strukturen, CIFS-Optionen oder aber über beide Systeme vergeben. In jedem Fall gelten die restriktivsten Rechte für ein Dateisystem. Jede Aktion wird auditfähig festgehalten. Dazu zählen das Öffnen einer Datei, das Erweitern einer Baumstruktur und alle Kollisionen mit vergebenen Rechten. Die Anti-Virus-Funktion erlaubt die gleichzeitige Nutzung mehrerer Tools (u.a.
McAfee,
TrendMicro und
Symantec). Diese Funktion gibt ein in ein Dateisystem geschriebenes File erst zum Lesen frei, wenn sie von einem oder mehreren Virenscannern überprüft wurde. Eine »File Level Retention« (FLR) getaufte Option bietet Archivfunktionen mit Löschschutz bzw. garantierter Löschung von Dateien oder Dateisystemen. Diese Option lässt sich so ausweiten, dass die NS-960 ganz oder teilweise als WORM-Speicher dient.
Das NAS-System wird mit Hilfe der »Controlstation« konfiguriert, verwaltet und überwacht. Darüber hinaus werden von hier Systemupgrades vorgenommen. Auf der Controlstation setzt der Hersteller eine spezielle Version von
RedHat-Linux ein, die im Störfall Support anfordert oder die Einwahl zur Fernwartung erlaubt. Alle Aktionen lassen sich entweder über eine Kommandozeile oder eine Weboberfläche vornehmen. Passworte und Sicherheitseinstellungen auf der Controlstation sind verschlüsselt, so wie auch der gesamte Datentransport zur Controlstation SSH oder HTTPS nutzt. Alle Bauteile des NAS- und Speichersystems lassen sich im laufenden Betrieb tauschen und sind mindestens einfach redundant ausgelegt. Der Administrator kann viele Komponenten wie Festplatten oder Lüfter selbst tauschen und benötigt keine Unterstützung eines Technikers des Herstellers mehr.
Die größte Celerra clustert die X-Blades in beliebigen Konfigurationen. Typischerweise werden bis zu sieben produktive und ein Standby-X-Blade eingesetzt. Für noch höhere Verfügbarkeit lassen sich aber auch zwei oder gar drei Standby-X-Blades einsetzen. So kann der IT-Verantwortliche auch hier die bekannten RAID-Level 1 (vier plus vier), 5 (sieben plus eins) oder 6 (sechs plus zwei) auf Hardware darstellen. Die Standby-X-Blades warten im gestarteten Zustand auf den Ausfall eines produktiven Pendants, dessen Konfiguration es kennt und sofort übernehmen kann. Somit lassen sich Failover-Zeiten minimieren und Leistungseinbußen vermeiden. Die X-Blades sind in jedem Fall so ausgelegt, dass der Ausfall des einen kein anderes beeinflussen kann.
Die Architektur im Backend besteht aus zwei Dual-Prozessor-Systemknoten (SPEs, »Storage Processor Enclosures«). Sollte einer der beiden ausfallen, übernimmt der andere ohne Failover-Zeit den gesamten Betrieb. Zwar ist damit der Zugriff auf die Daten gewährleistet, dennoch wird die Gesamtleistung des Systems auf unter die Hälfte gesenkt. Laut Herstellerangaben beträgt die Jahresverfügbarkeit des NAS-Systems und des Speicher-Arrays je 99,999 Prozent, was etwas mehr als fünf Minuten Ausfall pro Jahr entspricht.
Das eigentliche Array besteht aus bis zu 64 so genannten »Disk Array Enclosures« (DAEs). Jedes DAE nimmt 15 Festplatten (3,5 Zoll) auf, entweder mit FC- oder SATA-Schnittstelle, hinzu kommen Flash-Laufwerke. Zur Auswahl stehen Harddisks mit bis zu einem TByte (SATA), bis zu 450 GByte (FC) sowie bis zu 400 GByte große Flash-Drives. Alle Typen lassen sich mit einer breiten Palette an RAID-Schutz ausstatten. Zudem ist ein Mischbetrieb aller RAID-Typen und Plattenarten möglich. Die größte nutzbare Kapazität beträgt 760 TByte mit 1-TByte-Festplatten unter RAID 6.
Die NS-960 bietet neben lokaler Replikation namens »SnapSure« auch asynchrone und synchrone entfernte Replikationen in Zweitsystemen an. Die synchrone Replikation »MirrorView« kann über maximal 60 Kilometer erfolgen, für die asynchrone Replikation »Celerra Replicator« bestehen keine Beschränkungen für die Entfernung. Die lokale Replikation erlaubt bis zu 96 nur lesbare und bis zu 16 beschreibbare Snapshots pro logischem Laufwerk. Für alle Funktionen steht eine grafische Benutzeroberfläche bereit. Ebenso liefert der Anbieter Integrationen und Automatisierung mit
Microsofts »Shadow Copy«, »SQL Server«, »Exchange Server« und »Oracle«. Für
VMware gibt es eine Schnittstelle zu »vCenter Site Recovery Manager« (SRM).
