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[16.01.2012] (eh)
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Perceptive: Appetit auf ECM- und BPM-Lösungen ist groß

Perceptive Software ist relativ neu auf dem europäischen ECM-Markt. Die Mutter Lexmark International sponsert derzeit ihre Tochter an allen Ecken und Enden, damit das Fußfassen hierzulande gelingt. Kürzlich wurde dazu das niederländische Unternehmen Pallas Athena übernommen, und Perceptive unterstellt.
ECMguide.de sprach mit Bernd Brückner, Regional Director DACH/EE/Turkey bei Perceptive Software, a Lexmark Company, über die Ziele auf dem ECM-Markt und die Markteroberungsstrategie.

Was waren die Hintergründe für die Übernahme von Pallas Athena?

Bernd Brückner

Brückner: Wie man allgemein auf dem Markt sieht, ist der Appetit für Enterprise-Content-Management- und Business-Process-Management-Lösung groß. Aber die Übernahme ist mehr als nur eine Marktherausforderung für uns. Wenn wir mit unseren Kunden über ihre Anforderungen sprechen, sehen wir sehr oft, dass ECM und BPM zusammen spielen, und immer öfter zusammen eingesetzt werden.

Bleibt ECM weiterhin in ihrem Hauptfokus?

Brückner: Perceptive Software hat ihren Kunden immer geholfen, ihre Geschäftsprozesse besser zu managen und zu automatisieren. Und mit unserem Technologiefokus rund um Content fühlten wir, dass es an der Zeit ist, unsere Möglichkeiten zu erweitern. Mit Pallas Athena geht es darum, dass wir eine Rundum-Lösung für alle Geschäftsvorfälle anbieten können, bei der eben Content nicht mehr unbedingt im Zentrum der Prozesse stehen muss. Am Ende des Tages werden wir mit den Technologien von Pallas Athena unsere Möglichkeiten erweitert haben, die Anforderungen unserer Kunden noch besser erfüllen zu können. Wir bleiben auf jeden Fall eine Software-Company, und wir sind auch eine Technologie-Company. Aber jetzt werden wir zunehmend auch eine Lösungs-Company.

Aber mit Pallas Athena ging es wohl auch darum, Perceptive in Europa zu unterstützen?

Brückner: Das ist richtig. Die Integration von Pallas Athena macht für Perceptive Software die EMEA-Ausbreitung leichter, weil Pallas Athena hier mit Büros und vielen Kunden schon stark vertreten ist. Aber wir können die prozess-zentrische Software-Lösungen von Pallas Athena auch auf dem globalen Softwaremarkt einsetzen.

Die Verknüpfung von Perceptive-Technologie und Pallas-Athena-Lösungen – was hat das noch für Vorteile?

Brückner: Eine der Stärken von Perceptive Software war und ist, komplizierte Dinge einfach zu machen. Und das ist auch eine der Philosophien von Pallas Athena. Eines der Dinge, die die Technologien von Pallas Athena wirklich auszeichnen, ist, wie Ausnahmefälle behandelt werden, ohne dass die Prozesse beim Kunden überarbeitet werden müssen. Prozess-zentrische Software-Lösungen – das ist das Kerngeschäft von Pallas Athena. Das ist ein außerordentlich großer Vorteil, den wir jetzt über unsere Kanäle auf den Markt bringen. Wenn wir das Process-Mining-Tool von Pallas Athena auf eine Lösung aufsetzen, und es direkt mit unserem »ImageNow«-Workflow interagieren lassen, dann wird das ein bedeutendes Unterscheidungsmerkmal, das unsere ECM-Mitbewerber so nicht haben. Vor allem dann, wenn wir es auch mit den BPM-Lösungen verknüpfen.

Perceptive Software wurde ja selbst von Lexmark letztes Jahr übernommen, und darf als Softwaretochter sehr eigenständig auftreten. Pallas Athena wurde zwar von Lexmark übernommen, wird aber Perceptive Software unterstellt. Wir stark wird Pallas Athena integriert?

Brückner: Es ist beabsichtigt, Pallas Athena tief in Perceptive Software als einen Software-Geschäftsbereich zu integrieren. Wir wollen damit einfach sicherstellen, dass die Software so weiterentwickelt wird, dass Kompliziertes einfach zu handhaben ist. Wir haben schon immer viel unternommen, dass unsere Software einfach zum Benutzen ist, einfach implementiert und integriert werden kann – und dass es deshalb eine große Wertschöpfung beim Kunden für einen vertretbaren Kostenaufwand gibt.

Wenn ECM und BPM verheiratet werden, wie passt da noch Perceptives »Content in Context«-Ansatz rein?

Brückner: Diesen »Content in Context«-Ansatz wollen wir weiterhin verfolgen. Aber wir veredeln ihn mit einem ausgereiften Set von Möglichkeiten rund um BPM, Dokumenten-Output-Management und einen revolutionären Process-Mining- und E-Discovery-Tool. Ich möchte hier besonders auf das Dokumenten-Output-Management-Produkt »ModusOne« von Pallas Athena eingehen. Es ist ein starkes Dokumenten-Kompositions-Tool, das die Möglichkeiten von unserem ImageNow und die Output-Management-Lösungen von Lexmark deutlich erweitert. Damit lässt sich viel im Process-Management automatisieren. Es gibt uns die Möglichkeiten, sehr smarte Dokumente zu kreieren, um die Informationen in Unternehmen und Organisationen sinnvoll zu bündeln.

Pallas Athena hat noch weitere Produkte im Programm. Wie passen die zu Perceptive Software?

