Doris Störtzer, Stellvertretende Vorstandsvorsitzende, VOI Verband Organisations- und Informationssysteme e.V.
Ein Mittelständler, der sich prinzipiell für eine ECM-Lösung interessiert, fragt noch nicht nach einem Komplettsystem. Der Trend geht anscheinend zunächst eher zu Einzellösungen oder Einstiegspakete, die zu einer ECM-Gesamtlösung ausgebaut werden können.
Wir sprachen mit Doris Störtzer, Stellvertretende Vorstandsvorsitzende beim VOI Verband Organisations- und Informationssysteme e.V., über die Herausforderungen, wie der Mittelstand für eine ECM-Lösung zu begeistern ist, und welche Schritte ein Mittelständler beachten sollte.
Wenn sich ein Mittelstandsunternehmen für ein ECM-System interessiert, wird dann eher eine Komplettlösung nachgefragt? Oder eher zunächst ein Basissystem, das sich mit Komponenten, z.B. für BPM, nachrüsten/erweitern lässt?
Störtzer: Der Interessent will wissen, was es auf dem Markt gibt und welche Systeme für seine Lösungen geeignet sind. Der VOI bietet da natürlich mit über 260 Mitgliedsfirmen ein gebündeltes Knowhow.
Wie vertraut sind Mittelstandsunternehmen mit der ECM-Thematik? Müssen Sie noch viel Basisarbeit leisten?
Störtzer: Der Informationsstand der Unternehmen ist unterschiedlich. Ausschlaggebend sind hier die Schwerpunkte der Anwender. Die Aufgabe des Verbandes ist, die Anwender in jeder Form zu informieren und eine kommunikative Brücke zwischen Anbietern und Anwendern zu schaffen.
Ein ECM-System kann sicherlich nicht »so nebenbei« eingeführt werden. Was empfehlen Sie Unternehmen, die in Sachen ECM vorangehen wollen?
Störtzer: Messen zu besuchen, um eine Vielzahl von Systemen sehr schnell kennen zu lernen, neutrale Organisationen wie den VOI-Verband hinzuziehen und an ausgewählten Veranstaltungen teilnehmen, unter Berücksichtigung des entsprechenden Schwerpunkts für das Unternehmen. Der VOI-Verband hat klar ausgerichtete Competence-Center für Themen wie elektronische Signatur, Kundenbeziehungsmanagement über Steuern & Recht bis Standards & Normen und einige mehr. Diese Experten stehen dem Anwender zur Verfügung.
Mit welchen Trends rechnen Sie auf der kommenden »DMS Expo«?
Störtzer: Die DMS Expo zeigt Anwendern und Entscheidern kompakt und vielfältig das Themengebiet auf. Anbieter und Hersteller müssen sich immer wieder neu erfinden, an den Schrauben drehen und die Gedanken der Kunden lesen. Deshalb gehen Trends durchaus unter anderem in Richtung »Soft- und Hardware Services«, denn der Kunde will gut versorgt sein. Cloud-Computing, Mobilität, Enterprise 2.0 sind Gesprächsthemen und durchaus trendverdächtig.
Erste Anbieter offerieren eine Art Managed-Service rund um die Dokumentenverwaltung, also eine Art DMS-as-a-Service bzw. ECM-as-a-Service. Ist das ein Trend, der sich durchsetzen kann? Oder eher ein Hype mit letztendlich wenig Aussichten auf größere Marktanteile?
Störtzer: Ja, da haben wir es schon. Auch ein Hype kann schnell zum Trend werden. Einige unserer Mitgliedsunternehmen beschäftigen sich mit genau diesen Themen und das sehr erfolgreich. »Services«, die mehr und mehr Beachtung finden für bestimmte Zielgruppen. Das Software-Modell passt mit großer Wahrscheinlichkeit nicht auf jedes Unternehmen, wird aber seinen Platz im Markt finden.