27.09.2011 (eh) Drucken
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DMS Expo – war da was?

  • Inhalt dieses Artikels
  • Das wäre ein Thema gewesen: DE-Mail und E-Postbrief
  • Scanner waren gut vertreten, aber wo war die CMS-Branche
  • Heißes Thema: die Verbands-Sondersituation VOI und Bitkom
  • Das war keine Leitmesse, sondern eine nette Mittelstandsmesse
Nun ist sie also vorbei, die zweite »DMS Expo« in Stuttgart. Letztes Jahr machten wir nach der seinerzeitigen Messe bei ECMguide.de eine Umfrage, ob sie nochmals stattfindet. Eine deutliche Mehrheit war dafür, und sie hatte Recht. Aber nach der Veranstaltung letzte Woche bin ich mir nicht mehr so sicher, ob die DMS Expo noch eine große Zukunft vor sich hat.

Was die Besucher anbelangt, gab es nur ein Miniplus auf etwas über 11.000 für die »DMS Expo 2011«. Das Ziel der Messegesellschaft lag bei 15.000 – klar verfehlt also. Es gab auch keine richtigen Höhepunkte. Oder Visionen, wohin die DMS/ECM-Branche geht, bzw. gehen sollte. Der Themenpark »BPM-Vision« war okay, aber für eine europäische Leitmesse dann doch zu dünn. Richtige echte Neuheiten, die die Besucher anzog – Fehlanzeige. Auch die echten Branchengrößen wie IBM/Filenet, EMC/Documentum, Microsoft/Sharepoint oder Apple/Day Software fehlten allesamt. Einzig OpenText war von den ECM-Marktführern vertreten, aber mit einem Ministand, der dem eines Marktführers eigentlich nicht gerecht wurde. Gleiches gilt für Nuance Communications, ein Unternehmen mit derzeit 6,3 Milliarden US-Dollar Marktwert.

Das wäre ein Thema gewesen: DE-Mail und E-Postbrief

Cloud war sicherlich ein Thema, wurde aber eher auf Foren und Vorträgen durchdiskutiert. An Ständen war es mehr als unterrepräsentiert. Fujitsu/PFU hat hier mit »Scan-to-Cloud«-Lösungen noch einigermaßen die Fahne hochgehalten. Der Branchenverband Bitkom veranstaltete einen Cloud-Kongress, der mit 500 Besuchern ein richtiger Magnet war. Falls diese Besucher anschließend die DMS Expo oder die parallel tagende »IT & Business« besuchten, muss sie der Schlag der Ernüchterung getroffen haben.

Nahezu kein Thema waren auch die neuartigen Online-Briefe wie »De-Mail« oder »E-Postbrief«. Obwohl diese Thematik in der Branche gerade hohe Wellen schlägt, und ein ECMguide.de-Schwerpunkt darüber kürzlich proppenvoll von Stoff war, gab es hier absolute Fehlanzeige in Stuttgart. Compart hob wenigstens etwas den E-Postbrief hervor – das war’s aber. Stuttgart hat hier einwandfrei eine riesen Chance verpasst, Flagge zu zeigen und die Besucher aufzuklären und zu sensibilisieren.

Scanner waren gut vertreten, aber wo war die CMS-Branche

Gut vertreten war die Scanner-/Input-Management-Branche. Neben Fujitsu waren unter anderem noch Kodak, Epson, Microtec, Canon, Avision, Microform und InoTec präsent. Es gab viele Applikationen zu sehen, die sich mit Posteingang, Rechnungseingang oder Archivierung befassten. Die Output-Management-Branche war dagegen deutlich schwächer vertreten. Konica Minolta (zusammen mit windream), Compart und Kyocera möchte ich hier mal löblich hervorheben.

Die CMS-Branche (Content Management Systeme) habe ich eigentlich komplett vermisst. Adobe/Day Software sprach ich oben schon an. Aber auch E-Spirit oder Coremedia glänzten mit Abwesenheit.

Die mittelständische DMS/ECM-Industrie – ja, sie war da. Hier wurden Besucher unter anderem bei ELO Digital Office, Optimal Systems, Alfresco, d.velop, Agorum Software oder Windream fündig. Aber es fehlten auch bekannte Namen: Easy Software, Docuware, Docuportal, SER oder Saperion. Okay, Easy Software war wenigstens mit ihrem größten Partner CFT vertreten, Docuware war am Alos-Stand gut sichtbar.

Heißes Thema: die Verbands-Sondersituation VOI und Bitkom

Etliche Gesprächspartner auf der DMS Expo sagten mir, dass es anscheinend eine anziehende Nachfrage seitens ERP-Anwendern gibt, die ihr System mit einem DMS/ECM-System verknüpfen möchten. Dieser Trend wurde auf der DMS Expo praktisch nicht gespielt. Agorum Software hielt hier wenigstens etwas die Fahne hoch. Und auf der parallelen IT & Business spielte sich das Thema wenigstens noch bei Comarch und Sage ab. Aber das war’s dann. Ein ERP-ECM-Themenpark – das wäre bestimmt ein trendiges Highlight für die Besucher gewesen.

Unter den Ausstellern war logischerweise das Verbände-Thema ein heißer Diskussionspunkt. Eine Reihe von Mitgliedern des VOI, vor allem aus der ECM- und Output-Management-Szene, wandert gerade zum Bitkom ab. Der Berliner IT-Branchenverband hielt denn auch in Stuttgart ein ECM-Kickoff ab. Ein Thema, von dem Sie hier in ECMguide.de sicherlich noch öfters lesen werden, das aber die besuchenden Anwender – bis auf wenige Ausnahmen – vermutlich kaum interessierte.

Das war keine Leitmesse, sondern eine nette Mittelstandsmesse

Also eine europäische Leitmesse für Enterprise-Content-, Output- und Dokumentenmanagement war das in Stuttgart nicht. Es war eine nette kleine Messe von Mittelständler für den Mittelstand. Gilt analog auch für die IT & Business. Zu einem Herbst-Gegengewicht zur CeBIT fehlte einfach zu viel. Da müssen sich die Burschen in Hannover keine Sorgen machen.

In der jetzigen Konstellation als Messe für KMUs könnte ich mir die DMS Expo/IT & Business als eine Art Wandermesse quer durch Deutschland vorstellen. KMUs reisen höchstens 100 bis 200 km an, 300 km dürften schon eine rühmliche Ausnahme sein. Den Event also vier- oder fünfmal in Deutschland verteilt abhalten, evtl. noch je einmal in Österreich und der Schweiz – und das Zielpublikum dürfte zufrieden sein. Der Organisationsaufwand dürfte vermutlich aber enorm sein – auch für die ausstellende Industrie.

Mit ECM-lastigen Grüßen
Engelbert Hörmannsdorfer

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