Brückner: Dann gibt es noch »BPMone«, es ist das Zentrum von Pallas Athenas BPM-Engine. Es ist von Grund auf entwickelt worden für hochentwickelte Case- und Business-Process-Management-Lösungen, wie beispielsweise Vertragsmanagement, Kreditverträge, Versicherungsvorfälle oder Immobilienverwaltung. Mit diesen Anforderungen sind wir immer öfters konfrontiert worden. Es passt also perfekt rein. »ReflectOne« ist eine Process-Mining-Lösung, mit dem Kunden und unsere Partner wichtige Informationen aus Geschäftsprozessen identifizieren und herausfiltern können, um beispielsweise aufkommende Flaschenhälse oder gar ungeplante Stopps in einer Organisation rechtzeitig zu entdecken und gegensteuern zu können. Diese Informationen können natürlich auch für Compliance- und E-Discovery-Zwecke eingesetzt werden, um die entsprechenden Geschäftsvorfälle evtl. neu zu adjustieren oder aufzusetzen. Wir werden das integrieren, sodass es auch mit ImageNow-Prozessen und anderen externen Systemen zusammenarbeiten kann. Was wir jetzt in das Vorfallsmanagement einbringen, ist ein eher holistischer Ansatz für den Prozess. Es bedeutet, dass Kunden bei einem Geschäftsvorfall den Inhalt von Dokumenten und die Informationen in ihren existierenden Systemen besser nutzen können, um bessere Entscheidungen über das weitere Vorgehen zu treffen.

Was war generell der Hintergrund von Lexmark für die Entscheidung, Pallas Athena und Perceptive Software zusammenzubringen?

Brückner: Rund 60 Prozent des ECM-Potenziales liegt außerhalb Nordamerikas. Daher ist die Erweiterung der internationalen Präsenz eines unserer primären Ziele zur Sicherstellung der Unternehmensentwicklung und des langfristigen Erfolges. Ein stärkerer Auftritt in der EMEA-Region war deshalb die logische Schlussfolgerung. Als Perceptive Software alleine hätten wir uns schwer getan. Aber mit der Mutter Lexmark haben wir einen ganz anderen Marktauftritt.

Was reizte aus Ihrer Sicht einen Druckerhersteller wie Lexmark, in Softwarefirmen wie Perceptive und Pallas Athena einzusteigen?

Brückner: Die Entwicklung im Druckermarkt geht immer weiter weg vom Verkauf der bloßen Hardware hin zum Angebot zusätzlicher Lösungen und Services im Output- und Dokumenten-Management. Dabei wird in der Zukunft immer weniger gedruckt werden, und neue Technologien werden Papierdokumente zunehmend überflüssig machen. Mit Perceptive Software und Pallas Athena ist Lexmark optimal aufgestellt, um diesen zukünftigen Anforderungen gerecht zu werden. Lexmark bietet somit ein umfassendes Angebot von der Hardware bis zur passenden Softwarelösung.

Aber der Druckermarkt ist groß, der ECM-Markt doch eine ganze Ecke kleiner?

Stimmt schon. Aber: Der Druckermarkt ist High-Volume nebst Low-Margin und wenig Wachstum, während der ECM-Markt Low-Volume, aber High-Margin und hohes Wachstum darstellt.

Woher rührt derzeit das Wachstum des ECM-Marktes?

Brückner: Wir haben kürzlich eine Befragung bei unseren Kunden gemacht. Für 60 Prozent, die sich für eine ECM-Lösung entschieden, war der Trigger das zunehmende »Content-Chaos«. An zweiter Stelle mit 41 Prozent waren im weitesten Sinn Compliance-Gründe – die Kunden sagten, sie können nicht mehr sicher sein, dass ihre Informationen innerhalb des Unternehmens richtig, zuverlässig und vertrauenswürdig seien. Der generell bedeutendste Treiber ist derzeit, dass die Unternehmen das Wachstum der Daten erfolgreich managen wollen. Dazu gehört auch, dass man rechtzeitig unnütze Daten los wird. Auch dafür haben wir eine Lösung bei uns mit integriert.

Ändert sich der Markt derzeit für ECM- und Content-Management-Systeme?

Brückner: Erheblich sogar. ECM- und Content-Management-Systeme sollten heute Enterprise-Search und Collaboration unbedingt beinhalten oder zumindest einbinden können. Wir gehen heute nach Content, der im früheren Sinne von Content kein Image mehr ist. Das Unternehmenswissen ist heute sehr stark in E-Mails vorhanden. Und das muss mit integriert werden. Jetzt geht der Trend dahin, dass viel über Social-Media und Messengers kommuniziert wird. Auch das muss jetzt viel stärker beachtet werden. Und dann kommt natürlich das Business-Process-Management hinzu. Also aus den Daten, die in den ECM-Systemen liegen, wertvollere Daten für Geschäftsprozessentscheidungen zu machen. Wir waren als Perceptive auf diesem Weg schon gut unterwegs; aber der Zukauf von Pallas Athena bringt uns hier noch mal etliche entscheidende Schritte weiter.

Wie unterscheidet sich die Perceptive-Lösung preislich von der anderer ECM-Anbieter?

Brückner: Bei den Lizenzkosten liegen wir eigentlich alle ziemlich ähnlich. Aber wir haben deutlich günstigere Folgekosten, also schlussendlich eine geringere TCO (Total Cost of Ownership). Das liegt vor allem an unseren vielen vorgestalteten Templates für eine Menge von Anwendungsfällen. Damit kann sich ein Anwender sehr schnell seine eigene Lösung konfigurieren. Wir haben viele Kunden, die uns nur wegen unserer Templates regelrecht lieben.

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