Rainer Weissert, Leiter des Competence Center Business Collaboration, VOI-Verband Organisations- und Informationssysteme e.V.
SharePoint 2010 steht in den Startlöchern und soll die Anwender von seiner Funktionalität überzeugen. Häufig muss den Anwendern aber noch erklärt werden, was genau Sharepoint kann und nicht kann.
Wir sprachen dazu mit Rainer Weissert, Leiter des Competence Center Business Collaboration des VOI-Verband Organisations- und Informationssysteme e.V.
Kommt Sharepoint wirklich bei den Anwendern an oder herrscht hier eher noch Unklarheit, wofür sich Sharepoint einsetzen lässt?
Weissert: Die Unklarheiten, wofür sich der Sharepoint-Server überhaupt verwenden lässt, gehören eher der Vergangenheit an. Dazu haben auch Anforderungen aus Unternehmensfachbereichen nach rasch verfügbaren Portal- und Dokumentenmanagement-Anwendungen, die sich in bestehende Office-Umgebungen integrieren lassen, beigetragen. Es gibt durchaus viele Sharepoint-Installationen, die als Basislösung auf dem Server unter dem Schreibtisch eines IT-Administrators begonnen haben und mit denen heute mehrere tausend Anwender als ausgebaute Unternehmensplattform mit SAP-Integration arbeiten.
Noch immer lebt Sharepoint durch die Veredelung von anderen Anbietern. Wofür reichen die Kernfunktionen wirklich?
Weissert: Mit Sharepoint können sehr schnell Basislösungen für die Zusammenarbeit von Gruppen, so genannte »Team Sites«, erstellt werden. Auch einfach zu bedienende Dokumentenmanagement-Anwendungen für Aktenverwaltungen mit entsprechenden Zugriffsberechtigungen und Indexierung des Contents sind mit den Basisfunktionen machbar. Wer eine ausgebaute Microsoft-Office-Umgebung hat, kann selbst sehr rasch Ergebnisse erzielen. Dies ist sicher ein Grund, weshalb Sharepoint mit hohem Interesse in den Unternehmen verfolgt wird.
Wo hat Sharepoint immer noch Lücken und wie füllt man diese?
Weissert: Ob und wo sich Lücken ergeben, hängt von den Anforderungen ab. Viele Unternehmen arbeiten mit den Sharepoint-Standard-Themes/Benutzeroberflächen, andere verwenden individuell abgestimmte Web-Oberflächen. Es gibt diverse Anbieter von Sharepoint-Webparts – das sind Steuerelemente zum Erstellen von Websites –, die gezielt Funktionalitäten für zum Beispiel Site-Navigations-, Datums- oder Berechnungsfunktionen zur Verfügung stellen. Workflow-Lösungen mit grafischen Benutzeroberflächen oder in Sharepoint integrierte Archivierungslösungen sind ebenfalls erhältlich.
Wie weit kann man als Sharepoint-Partner am Produkt mit entwickeln?
Weissert: Sharepoint in der Version 2007 – und noch mehr in 2010 – bietet umfangreiche Enterprise-Plattformfunktionalitäten auch zur Integration anderer, unternehmenskritischer Applikationen wie ERP- und CRM-Systeme. Hier ist das spezifische Lösungs- und Integrations- Knowhow von Partnern gefragt. Der Markt an Sharepoint-Beratungsunternehmen wächst ständig. Herausforderung für den Kunden ist es, hier den passenden Partner mit Erfahrung zu finden. Tipp: Lassen Sie sich Referenzkunden und Case-Studys aus ähnlichen Branchen und Anwendungsbereichen benennen und sprechen Sie mit Anwendern. So lässt sich am einfachsten die Spreu vom Weizen trennen.
Was sind die Hauptprobleme beim Kunden, die er mit Sharepoint lösen will?
Weissert: Es gibt zwei wesentliche Anwendergruppen von Sharepoint-Kunden. Die einen, die Sharepoint als Einzellösung für die Zusammenarbeit, beispielsweise von Arbeitsgruppen im Intranet verwenden, oder mit Sharepoint Dokumentenmanagement-Aufgaben lösen. Die zweite Anwendergruppe setzt voll auf Sharepoint als Unternehmensplattform für die Internetpräsenz und das Informationsmanagement im Kontext mit ERP- und CRM-Systemen. Ziele sind zumeist eine Vereinfachung der Anwenderprozesse und eine Kostenreduzierung durch Verwendung der Sharepoint-Plattform für die Realisierung möglichst vieler Unternehmensapplikationen.
Welche Trends zeichnen sich für Sharepoint ab?
Weissert: Sharepoint 2010 steht in den Startlöchern. Neue bzw. erweiterte Funktionalitäten sind unter anderem die Offline-Funktionalität »Workspace« und die Benutzeroberflächen mit kontextabhängigen Ribbons. Auch die einfacheren Möglichkeiten, Sharepoint-Websites zu editieren und zu gestalten, die Browserunterstützung für Firefox und Safari und der einfachere Connect von Sharepoint zu anderen Business-Applikationen, Webservices und Datenbanken sind neu. Damit will Microsoft den Weg zur zentralen ECM-Plattform weitergehen. Es bleibt jetzt abzuwarten, wie diese Funktionen in Sharepoint 2010 tatsächlich verwendet werden können.