Matthias Einig, Senior SharePoint Consultant, Steria Mummert Consulting
SharePoint 2010 steht in den Startlöchern und soll die Anwender von seiner Funktionalität überzeugen. Häufig muss den Anwendern aber noch erklärt werden, was genau Sharepoint kann und nicht kann.
Wir sprachen dazu mit Matthias Einig, Senior SharePoint Consultant bei Steria Mummert Consulting.
Kommt Sharepoint wirklich bei den Anwendern an oder herrscht hier eher noch Unklarheit, wofür sich Sharepoint einsetzen lässt?
Einig: In Unternehmen wird Sharepoint mittlerweile als Dreh- und Angelpunkt des »Information Workers« verstanden. Das bedeutet für den Anwender in erster Linie den Einsatz als zentrale Kollaborationsplattform zum Austausch von Informationen wie Dokumenten, Aufgaben, Terminen, Kontakten oder Diskussionen innerhalb von Projekten oder Arbeitsteams. Dabei wird die gute Integration in die täglichen Arbeitswerkzeuge wie Outlook, Office oder Windows Explorer als ein entscheidender Vorteil gegenüber anderen Lösungen wahrgenommen. Der Einsatz von Sharepoint als Web Content Management System wird jedoch häufig noch kritisch betrachtet. Die Ursache findet sich je nach Größe des Unternehmens dabei jedoch weniger bei der technischen Umsetzung, als an den stark heterogenen fachlichen Anforderungen innerhalb der internen bzw. externen Kommunikationsplattform.
Noch immer lebt Sharepoint durch die Veredelung von anderen Anbietern. Wofür reichen die Kernfunktionen wirklich?
Einig: Kollaborieren und Publizieren sind die Paradedisziplinen von Sharepoint. Bei der Integration in die Microsoft-Office-Welt kann bisher kein Konkurrent Microsoft das Wasser reichen. Beim Web-Content-Management in Sharepoint sieht es im Vergleich zu anderen CMS vor allem in der Bearbeitung von Inhalten noch nicht ganz so rosig aus. Dennoch bietet das Produkt vor allem bei der Abbildung von Redaktionsprozessen eine Schlüsselfunktion, die vor allem bei großen, dezentral gepflegten Kommunikationsplattformen sowohl eine unternehmensweite Standardisierung als auch die nötige Flexibilität bietet.
Wo hat Sharepoint immer noch Lücken und wie füllt man diese?
Einig: Viele der Defizite, zum Beispiel im Content-Management oder der Suche, lassen sich durch zahlreiche frei verfügbare Erweiterungen bzw. durch kommerzielle Produkte von Drittanbietern ausgleichen. Funktionen zur Integration von Line-of-Business-Daten sind mit dem »Business Data Catalog« (BDC) derzeit nur eingeschränkt (lesend) verfügbar. Hier müssen häufig maßgeschneiderte Lösungen entwickelt werden. Microsoft hat jedoch nachgebessert und schließt im nächsten Jahr mit den »Business Connectivity Services« (BCS) in »SharePoint 2010« diese Lücke. Auch Richtung Records-Management und Postkorbsteuerung wird es entscheidende Verbesserungen geben. Ob sich jedoch in Zukunft auf den Einsatz von Drittprodukten verzichten lässt, muss sich mit der finalen Version noch zeigen.
Wie weit kann man als Sharepoint-Partner am Produkt mit entwickeln?
Einig: Die Strategie vieler Unternehmen, das Arbeitsumfeld des Information-Workers und des Business-Workers (Line-of-Business-System, zum Beispiel SAP) zu trennen, schafft häufig Probleme, die genaue Abgrenzung zu finden. Daher ist auch bei der Einführung von Sharepoint-Lösungen die Erhebung und Analyse der fachlichen Anforderungen das A und O. Entscheidender Erfolgsfaktor dabei ist, die Möglichkeiten und Einschränkungen von Sharepoint sehr gut zu kennen, um zu bewerten, ob die Plattform zur Umsetzung der Anforderungen tatsächlich geeignet ist. Um auch langfristig eine kostengünstige und wartbare Umgebung zu erhalten, sollte bei Entscheidungen zur Umsetzung von Anforderungen auf eine maximale Konformität zu Sharepoint-Standards Wert gelegt werden.
Was sind die Hauptprobleme beim Kunden, die er mit Sharepoint lösen will?
Einig: Im modernen Informationszeitalter ist die Informationsschwemme eines der großen Hemmnisse bei der effizienten Arbeit in Unternehmen. Anwender können immer schwerer erkennen, welche der bereitgestellten Informationen tatsächlich im aktuellen Kontext relevant sind. Viele Unternehmen erhoffen sich durch den Einsatz von Sharepoint und dessen Funktionen zur Pflege von Metadaten und der integrierten Volltextsuche einer Verbesserung. Außer Acht gelassen wird jedoch, dass diese Strukturierung und Kategorisierung der Daten enormen Pflegeaufwand bedeutet. Sharepoint 2010 macht mit den neuen Funktionen für Taxonomien und Folksonomien den ersten Schritt in die richtige Richtung.
Welche Trends zeichnen sich für Sharepoint ab?
Einig: Sharepoint wird sich in Zukunft verstärkt in den Mittelpunkt des Arbeitsalltags der Anwender drängen. Dabei verlagert sich der Fokus immer mehr in Richtung Kollaboration und Web-Integration. Wünschenswert aus Anwendersicht ist, die Relikte der vergangenen Jahrzehnte, beispielsweise Netzlaufwerke und öffentliche Exchange-Ordner, endgültig zu vergessen und von den vielfältigen Funktionen von Sharepoint zu profitieren. Durch die verstärkte Integration der Lösung in lokale Anwendungen sowie der Daten aus Dritt-Systemen werden für die Anwender die Grenzen zwischen verschiedenen im Unternehmen eingesetzten Lösungen immer weiter verschwimmen.