Oliver Kießlich, Managing Consultant, PlanB
SharePoint 2010 steht in den Startlöchern und soll die Anwender von seiner Funktionalität überzeugen. Häufig muss den Anwendern aber noch erklärt werden, was genau Sharepoint kann und nicht kann.
Wir sprachen dazu mit Oliver Kießlich, Managing Consultant bei PlanB.
Kommt Sharepoint wirklich bei den Anwendern an oder herrscht hier eher noch Unklarheit, wofür sich Sharepoint einsetzen lässt?
Kießlich: Mit über 100 Millionen verkauften Lizenzen weltweit ist Sharepoint eine Erfolgsgeschichte für Microsoft und seine Partner. Sharepoint wäre nicht so erfolgreich, wenn es nicht bei den Anwendern ankäme und wenn sie die Lösung nicht verstünden. Ich denke, dass es Missverständnisse, Unsicherheiten und Unklarheiten nicht so sehr auf Kundenseite gibt, sondern eher beim Mitbewerb, der klar erkennt, dass der Erfolg von Sharepoint nicht zu stoppen ist.
Noch immer lebt Sharepoint durch die Veredelung von anderen Anbietern. Wofür reichen die Kernfunktionen wirklich?
Kießlich: Tief in Office integriert und intuitiv zu bedienen, deckt Sharepoint die wichtigsten Bereiche des Informationsmanagements auf einer Plattform ab. Das reicht von Collaboration, Portaltechnologien, unternehmensweiter Suche, Enterprise Content Management (ECM), Business Intelligence bis zu Business Process und Formularmanagement. Auf Basis von Sharepoint gibt es die vielfältigsten Anwendungen, die komplexe Geschäftsprobleme lösen: So hat Deutschlands größter Telekommunikationsdienstleister Sharepoint zur Abdeckung seiner SOX 404-Compliance Anforderungen im Einsatz. Ein weltweit operierender Industriekonzern nutzt Sharepoint als ein zentrales System für Intranet, Internet und Extranet mit Integration von und in Drittsysteme. Ein weiterer Kunde verwaltet den Lebenszyklus seiner Geräte und Anlagen von der Bestellung über die Wartung bis zur Entsorgung mit dieser Lösung. Das zeigt, dass Sharepoint flexibel einzusetzen ist und gut skaliert.
Wo hat Sharepoint immer noch Lücken und wie füllt man diese?
Kießlich: Seit November 2009 ist die Betaversion von »SharePoint Server 2010« allgemein erhältlich. Da wir im PEP-Programm (Partner Evidence Program) von Microsoft sind, stehen uns die Sharepoint 2010-bits seit Sommer zur Verfügung. So haben wir bereits live-Erfahrungen sammeln können. Microsoft hat in allen Bereichen stark investiert und funktionale Lücken geschlossen. Die neuen Funktionen bzw. Funktionserweiterungen überzeugen. Hier nur einige Beispiele:
- Verbesserte, interaktive Benutzeroberfläche mit den »Ribbons«, die Anwender bereits aus Office kennen sowie »Silverlight« und »Ajax«.
- Stark verbesserte Möglichkeiten von No-Code-Lösungen, insbesondere mit »SharePoint Designer« und »Infopath«.
- Verbesserte Office-Integration und verbesserte Offline-Unterstützung mit »SharePoint Workspace«.
- Verbesserte Konnektivität mit »Business Connectivity Services«, die das Zurückschreiben von Daten aus Geschäftsanwendungen erlaubt.
- Verbessertes Content-, Records- und Policy-Management.
- Optimierte Suche mit »Wild-Card Search« und verbesserter Relevanz.
- Verbesserte Business-Intelligence-Funktionen durch optimierte Excel-Services, integrierte »PerformancePoint Services«, »Visio Services« und SQL »Server PivotPoint« (»Gemini«) für die Auswertung von großen Datenmengen.
Sehr viele Neuerungen gibt es auch für Entwickler und Administratoren: »Visual Studio 2010« unterstützt Sharepoint nativ; das Application-Lifecycle-Management wurde verbessert. Außerdem erleichertern »Sandboxing für Solutions« (WSPs), neue Sharepoint-APIs und das »Developer Dashboard« die Arbeit.
Wie weit kann man als Sharepoint-Partner am Produkt mit entwickeln?
Kießlich: Microsoft bindet seine Kunden und Partner schon früh in den Produktplanungszyklus über Feedbackprogramme und strukturierte Interviews ein. Die Entwicklung selbst erfolgt zentral gesteuert in Redmond. Partner und Kunden können dann je nach Qualifikation an so genannten TAP-Programmen (Technical Adoption Program) und PEP-Programmen teilnehmen und schon in der frühen Beta-Phase eines Produkts Verbesserungsvorschläge machen. Dieser rege Austausch setzt sich fort über formelle und informelle Communities. Insgesamt pflegt Microsoft einen sehr offenen Dialog mit seinen Kunden und Partnern.
Was sind die Hauptprobleme beim Kunden, die er mit Sharepoint lösen will?
Kießlich: Auf Grund der Funktionsvielfalt von Sharepoint sind die Einsatzmöglichkeiten zahlreich und reichen von Intranetportalen, Internetauftritten, Vertragsmanagement-Applikationen über Business Intelligence-, Such- und Rechnungsverarbeitungs-Anwendungen bis hin zu Compliance-Lösungen.
Kunden kaufen Sharepoint zum einen natürlich aufgrund der leistungsstarken Funktionen. Es gibt jedoch noch zahlreiche weitere wichtige Kriterien, warum sich Kunden für Sharepoint und nicht für ein »klassisches« ECM-, WCM- oder Collaboration-Produkt entscheiden:
- Microsoft ist im Gegensatz zu vielen kleineren, lokalen Anbietern stabil und steht für Investitionssicherheit.
- Sharepoint ist flexibel einzusetzen und kostengünstig.
- Mit Sharepoint können heterogene Applikationslandschaften konsolidiert werden – Applikationsinseln werden in einer Plattform integriert.
- Sharepoint bringt ECM, Compliance, Business Intelligence, Web-Content-Management – vormals hochspezialisierte komplexe Anwendungen mit umständlich zu bedienen Klienten – »to the masses«, das heißt mit Sharepoint werden diese Aufgaben Teil des ganz alltäglichen Arbeitens.
Welche Trends zeichnen sich für Sharepoint ab?
Kießlich: Sharepoint 2010 ist eine hochskalierbare Plattform, um Informationen im Intranet und Internet intelligent und rechtssicher zu erstellen, zu verwalten und zu publizieren. Die neue Lösung ermöglicht modernes gemeinsames Arbeiten über die klassischen Grenzen eines Unternehmens hinaus. Microsoft stellt »Information Worker« mit Sharepoint 2010 ein Arbeitsmittel zur Verfügung, das die Produktivität jedes Einzelnen erhöht und so enorme Produktivitätssteigerungen für das Gesamtunternehmen generiert. Wir sind der vollen Überzeugung, dass die Erfolgsgeschichte von Sharepoint mit der neuen Version mit größter Intensität fortgeschrieben wird.