Der dreiteilige Hardware-Teil der Gingcom-Appliance (Bild: Gingcom)
Fast alle Speicheranbieter versprechen, sich besonders um die kleinen und mittelständisch geprägten Unternehmen (den so genannten KMUs) zu kümmern. Doch die so intensiv Umworbenen zieren sich beharrlich. Von dem Rottweiler Hersteller
Gingcom erblickt in diesen Tagen eine neuartige Storage-Appliance das Öffentlichkeitslicht, das alle Zutaten aufweist, um beim Mittelstand endlich wirklich zu reüssieren.
Hinter Gingcom steckt nämlich das ebenfalls in Rottweil beheimatete Unternehmen
BDT, das als OEM-Hersteller seit nunmehr fast zwei Jahrzehnten Tape-Autoloader und Librarys für die Backup-Größen des Storage-Marktes herstellt. Zu den Kunden zählen unter anderem
Adic, Quantum, Tandberg Data, Iomega, IBM, Dell, Sun Microsystems und
HP. Im Bereich Tape-Autoloader mit bis zu 20 Slots blickt BDT somit auf rund 80 Prozent Marktanteil – ohne unter eigenem Namen aufzutreten. Man kennt also den Storage-Markt bestens.
Aber der Storage-Markt hat sich vor allem für OEM-Hersteller wie BDT in den letzten Jahren enorm gewandelt. »Früher kamen OEMs zu uns mit einer Idee, und sagten: Entwickelt und baut das für uns«, gibt
Nikolaus King, Business ManagerBDT Solutions, im Gespräch mit
speicherguide.de Einblick in das Geschäft. »Heute ist es so, dass uns OEMs nach Lösungen fragen. Und wenn wir eine haben, müssen wir auch noch belegen, dass die Idee auf dem Markt ankommt.«
Vor diesem Hintergrund entstand in den letzten drei Jahren das Projekt »Gingcom«. Mittlerweile umfasst das Entwicklerteam daran 47 Mitarbeiter, mehr als 200.000 Code-Zeilen wurden in der Software programmiert. Es kann sich also jeder ausrechnen, dass die Vorleistungen, die BDT in dieses Projekt investiert, nahe an einen zweistelligen Millionen-Betrag heranreichen. Kein Pappenstiel für ein mittelständisches Unternehmen mit 850 Mitarbeitern weltweit.
Entwickelt wurde Gingcom also von BDT, vertrieben wird es von der neu gegründeten Firma Gingcom, die sozusagen der erste OEM ist. BDT will schließlich ausschließlich OEM-Hersteller bleiben und im Falle eines Erfolgs von Gingcom für weitere OEMs offen bleiben.
Hardware-mäßig ist Gingcom schnell erklärt. Es ist eine Disk-to-Disk-to-Tape-Appliance (D2D2T) in einem Gerät. Das erste »D« ist eine Art Storage-Server, der auf dem »
Microsoft Storage Server 2003 R2 64bit« basiert und in dem die schnellsten auf dem Markt erhältlichen Festplatten mit jeweils 35 GByte rotieren. Der Server steuert auch die weiteren Hardware-Einheiten. Das zweite »D« ist ein RAID-System, in dem bis zu zwölf günstigere SATA-/SAS-Platten ihre Dienste verrichten. Das »T« schließlich steht für einen Tape-Autoloader, den es in einer 4U-Variante mit bis zu 48 Medien-Slots gibt. Das ergibt eine Backup- bzw. Archivkapazität im zweistelligen TByte-Bereich, was für einen Mittelständler in der Zielgruppe bis 500 Mitarbeitern mehr als locker reicht.
Der Clou des Systems ist freilich die Software, die die drei Hardware-Einheiten zu einem System verschweißt, und die es für einen KMU-Einsatz geradezu prädestiniert. Zum einen soll sich Gingcom extrem einfach und schnell in ein bestehendes Netzwerk integrieren lassen. »Es muss nicht nur ein IT-Administrator umsetzen, sondern auch der Geschäftsführer eines Mittelständlers verstehen können«, betont King. Jeder, der schon mal ein Gerät in ein Netzwerk installiert hat, sollte es nach Meinung des BDT-Managers »in rund 30 Minuten schaffen«.
Darüber hinaus ist die Software so ausgelegt, dass sie das System und die Daten wie ein CAS-System (Content Adressable Storage) verwaltet. Dateien, die länger nicht mehr angefasst wurden, verschiebt das System automatisch zunächst vom RAID-Zwischenspeicher auf die Tapes, wenn der Bedarf an RAID-Speicher dies erfordert. Diverse Regeln dazu sind vordefiniert. Diese lassen sich natürlich für jeden Anwendungszweck ändern bzw. neue definieren.
In dieser Sichtweise erinnert Gingcom extrem stark an das »Centera«-System von
EMC. »Wenn jemand sagen würde, Gingcom ist eine Art ‚Centera für den Mittelstand’, dann ist da durchaus was dran«, ulkt King. Auf diese Art und Weise wirkt Gingcom vor allem wie ein »ILM-System out of the Box« (ILM = Information-Lifecycle-Management). Für das Verschieben der Dateien und gelegentliche Zurücksichern wurde Gingcom von den Entwicklern viele Funktionen für Selbstmanagement, Selbstüberwachung und Health-Checks mit in die Wiege gelegt.
Den Vertrieb des Systems will die Firma Gingcom ausschließlich indirekt organisieren. Der Fokus liegt vorerst nur auf der DACH-Region. Erste Beta-Installationen soll es bereits geben, die allesamt mit Systemhäusern durchgeführt werden. Die Appliance ist natürlich das Highlight am Gingcom-Stand während der kommenden »CEBIT 2007«. Bis dahin soll auf der Homepage auch eine Liste der Systemhaus- und Reseller-Partner veröffentlicht werden.
Das Gingcom-System ist zunächst nur für Windows-Netzwerkarchitekturen ausgelegt, da nach Marktuntersuchungen die anvisierte Zielgruppe (KMUs mit 50 bis 500 Mitarbeitern) überwiegend auf Microsoft setzen. Der Preis eines Einstiegssystems beginnt voraussichtlich bei rund 40.000 Euro. Bisher übliche Einzellösungen aus mehreren Hard- und Softwareprodukten landen typischerweise jenseits der 100.000-Euro-Marke.
Gingcom auf der CeBIT 2007:
Halle 1 Stand F81
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