Vom 15. bis 17. September öffnete die »DMS Expo 2009« ihre Türen. Dabei versuchte die Messe, Fachbesucher mit strukturiertem Angebot und Themenvielfalt für sich zu gewinnen (siehe auch DMS Expo 2009 Vorschau). Auffällig waren in diesem Jahr die Ruhezonen und die etwas verkleinerte Halle, die von den geschrumpften Ausstellerzahlen ablenken sollten. Auch das Laufpublikum, das bei den letzten Messen noch die Gänge füllte, ließ auf sich warten. An den Ständen selbst schien aber bei fast allen Anbietern steter Kundenverkehr zu herrschen.
Die Bilanz der Messe bestätigt den Eindruck. In den drei Tagen besuchten 16.100 Fachbesucher Halle 7 der Koelnmesse. Das sind etwa 3.000 weniger als im Vorjahr. Ebenso sank die Ausstellerzahl von 362 auf 309, wobei davon 30 ausländische Firmen zu verzeichnen sind. Trotzdem zieht der Veranstalter ein durch und durch positives Fazit. »Die DMS Expo hat ihre Ausnahmestellung als fokussierte Leitmesse erneut unter Beweis gestellt«, sagt Oliver P. Kuhrt, Geschäftsführer der Koelnmesse. »Nur hier in Köln wird das gesamte Leistungsvermögen des ECM-Marktes auf der exponierten Messe- und Konferenzplattform sichtbar und erlebbar, von der Dateneingabe über die Verwaltung und Bearbeitung bis hin zur Ausgabe bzw. Archivierung. Die Messe verschafft dem Thema elektronisches Informations- und Dokumentenmanagement eine unvergleichbar hohe, öffentliche Wahrnehmung.«
VOI erfreut über rege Teilnahme
Der ideelle Träger der DMS Expo, der Verband Organisations- und Informationssysteme e.V. (VOI), sah seine Erwartungen sogar übertroffen. »Die DMS Expo ist und bleibt die Leitmesse für die Branche und für den VOI«, meint Henner von der Banck, Geschäftsführer des VOI. »Wir haben unsere Verbandsziele übererfüllt: Sehr gut besuchte Foren, Mitgliederzuwachs und eine erhöhte Nachfrage für die nächste DMS Expo an der VOI-Community mitzuwirken, bestätigen uns das.«
Wie in den Vorjahren waren das Konferenzprogramm und das VOI-Forum erneut integraler und gut besuchter Bestandteil der Ausstellung. Das praxisbezogene Vortragsprogramm war so konzipiert, dass Einsteiger und Profis im DMS-Segment gleichermaßen profitieren konnten. Um neuen Trends gerecht zu werden, wurde die Themenvielfalt erweitert. Output-Management und Enterprise-2.0-Lösungen bekamen so erstmals einen eigenen Schwerpunkt. Das »Forum Produktinformation« wurde auf einer zweitägigen Vortragsreihe präsentiert, und der »DMS-Praxistag für Kommunen« auf zwei Tage erweitert. Dass das Thema Social-Software in den Unternehmen angekommen ist, belegte das große Interesse an dem neuen Forum Enterprise 2.0 am zweiten Messetag. Insbesondere ging es dabei um das Zusammenwirken von Enterprise-Content-Management (ECM) mit Social-Software.
Positive Bilanz der Aussteller
Trotz der geringeren Publikumsbeteiligung kann in der Branche nicht von schlechter oder gar Untergangsstimmung die Rede sein. Die vertretenen Firmen zogen fast alle ein positives und zufriedenes Messefazit. Deutlich spürbar ist dabei der Druck, der auf den IT-Verantwortlichen liegt. Diese suchen derzeit gezielt nach Lösungen, die nicht nur generell nützlich sind, sondern auch Konsolidierungs- oder Einsparungspotenzial haben. ECMguide.de begab sich auf Stimmenfang und kann deutlich den optimistischen Tenor der Messe festhalten. Zu bemängeln gab es offensichtlich nur Kleinigkeiten und auch die Krise wurde kritisch ins Visier genommen.
