25.04.2012 (as) Drucken
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ECM erhält auf der drupa zunehmend Gewicht

  • ECM erhält auf der drupa zunehmend Gewicht
  • Druckerhersteller positionieren sich neu
  • Die drupa - eine ideale ECM-Plattform
  • Standard-Post individualisieren
Die drupa präsentiert Drucktechnik und alles darum herum (Bild: Messe Düsseldorf)

Printstrategien, Druckkosten und das gesamte Output-Management sind Themen, für die sich Unternehmen aller Art auf der drupa 2012 vom 3. bis 16. Mai 2012 interessieren. Doch nicht mehr nur das, was am Ende geschieht, sondern auch die Prozesse davor nehmen eine hohe Bedeutung ein. Damit erhält das gesamte Enterprise-Content-Management (ECM) auf der drupa immer mehr Gewicht.

ECM gewinnt auf der drupa zunehmend an Bedeutung, da Unternehmen bestrebt sind, ihre Geschäftsprozesse effizienter zu gestalten. Klassische Hersteller von Druckern im Enterprise-Segment wie beispielsweise Canon, Konica Minolta und Kyocera wenden sich daher immer intensiver der Software- und Lösungsseite und speziell dem Dokumentenmanagement zu. Ziel ist, ganzheitliche ECM-Lösungen anzubieten, die vom Input über das prozessorientierte Dokumentenmanagement bis hin zum Output gehen.

Output-Management ist eine Komponente des Enterprise-Content-Management, um Informationen gesteuert an verschiedene Zielgruppen auf unterschiedlichen Ausgabekanälen in elektronischer oder physischer Form bereitzustellen. Klassisches Drucken im Unternehmen gilt nicht mehr wie in der Vergangenheit als das dominierende Output-Szenario. Der Output kann ebenso unter anderem als E-Mail, PDF- oder Web-Dokument auf PCs, Smartphones und Tablet-PCs erfolgen. Selbst Massenausdrucke lassen sich personalisieren und individualisieren sowie mit E-Mails, Websites und Mobile Messaging verknüpfen. Die Druckerhersteller und Output-Management-Anbieter sind gefordert, ihren Kunden Multi-Channel-Möglichkeiten zu offerieren.

»Aktuell hat aber noch nicht jeder Druckerhersteller eine Multi-Channel-Strategie«, erläutert Martin Böhn, Senior Analyst, beim Business Application Research Center (BARC). »Da neben der Ausgabe in Print beispielsweise E-Mail oder Portale bedient werden müssen, können Werkzeuge und Erfahrungen von Partnern genutzt werden, um hier schnell das Portfolio zu erweitern.« Daher gehen einige Druckerhersteller verstärkt Kooperationen ein und akquirieren Unternehmen, die ihr Know-how ausbauen. Dieser Weg dient nicht nur dazu, die Output-Vielfalt zu steigern, sondern auch, um sich stärker an das Dokumentenmanagement anzunähern. Hierbei winken den Druckerherstellern neue Umsatzpotenziale, da die Margen im Hardwarebereich immer weiter schwinden, der Softwarebereich dagegen mehr Spielraum bietet.

Druckerhersteller positionieren sich neu

Kyocera untermauert die Neuausrichtung seiner Strategie seit April sogar mit dem neuen Namen Kyocera Document Solutions statt zuvor Kyocera Mita. Weg vom Hardware-Lieferanten hin zum Solution-Provider lautet die Strategie von Konica Minolta. Hierzu kooperiert der Hersteller unter anderem mit dem deutschen ECM-Anbieter DocuWare. Andere wie Pitney Bowes setzen auf die Eigenentwicklung der Lösungen. »Wir bieten unseren Kunden schon seit Jahren Soft- und Hardware für die End-to-End-Kommunikation von Unternehmen mit ihren Kunden. Wir setzen also auch auf ECM-Software, erstellen diese jedoch im Unternehmen, da wir sie so am besten auf unsere Hardware einerseits und andererseits auf die Bedürfnisse unserer Kunden anpassen können«, erklärt Annette Friedl, Manager Marketing Communications von Pitney Bowes. Egal ob über Eigenentwicklungen, Partnerschaften oder Kooperationen, wichtig ist am Ende, dass die verschiedenen ECM-Komponenten ideal aufeinander abgestimmt sind. Schließlich profitieren Kunden von kompletten ECM-Lösungen, die durchgängig funktionieren. Sie machen Arbeitsabläufe effizienter, erlauben schnellere Geschäftsprozesse und sparen den Unternehmen Kosten. Eingescannte oder digital erstellte Dokumente wie Aufträge können beispielsweise verschiedene Mitarbeiter parallel bearbeiten, während Workflows- und Output-Prozesse automatisch angestoßen werden.