Auch die Celerra bietet eine Möglichkeit des Thin-Provisioning, hier »Virtual Provisioning« genannt. Dafür werden Platten gleicher Geschwindigkeit zu Pools zusammengefasst, aus denen dann logische Laufwerke aufgebaut werden, deren physikalische Größe unterhalb der am Port präsentierten liegt. Sollte der benötigte Speicher über den bereitgestellten hinauslaufen, stellt das System automatisch weiteren Plattenplatz zur Verfügung, ohne einen Eingriff des Verwalters zu benötigen. Nimmt der genutzte Platz wieder ab, legt die Funktion den überzähligen Speicher wieder automatisch in den Pool zurück.
Eine weitere Möglichkeit zur Einsparung von Plattenplatz ist die Deduplikationsfunktion. Diese überprüft die gespeicherten Dateien auf Dubletten und ersetzt diese durch einen einfachen Verweis auf die Originaldatei. Dadurch und mit Hilfe einer ebenfalls integrierten Komprimierungsfunktion lässt sich laut Hersteller bis zu 40 Prozent des benötigten Plattenplatzes ohne spürbaren Einfluss auf die Systemleistung einsparen.
FazitEMC hat die seit nunmehr elf Jahren angebotene Celerra-Baureihe mit nahezu allen im NAS-Bereich benötigten Funktionen ausgestattet. Zudem lässt sich das System zum WORM-Speicher, für LANless- oder Serverless-Backup oder zur Automation von Exchange- oder Datenbankumgebungen ausbauen. Die NS-960 und die mit den gleichen Features ausgestatteten kleineren Geräte NS-480, NS-240 und NS-120 verfügen über ein seit mehr als zehn Jahren entwickeltes Betriebssystem, dessen Funktionsreichtum und Erfahrung nicht zu übersehen ist.
Einziger Wermutstropfen ist der Preis. Mit ihren 250.000 Euro Listenpreis in Mindestausstattung stellt die NS-960 auch bei weitem die teuerste Lösung in diesem Bereich dar. Darüber hinaus muss der IT-Entscheider genau prüfen, welche Lizenzen enthalten sind bzw. welche er für seine Umgebung benötigt. Nach oben sind wie immer keine Grenzen gesetzt und auch sechsstellige Summen durchaus möglich.
Kurzinfo
Hersteller: EMC Deutschland GmbH
Am Kronberger Hang 2a, D-658245 Schwalbach
Tel. 0 61 96/472 80
Fax 0 61 96/4 72 82 18
E-Mail: german_marketing@emc.comWeb: www.emc2.deDirekter Link: Celerra NS-960Preis: ab 250.000 Euro
Garantie: 24 Monate inkl. Vor-Ort-Service
Technische Details ArraySpeicherkapazität: 180 GByte bis 760 TByte
Laufwerksanzahl: fünf bis 960 SATA-, FC- oder Flash-Laufwerke (auch gemischt)
SATA-Festplatten: 500, 750 GByte oder 1 TByte
FC-Festplatten: 146-450 GByte/10.000 U/min, 146-400 GByte/15.000 U/min
Flash-Laufwerke: 73, 146, 200 und 400 GByte
RAID-Level: 0, 1, 3, 5 und 10
Cache: 2 x 16 GByte
Gehäuse: 19 Zoll Rackmount
Aufbau: Zwei Dual-Prozessor Storage Processor Enclosures (SPE) mit acht 4-Gbit-FC-Ports
Betriebssystem: FLARE
Ausfallsicherheit: kein Single-Point-of-Failure, Erweiterung ohne Systemstillstand möglich
Technische Details NAS-SystemGehäuse: 19 Zoll Rackmount
Aufbau: bis zu acht X-Blades mit jeweils bis zu sechs UltraFlex-Modulen
Betriebssystem: DART
Unterstützte Protokolle: CIFS (SMB1 und 2), NFS (Versionen 2-4), IP v4 und v6, FTP, TFTP, SNMP, NDMP 2-4, NTP und SNTP
Frontend-Anschlüsse: bis zu 192 Copper-Ethernet oder bis zu 96 Copper-Ethernet plus 96 optische Ethernet oder 48 10-Gbit/s-Ethernet
Weitere Funktionen: Thin Provisioning, Data Deduplication, WORM, Anti-Virus, lokale und entfernte Replikation, multiple beschreibbare Snapshots
Plus+ Mischbetrieb FC-, SATA- und Flash-Laufwerke
+ Erweiterbarkeit und Wartung im laufenden Betrieb
+ Betriebssicherheit durch redundante Auslegung von Laufwerken, Netzteilen, Lüftern und Controllern
Minus- Preis