Patrick Püntener, itsystems
»Zwar war im Gegensatz zu 2008 die DMS Expo dieses Jahr weniger gut besucht, aber mit den Kontakten zu Presse und potentiellen Partnern waren wir sehr zufrieden«, bestätigt Patrick Püntener, Mitglied der Geschäftsleitung bei itsystems. »Leider war die Position des Microsoft-Stands dieses Jahr etwas ungünstig, sodass wir schwerer zu finden waren und die Kontakte mit Endkunden etwas darunter gelitten haben. Besonders interessiert waren unsere Standbesucher an der Optimierung ihres Informationsmanagements durch die Kombination eines Prozessmodells mit einem Metadatenmodell, auf der Grundlage der Sharepoint-Plattform. Mit einer solchen Lösung können die Anwender Zeit und Geld sparen und ihre Informationen wesentlich besser verwalten, als bisher. Das ist sicher einer der Märkte der Zukunft.«
»Die DMS Expo 2009 bot uns als einmaliger Branchentreffpunkt eine gute Gelegenheit für wertvolle Kunden- und Interessentengespräche«, sagt Georg Csajkas, Senior Product Manager bei iTernity. »Da für unser Produkt »HP iCAS« als WORM-Middleware zur Langzeitarchivierung auch die enge Zusammenarbeit mit den Softwarepartnern aus dem DMS-Sektor wichtig ist, nutzen wir die DMS traditionell auch für Termine mit neuen und bestehenden Partnern. Dadurch bietet uns die Messe doppelten Nutzen.«
»Dieses Jahr kann man sicherlich nicht als das beste in der Geschichte der DMS Expo bezeichnen – aber das war auch nicht zu erwarten«, meint auch Manfred Grandis, Produktmanager DMS bei BHS Binkert. »Gerade im Vergleich mit der für uns sehr erfolgreichen CeBIT fiel auf, dass zum einen die IT-Entscheider aus den Unternehmen, zum anderen die Besucher gefehlt haben, die sich einen Gesamtüberblick über den DMS-Markt verschaffen wollten. Wer kam, hatte in der Regel ein ganz bestimmtes Ziel. Das mag vielleicht auch mit daran gelegen haben, dass die Messe nicht ganz so stark in der Öffentlichkeit beworben wurde wie sonst, so zumindest war mein Eindruck. Demgegenüber ist die DMS Expo nach wie vor eine wichtige Plattform, die Hersteller, Distribution und Handel zusammenbringt, und speziell in dieser Hinsicht hat sich die Teilnahme für uns durchaus gelohnt.«
Eines ist Grandis in den Gesprächen besonders aufgefallen: »Ein Messejahr mit weniger Resonanz wird in diesen Zeiten schnell als Bestätigung für strategische Fehler im eigenen Unternehmen gesehen, und man stellt Grundsätzliches in Frage. Ich warne jedoch davor, aus diesem Eindruck heraus vorschnell zu viele Entscheidungen zu treffen. Die Rahmenbedingungen sind in diesem Krisenjahr einfach ganz anders – das gilt aber bei Weitem nicht nur für den DMS-Markt. Die Branche hat in den vergangenen Jahren kontinuierlich zweistellige Wachstumsraten erzielt, das sollte man nicht vergessen. Wer von Stagnation oder gar Einbrüchen spricht, tut das von einem vergleichsweise hohen Niveau aus. Und Ausgaben der DMS Expo mit mehr oder weniger Zuspruch hat es auch schon immer gegeben.«
Thomas Wulle, Avision Euope
»Fachmessen wie die DMS Expo haben heute nicht mehr den früheren Stellenwert als Marktplatz für Neuheiten«, sagt Thomas Wulle, Geschäftsführer beim Scanner-Spezialisten Avision Europe. »Darüber kann man sich über viele andere Kanäle informieren. Als Branchentreffpunkt ist die Veranstaltung aber nach wie vor sehr wichtig, da man das gesamte Spektrum an Herstellern und Dienstleistern antrifft. Verglichen mit früheren Messen war die Resonanz am Stand eher durchwachsen - die Qualität der Kontakte aber sehr gut. Darüber würde ich aber nicht zu viele Interpretationen anstellen, denn in diesem Jahr haben wir eben eine Ausnahmesituation, was die Bereitschaft zu IT-Investitionen betrifft. So ein generelles Klima geht an keiner Messe spurlos vorüber.« Was die Märkte als Scanner-Hersteller angeht, ist Wulle weiter sehr zuversichtlich: »Gerade in kleineren Unternehmen, Arztpraxen, Anwaltskanzleien und insbesondere in Behörden ist DMS ein großes Thema und wird es auch noch eine ganze Weile bleiben. Ich würde mir insgesamt mehr Branchenbezug für die DMS Expo wünschen, in der Art, dass man noch mehr den Lösungsgedanken für bestimmte Anforderungen darstellt. Das würde es für den Fachbesucher sehr viel einfacher machen, das oft sehr abstrakte Konzept von Dokumentenmanagement nachzuvollziehen.«