Allerdings sieht der Branchenanalyst Böhn im Zusammenwachsen der Lösungen noch längst nicht das Ende der Fahnenstange erreicht: »Heute erkennt man die unterschiedlichen Schwerpunkte der Systeme und Marktteilnehmer beziehungsweise Anbieter und Kunden noch deutlich: Dokumentengenerierung und Verteilung auf der einen Seite, der komplette Dokumentenlebenszyklus mit häufig noch eingeschränkten Output-Funktionen auf der anderen. Zwar werden durchaus gleiche Schlagworte benutzt wie »Archiv« und »Output«, die Breite und Tiefe der angebotenen Funktionen ordnen die Marktteilnehmer aber noch stark ein.«

Die drupa - eine ideale ECM-Plattform

Manuel Mataré, Director der drupa 2012, sieht ECM als interessantes Wachstumsfeld (Bild: Messe Düsseldorf)
Die Auftritte auf der drupa werden in diesem Jahr aber bereits die veränderte Herstellerlandschaft widerspiegeln. Anbieter präsentieren sich mit ihren neuen Partnern oder erworbenen Unternehmen und demonstrieren ihre End-to-End-Lösungen. »Das verstärkte Zusammenwachsen von Printtechnologie, weiteren Output-Möglichkeiten und Dokumentenmanagement im Unternehmenssegment ist ein Thema, das auf der drupa deutlich zu erkennen ist. Die Messe bietet die ideale Plattform, um durchgängige End-to-End-Solutions vom Input bis zum Output zu demonstrieren. Für die drupa stellt dieser Bereich eine attraktive Bereicherung dar«, kommentiert Manuel Mataré, Director der drupa 2012, diese Entwicklung.

Wie eng die Themen und Anbieter rund um ECM miteinander verknüpft und voneinander abhängig sind, zeigen auch Hybridpostdienste. Mit dem Start von E-Postbrief und De-Mail ist dieses Thema gerade in Deutschland sehr aktuell. »Beide Verfahren bieten das Potenzial, den Austausch von Informationen über E-Mail sicherer und verbindlicher zu machen. Durch die vergleichsweise geringen Kosten der Übertragung und den Grad der Bequemlichkeit für den Anwender ist beides eine Gefahr für den klassischen Druckbereich«, meint Böhn, der einschränkend fortfährt: »Doch auch in der Vergangenheit hat sich gezeigt, dass technische Möglichkeiten des elektronischen Datenaustausches wie EDI und Web-Portale nicht zu einem papierlosen Büro und dem papierlosen Nachrichtenaustausch geführt haben.«

Sowohl den Druckerherstellern als auch den Druckdienstleister drohen hier erhebliche Umsatzeinbußen, insbesondere dann, wenn sie die neuen Dienste nicht in ihre Produktstrategien einbinden. Allerdings zeigen laut Konica Minolta Erfahrungen aus anderen Ländern wie Großbritannien, dass sich hieraus auch neue Lösungen und Services entwickeln lassen. Diese Ansicht vertritt auch Friedl von Pitney Bowes: »Es wird Unternehmen dazu anhalten, noch mehr Kreativität darauf zu verwenden, wie sie die Vorteile beider Welten am besten für sich nutzen können: Die Seriosität des Briefes und das Vertrauen dieser über Jahrhunderte etablierten Kommunikationsform und die Möglichkeiten zur individuellen Gestaltung mit Hilfe moderner Datenverarbeitung und digitaler Drucktechnik. Wer diese Entwicklung verschläft oder ignoriert, könnte langfristig Probleme bekommen.«

Standard-Post individualisieren

Neue Services entstehen beispielsweise durch Individualisierung und Personalisierung der versendeten Inhalte. Wie sich gewöhnliche Post und Nachrichten attraktiv gestalten und verpacken lassen, zeigt Pitney Bowes an seinem Stand auf der drupa. Anhand einer einfachen Stromabrechnung mit limitierten Farben demonstriert der Hersteller, wie Offset-Vordrucke effizient ersetzt werden können. Am Beispiel einer Handyrechnung können sich Standbesucher außerdem von der großen Wirkung hoch-personalisierter, dynamischer Transpromo-Botschaften überzeugen.

Insgesamt können die Besucher der drupa erleben, wie heutige Nachrichten auf vorangegangenen Interaktionen aufbauen können, um eine genaue, zielgerichtete Personalisierung zu erreichen. Ebenso zeigen die Aussteller, wie die Dokumente und Nachrichten über den vom Empfänger bevorzugten Kommunikationskanal übermittelt werden. Durchgängige Systeme für Enterprise-Content-Management sind hierbei notwendig.