Gerüchte kursierten schon seit längerem, dass die Koelnmesse die »DMS Expo« nicht halten wird. Trotzdem war es für die gesamte ECM-Branche eine Überraschung, dass es bereits in diesem Jahr zu einer Verlegung kommt. Nun findet die DMS-Messe schon in weniger als drei Monaten vom 26. bis 28. Oktober in Stuttgart parallel zur »IT & Business« statt.
Hierzu erklärt die Koelnmesse, dass die Verlegung und Kooperation der DMS Expo bereits seit längerem mit Ausstellern und Verbänden prinzipiell besprochen wurde. Als es um die konkrete Kooperation zwischen Messe Stuttgart und Koelnmesse und die sofortige Umsetzung ging, war vorab allerdings niemand eingeweiht.
ELO erfuhr sehr kurzfristig vom Umzug
Der plötzliche Schulterschluss mit Stuttgart erstaunte selbst Karl Heinz Mosbach, Geschäftsführer von ELO Digital Office: »Wie wohl auch die meisten anderen, erhielt ich, in meiner Funktion als Vorstandsmitglied im VOI-Verband, sehr kurzfristig Bescheid über diese Entscheidung.« Er erfuhr die Nachricht kurz bevor die Koelnmesse die Pressemitteilung verschickte. Dabei zählt ELO mit 30 eigenen Mitarbeitern auf der Messe und einer Standfläche von 240 qm, die mit Partnern geteilt wird, zu den größeren Ausstellern.
Mosbachs Meinung nach lagen die Gründe für die Verlegung »sicherlich in den derzeit wirtschaftlichen und vor allem auch organisatorischen Problemen, welche die Koelnmesse generell als Messestandort zu meistern hat. Vor diesem Hintergrund ist es ein Glück, dass die Messe Stuttgart sich als Austragungsort angeboten hat.« Ein echter Zugewinn ist ELO für die Messe Stuttgart allerdings nicht, da das Unternehmen bisher sowohl einen Stand auf der DMS Expo als auch auf der IT & Business hatte. Nun wird ELO beide Stände zusammenlegen und auf der DMS Expo in Stuttgart ausstellen.
Verlegung bedeutet organisatorischen Mehraufwand
Für Aussteller, die bereits die Messe in Köln gebucht hatten, ist die Verlegung nicht ganz unproblematisch. Aufbauend auf den Erfahrungen der vergangenen Jahre in Köln, hatten sie ihre Messeplanung auf diesen Standort ausgerichtet. Nun bedeutet die Verlegung einen organisatorischen Mehraufwand. Dies weiß auch die Koelnmesse und bringt es in einer Mitteilung an die bereits gebuchten Aussteller zum Ausdruck: »Wir sind uns bewusst, dass es nun in kürzester Zeit eine Vielzahl von Aufgaben zu bewältigen gilt.« Wie groß die Unterstützung des alten Veranstalters und künftigen Mitveranstalter Koelnmesse und der Messe Stuttgart dabei sein wird, bleibt abzuwarten.
Microform, ein Hersteller von Hochleistungsscannern, macht wie ELO den Standortwechsel der Messe mit und hofft, dass der Mehraufwand so gering wie möglich ausfällt. »Wir planen für Stuttgart das gleiche Standkonzept bei gleicher Standgröße, wissen aber nicht, ob sich die Anordnung eins zu eins in Stuttgart abbilden lässt«, berichtet Wolfgang Urban, Geschäftsführer von Microform. »Ist dies nicht der Fall, bedeutet das für uns zusätzliche Arbeit.«
Ärgerlich: »SNW Europe« tagt zeitgleich in Frankfurt
Insgesamt sieht er wie viele andere Aussteller den positiven Effekt, dass mit Stuttgart ein Standort im süddeutschen Raum gewählt wurde, da mit der CeBIT der Norden bereits abgedeckt ist. Prinzipiell ist der Herbst auch in zeitlicher Hinsicht begrüßenswert. Erschwerenderweise tagt am 26. und 27. Oktober in Frankfurt die vom Storage-Branchenverband SNIA Europe organisierte »Storage Networking World Europe« (SNW Europe) und einige Storage-Unternehmen waren immer auch Aussteller auf der DMS Expo.
Während ELO und Microform noch den Vorteil haben, dass die DMS Expo quasi vor ihre Haustür wandert, liegt der Fall für windream mit Unternehmensstandort Bochum genau anders. Trotzdem steht der DMS-Spezialist den Neuerungen generell aufgeschlossen gegenüber. »Von daher knüpfen wir an diese überraschende, aber konsequente Entscheidung auch gewisse Erwartungen hinsichtlich der Wahrnehmung der ECM/DMS-Branche und auch hinsichtlich der Besucherqualität«, sagt Windream-Geschäftsführer Roger David.
Windream sieht Messeauftritte in einem Gesamtkonzept
Nichtsdestoweniger kann David dem Umzug auch etwas Positives abgewinnen, denn er betrachtet die Messeauftritte in einem Gesamtkonzept: »Mit der jetzigen Konstellation gibt es für uns die CeBIT im Frühjahr in Hannover, mit der vornehmlich der nord- und mitteldeutsche Einzugsbereich abgedeckt wird, und nun eine DMS Expo im Herbst in Stuttgart, mit der der Süden und Südwesten abgedeckt wird. Für uns gilt es nun zu analysieren, ob wir die potenziellen Interessenten aus dem westdeutschen Wirtschaftsraum mit den bestehenden Veranstaltungen erfolg- und zahlreich ansprechen können.«
Durch die Schaffung eines zentralen, fachgebietsübergreifenden Veranstaltungsverbunds hoffen die Veranstalter mittelfristig 20.000 bis 25.000 Besucher zu 750 bis 1.000 Ausstellern anzulocken. Ob das neue Messekonzept mit den erhofften Synergieeffekten durch die parallelen Veranstaltungen am Ende aufgeht, kann man frühestens nach Ende der Doppelmesse sagen.
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