»Die DMS Expo ist für uns die wichtigste Messe in Europa, als stark fokussierte Fachmesse bietet sie uns eine exzellente Plattform für die Kontaktaufnahme und Kontaktpflege mit einer großen Anzahl interessierter Fachbesucher aus Unternehmen und Organisationen«, erklärt Torsten Malchow, Vorstand Vertrieb und Marketing bei foxray. »Die meisten unserer Gesprächspartner wollen sich für konkrete Herausforderungen und Projekte in verschiedenen Bereichen einen Überblick über Lösungsmöglichkeiten und passende Anbieter verschaffen – entsprechend vielfältig und spannend waren die Fragestellungen, die wir mit unseren Gesprächspartnern haben diskutieren können. Dabei schält sich für uns als Trend ein wachsendes Interesse an der Beseitigung von Insellösungen und das Interesse an neuen modernen Systemen im Posteingang heraus.«
»Die DMS Expo hat uns vom ersten Tag an positiv überrascht«, konstatiert Steffen Unger, Leiter Vertrieb bei Paradatec. »Qualitativ hochwertige Gespräche im 30-Minuten-Takt sowohl mit Bestandskunden als auch mit Interessenten brachten uns konkrete Projektanfragen. Wir fühlen uns daher in unserer Entscheidung bestätigt, unser Team erst kürzlich um drei neue Kollegen erweitert zu haben. 2010 wird Paradatec sicher wieder mit von der Partie in Köln sein.«
»Das war für uns schon das fünfte Jahr auf der DMS Expo«, betont Tulin Pledger, Director, EMEA & APAC Marketing bei ASG. »Obwohl die Anzahl der Besucher zurückgegangen ist, waren wir von der Qualität der fachkundigen Besucher überzeugt. Die Gespräche haben erneut gezeigt, dass Unternehmen Kontrolle über ihre Inhalte zurückgewinnen wollen. Insellösungen werden nicht länger akzeptiert und Kunden fordern Lösungen, die Daten von unterschiedlichsten Quellen integrieren. Mit ein Grund, warum unsere Lösung ‚ASG-Totel Content Integrator für Microsoft Office SharePoint Server 2007’ bei den Besuchern auf besonders hohes Interesse stieß. ECM wird ein schnell wachsendes Feld im IT Management bleiben und wir freuen uns schon heute auf die DMS Expo 2010.«
Reinr Bielmeier, FAST LTA
»Wir sind in diesem Jahr das erste Mal auf der DMS Expo vertreten« sagt Reiner Bielmeier, kaufmännischer Leiter bei Fast LTA. »Mit dem Feedback sind wir sehr zufrieden. Wir hatten viele gute Kontakte zu Endkunden, vor allem aber auch zu bestehenden und potentiellen Partnern. Für uns ist ein Trend hin zu Hardware-Software-Kooperationen mit Lösungspartnern erkennbar, was uns sehr entgegenkommt, da unser Produkt sehr vielseitig einsetzbar ist und Schnittstellen für zahlreiche verschiedene Softwarelösungen bietet. Was uns besonders freut, ist, dass die Fachbesucher der Messe unsere Festplattenspeicher beim Innovationspreis der DMS Expo auf den zweiten Platz gewählt haben. Das Thema rechtskonforme, festplattenbasierte Langzeitdatensicherung stößt also auf großes Interesse.«
»Wie jedes Jahr haben die Key-Player der Branche auch 2009 auf der DMS Expo ausgestellt«, meint Peter Schnautz, Geschäftsführer des Scanner-Herstellers InoTec. »Und die hervorragende Arbeit der Koelnmesse hat für qualifizierte Leads gesorgt. Inotec wird auch 2010 wieder mit einem eigenen Stand vertreten sein.«
Gegen den Krisentrend
Karl Heinz Mosbach, ELO Digital Office
Die viel diskutierte ökonomische Krise geht auch an der DMS-Branche nicht spurlos vorbei. Allerdings zeigt sich, dass die Krise echtes Potenzial für viele Hersteller birgt. »Die Anzahl der Kontakte und die Qualität der Gespräche haben unsere Erwartungen übertroffen«, erläutert Karl Heinz Mosbach bei ELO Digital Office. »Wir haben den Eindruck, dass die Krise für die Unternehmen eher ein Ansporn ist, in die Optimierung ihrer Geschäftsprozesse zu investieren, um nachhaltig ihre Kosten zu senken.«
Andere Hersteller schätzen die Situation ähnlich ein. »Mit dem Verlauf der DMS Expo sind wir dieses Jahr, in Anbetracht der allgemein angespannten Wirtschaftslage, sehr zufrieden«, sagt auch Daniel Izsak, General Manager Europa bei AnyDoc Software. »Vor allem erfreut waren wir über die Fachkompetenz und die gezielten Fragen der Standbesucher. Immer mehr Kunden interessieren sich dabei für das Thema Digitaler Posteingang in Verbindung mit durchgängiger Business-Process-Automation. Das ist für uns definitiv ein Thema der Gegenwart und Zukunft, bei dem wir aus dem Vollen schöpfen können.«
»Die DMS Expo war auch in diesem Jahr ein voller Erfolg für uns«, bilanziert Norman Hübner, Marketing bei Alos. »Neben intensiven Gesprächen mit bestehenden und potenziellen Kunden, konnten wir auch interessierten Medienvertretern unsere Lösungen vorstellen. Wie erwartet geht der Trend deutlich zu Komplettlösungen für kaufmännische Geschäftsprozesse, da Wettbewerbsfähigkeit und Kostendruck die Unternehmen derzeit bewegen. Beispielsweise lag ein elektronischer Posteingang klar im Fokus unserer Gespräche.«