Jens Büscher, Geschäftsführer, DocuPortal
SharePoint 2010 steht in den Startlöchern und soll die Anwender von seiner Funktionalität überzeugen. Häufig muss den Anwendern aber noch erklärt werden, was genau Sharepoint kann und nicht kann.Wir sprachen dazu mit Jens Büscher, Geschäftsführer von DocuPortal.
Kommt Sharepoint wirklich bei den Anwendern an oder herrscht hier eher noch Unklarheit, wofür sich Sharepoint einsetzen lässt?
Büscher: Schein und Sein. Der Medien- und Marketing-getriebene Hype um Sharepoint erzeugt eine hohe Erwartungshaltung durch die Interessenten. Das Produkt wird in vielen Fällen als einfache und schnell verfügbare, umfassende ECM-Lösung angepriesen. Die suggerierten Eigenschaften werden oft nicht eingehalten; stattdessen bedarf es einer aufwendigen Installation, Individualentwicklungen und des Einsatzes von Fremdprodukten, um die zahlreichen Ansprüche einer Unternehmensunterstützung gegen Organisations- und Informationsdefizite zu erfüllen.
Noch immer lebt Sharepoint durch die Veredelung von anderen Anbietern. Wofür reichen die Kernfunktionen wirklich?
Büscher: Die Kernfunktionen reichen, ohne Programmierung, für eine einfache Zusammenarbeit mit Dateien, Blogs, Wikis und einer einfachen Volltextsuche aus. Damit lassen sich Bedürfnisse von beispielsweise Projektteams erfüllen. Das Potenzial weiterer Funktionen ist enthalten, aber durch die notwendigen Werkzeuge nicht sofort für weitere Zwecke einsetzbar.
Wo hat Sharepoint immer noch Lücken und wie füllt man diese?
Büscher: Die Lücken liegen in der Betrachtung der Anforderung des Kunden. Während sich bestimmte Projekte gut mit Sharepoint umsetzen lassen, ist die Realisierung umfassender ECM-Strategien in der Regel deutlich teurer, als gleich eine bereits fertige ECM-Lösung einzusetzen. Denn diese erspart einem zusätzliche Entwicklungen und den Einsatz von Partnerprodukten, ist günstiger und kommt ohne Kompetenz- und Support-Chaos aus.
Wie weit kann man als Sharepoint-Partner am Produkt mit entwickeln?
Büscher: Microsoft bietet zahlreiche Werkzeuge – sei es aus Sharepoint direkt oder zum Beispiel über die Entwicklungsumgebungen wie »VisualStudio«, um Integrationen und Anbindungen an Sharepoint zu entwickeln. Daraus hat sich in den letzten Jahren eine umfassende Berater- und Entwicklerszene entwickelt.
Was sind die Hauptprobleme beim Kunden, die er mit Sharepoint lösen will?
Büscher: Es gibt nicht »den Kunden«. Jedes Unternehmen ist so individuell wie jede Person es ist. Aber die Grundtendenz liegt in der zentralen Informationsbereitstellung, zum Beispiel von geschäftsrelevanten Daten und Dateien. Das erleichtert die fundierte Entscheidungsfindung und beschleunigt die Unternehmensprozesse. Aber dafür gibt es deutlich mehr Portallösungen oder ECM-Produkte, wie von Docuportal, mit denen sich diese Probleme schneller und einfacher lösen lassen.
Welche Trends zeichnen sich für Sharepoint ab?
Büscher: Sharepoint wird sich als Integrationsportal für Anwendungen jeglicher Art behaupten können, vor allem auf seiner Live-Strategie. Der Trend sollte dazu gehen, das Zusammenarbeiten und die Informationsgewinnung als Wertschöpfung im Unternehmen deutlich zu erhöhen. Dies ist aber auch ein allgemeiner Trend – es gibt eine Welt neben Sharepoint.