Steffen Jakob, Bereichsleiter Microsoft Technologien, Adesso
SharePoint 2010 steht in den Startlöchern und soll die Anwender von seiner Funktionalität überzeugen. Häufig muss den Anwendern aber noch erklärt werden, was genau Sharepoint kann und nicht kann.
Wir sprachen dazu mit Steffen Jakob, Bereichsleiter Microsoft Technologien bei Adesso.
Kommt Sharepoint wirklich bei den Anwendern an oder herrscht hier eher noch Unklarheit, wofür sich das Produkt einsetzen lässt?
Jakob: Wir beobachten im Markt einerseits eine große Begeisterung über den Funktionsumfang von Sharepoint und die Möglichkeiten, die dieses Produkt bietet. Andererseits suchen viele Unternehmen nach konkreten Einsatzszenarien, in denen sie diese Möglichkeiten auch nutzbar machen können. Hier sind wir als Beratungsunternehmen gefordert, unseren Kunden Vorschläge zu unterbreiten, wie sie Sharepoint effizient in ihre Geschäftsprozesse und individuellen Anforderungen integrieren können.
Noch immer lebt Sharepoint durch die Veredelung von anderen Anbietern. Wofür reichen die Kernfunktionen wirklich?
Jakob: Nach unserer Erfahrung reichen die Sharepoint-Kernfunktionen für etwa 80 Prozent aller Anwender aus. Diese »Information Worker« benötigen ein einfach zu nutzendes, intuitives Werkzeug für ihre täglichen Aufgaben. Die anderen 20 Prozent der Anwender sind auf Spezialwerkzeuge angewiesen, die zum Teil deutlich mehr Funktionalität aufweisen, aber auch wesentlich komplexer sind.
Wo hat Sharepoint immer noch Lücken und wie füllt man diese?
Jakob: Gravierende Lücken sehen wir zum Beispiel im Bereich der revisionssicheren Archivierung und der Umsetzung von komplexen Workflows. Auch die Integration mit SAP-Anwendungen lässt sich leichter über Partnerlösungen als generisch umsetzen.
Wie weit kann man als Sharepoint-Partner am Produkt mit entwickeln?
Jakob: Eine der großen Stärken von Sharepoint ist die Flexibilität bezüglich programmatischer Erweiterungen. So nutzen wir mittlerweile in vielen Projekten Sharepoint als Applikationsplattform und entscheiden individuell, wo wir die Standardfeatures einsetzen können, bzw. wo individuelle Softwareentwicklung erforderlich ist, um eine optimale Lösung für den Kunden zu schaffen.
Was sind die Hauptprobleme beim Kunden, die er mit Sharepoint lösen will?
Jakob: Die wichtigsten Einsatzgebiete sind nach wie vor die Bereiche Dokumentenmanagement und Zusammenarbeit sowie die Abbildung von formularbasierten Workflows. An Bedeutung gewinnen die Bereiche »Unternehmensweite Suche« und »Business Intelligence«, wobei hier Sharepoint häufig als Frontend für Datawarehouses wie SAP BW genutzt wird.
Welche Trends zeichnen sich für Sharepoint ab?
Jakob: Die Bedeutung von Sharepoint im Unternehmenskontext wird zunehmen. Während Sharepoint heute häufig ein abteilungsspezifisches Werkzeug ist, wird es zukünftig vermehrt als unternehmenskritische Portalplattform genutzt werden, die eine Vielzahl von Anwendungen integriert.