Klaus Dittrich, Geschäftsführer, Messe München
Spekuliert wurde über die Münchner ITK-Messe »Systems« schon seit mehreren Jahren, erst Recht nachdem die Freiflächen immer größer wurden. Und nun, da es der Messe wieder gelang, zugkräftige Hersteller wie
Dell nach München zu holen, reicht es doch nicht aus, das Konzept weiter aufrecht zu erhalten. Nach 40 Jahren eine bittere Pille.
Nicht zuletzt dürften stagnierende Aussteller- und Besucherzahlen dafür ausschlaggebend sein, auch wenn die Messe das von sich weist. So verbreitet
Klaus Dittrich, Geschäftsführer der
Messe München, Zweckoptimismus: »Die Systems 2008 ist mit 1.061 Ausstellern und mit Bestnoten von allen Marktteilnehmern nach knapp 40 Jahren immer noch die führende Business-to-Business-Messe für die ITK-Branche. Sie verabschiedet sich in einer starken Position. Dennoch haben wir uns entschieden, dem grundlegenden Wandel in einer der wichtigsten Zukunftsbranchen Rechnung zu tragen und dem Markt völlig neue, flexible und innovative Angebote zu unterbreiten. Wir sind davon überzeugt, dass die neuen Live-Events Anbietern und Anwendern gleichermaßen hervorragende Dienste leisten werden, und hoffen darauf, dass uns ein großer Teil unserer Aussteller zu diesen neuen Ufern begleiten wird.«
Klare Wende, unklares KonzeptDie Messe München will mit diesem Wechsel auf den grundlegenden Wandel in den Marketingstrategien der Informations- und Kommunikationstechnologie-Branche reagieren und die 1969 gegründete Systems ab 2009 durch zwei neue Veranstaltungen ersetzen. Der Teilbereich IT-Security wird zu einer eigenen Messe herausgelöst. Dort sollen sich nicht nur Anbieter aus der Informationstechnologie präsentieren, sondern auch Hersteller und Dienstleister, die klassische Sicherheitslösungen offerieren. Die neue Messe, die wohl »it sa München« heißen wird, findet erstmals vom 23. bis 25. Juni 2009 statt.
Für den »Rest« konnte man sich augenscheinlich noch nicht auf klare Strukturen einigen. Kaum verwunderlich, denn noch vor kurzem wurde die Werbetrommel für die Systems 2009 gerührt. Daher ist es naheliegend, dass dieser Umsturz eine äußerst kurzfristige Entscheidung war – auch wenn Dittrich betont, dass man bereits seit »mehreren Monaten« an dem neuen Konzept gefeilt habe. Angestrebt ist eine neue, internationale Kommunikations-, Vertriebs- und Marketingplattform für die ITK-Branche im Herbst 2009. Die Ziele sind hochgesteckt, denn das Format soll mit seinem Business-to-Business-Charakter Entscheider aus Unternehmen jeder Größenordnung, aber auch die Technologie-Avantgarde ansprechen. Weitere Details will die Messe München noch vor Ablauf des Jahres präsentieren – »voraussichtlich schon Ende November«, avisiert Dittrich.
Konzeption und Image sollen anders werden. Es geht wohl darum, dass die ITK-Branche zwar gerne mit den potenziellen Endkunden und Anwendern spricht, aber das Konzept mit dem Vorstellen von Neuheiten und Lösungen auf Messeständen scheint sich überholt zu haben. Denn während die Systems stagniert, boomt das Kongressprogramm. »Im Kongresszentrum platzen wir aus allen Nähten«, betont Dittrich. »Das zeigt uns, dass die Branche nach einer neuen Plattform sucht – und München wird jetzt die Plattform dazu.«
Allerdings sollte die neue Plattform – Dittrich: »Es ist kein Nachfolger der System. Es ist etwas völlig Neues und es ist mehr als eine Messe.« – bei allem guten Willen nicht nur die Planung, sondern auch wirtschaftliche Belange mit in die Neubetrachtung der Veranstaltungen einbeziehen. Hersteller und Anbieter sind seit langem nicht mehr bereit die teilweise überteuren Preise zu zahlen. Nur ein guter Mix aus Thematik, Rahmenprogramm, Basiskonzept und Preis-Leistungs-Angebot wird neues ITK-Messeleben nach München holen können.
Erste Aussteller trauern bereits um Systems»Die Organisation ist auffallend gut und die strikte Fokussierung als Geschäftsmesse zahlt sich aus«, lobt
Frank Droste, Geschäftsführer vob
Primera Europe, die Systems. Primera zeigt in München Duplizier- und Druckgeräte für optische Medien wie CDs, DVDs und Blu-ray-Discs. Allerdings stuft der Primera-Chef die Systems auch ganz klar als »Regionalmesse für Süddeutschland und deutschsprachige Anrainer ohne bundesweiten oder gar internationalen Anspruch« ein. »Die Systems ist gut geeignet, um Entscheidungsträger mittelständischer Betriebe aus dem bayerischen Raum anzusprechen«, analysiert Droste die Interessenten am Messestand von Primera. Für Unternehmen, die über keine eigene Niederlassung in München verfügen, sei die Systems daher »sicherlich eine gute Plattform, um das Geschäft in Süddeutschland anzukurbeln«. Diese Erfahrung hatte sich im letzten Jahr schon abgezeichnet und daher hat Primera in diesem Jahr entgegen dem Trend auf der Messe seine eigene Standfläche deutlich ausgeweitet.
Auch
Bernd Widmaier, Vertriebsleiter des Storage-Distributors
Starline Computer, bedauert das Ende der Systems: »Ich kann schon nach zwei Tagen sagen, dass sich die Systems für uns rentiert hat.« Starline machte eine intensive Vorbereitung der Messe, und sandte u.a. 50.000 Eintrittskarten aus. »Solche Aktionen zahlen sich aus«, betont Widmaier im Gespräch mit
speicherguide.de. »Wenn man den Mittelstand erreichen will, das geht nirgends besser als auf der Münchner Systems.«
»Die Entscheidung ist die logische Konsequenz der Entwicklung der letzten Jahre«, sagt auch beispielsweise
Sven Kaiser, Director Marketing & Corporate Communications ECM-Spezialisten
Optimal Systems. »Wir bedauern die Schließung der Systems nur aus dem Grund, da die Messe uns eine zusätzliche Plattform bot, unsere Bestandskunden und Interessenten aus der Region zu treffen.«
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