22.02.2012 (as) Drucken
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ECM-CeBIT-Trends: Bernhard Zöller im Interview

Mobility steht bei ECM-Anwendern hoch im Kurs und wird laut Bernhard Zöller, Geschäftsführer von Zöller & Partner auch im CeBIT-Fokus stehen. Cloud sei dagegen noch relativ weit von einer schnellen Verbreitung entfernt. Hier steckt die große Herausforderung im Customizing.

Bei welchem ECM-Thema sehen Sie im Vorfeld der CeBIT ein besonders starkes Interesse seitens der Anwender?

 Bernhard Zöller
Bernhard Zöller
Zöller: Das Interesse für ECM-Mobility-Lösungen und speziell für Tablet-PC-Lösungen ist sehr groß. Immer mehr Knowledge-Worker und Führungskräfte wollen mit Hilfe von Tablet-PCs auf Unternehmensdaten zugreifen.

Was bedeutet das für die ECM-Hersteller?

Zöller: Das Thema Mobility hat viele Facetten. Grob gefasst bedeutet Mobility, von unterwegs aus auf die Unternehmensdaten zuzugreifen. Dazu gibt es vier Möglichkeiten: per Smartphone, per Tablet-PC und per Notebook, mit dem Anwender häufig online aber auch offline arbeiten und später die veränderten Daten synchronisieren. Selbst große Hersteller mit relativ hohem Entwicklungsbudget können ihren Kunden keine 1:1-Funktionalität im Vergleich zwischen mobilen Möglichkeiten und den lokal installierten Anwendungen bieten.

Warum fällt das den Herstellern schwer?

Zöller: Zusätzlicher Entwicklungsaufwand. Es gibt verschiedene Plattformen wie iOS, Android und Windows, demnächst mit Windows 8 deutlich Tablet-orientierter als frühere Windows-Versionen. Für diese Plattformen muss man häufig neu programmieren, wenn es sich nicht um reine Web-Browser-Anwendungen handelt. Und selbst bei einer Plattform wie Android oder iOS hat man unterschiedliche Varianten und Bildschirmformate, für die die Anwendungen sinnvoll lauffähig sein sollten.

Neben Mobility gilt das Thema Cloud auch im ECM-Umfeld als zweites großes Thema auf der CeBIT. Was erwarten Sie hier?

Zöller: Das Thema Cloud sehe ich noch relativ weit entfernt von einer schnellen und weiten Verbreitung im ECM-Markt, vor allem wenn man darunter mehr versteht als Outsourcing. Erst wenn ECM-Cloud-Lösungen individuelles Customizing einer in der Cloud-gehosteten Anwendung zulassen, bedeutet das für mich eine echte Innovation. In diesem Zusammenhang bin ich schon sehr gespannt, was die Hersteller auf der CeBIT vorstellen. Insgesamt glaube ich, dass es noch eine Weile dauern kann, bis sich die Cloud-Lösungen in den Unternehmen verbreiten. Dokumentenmanagement ist keine solitäre Anwendung. DMS-Lösungen sind häufig tief in viele lokale Fachanwendungen integriert. Damit alles in der Cloud funktioniert, ist häufig, gerade bei älteren ECM-Plattformen eine komplett neue Softwaregeneration erforderlich.

Welche ECM-Themen stehen für Sie bei Ihrem CeBIT-Rundgang sonst noch im Vordergrund?

Zöller: Die Fortschritte bei den Benutzeroberflächen. DMS wurde bislang stark abteilungsbezogen in die Fachabteilungen verkauft, in denen Sacharbeiter regelmäßig mit den DMS-Tools arbeiten. Knowledge-Worker, die immer stärker mit Hilfe von DMS- und ECM-Systeme ihre Dokumentenprozesse und –Ablagen organisieren wollen, wurden bisher weitgehend vernachlässigt. Intuitive Bedienkonzepte sind gefragt, um alle Nutzergruppen anzusprechen. Interessant ist für die Benutzer-Interaktion auch, wie die Integration in Office-Programme und andere Anwendungen sowie das Thema Collaboration gelöst wird.

Welche Vortragsthemen der CeBIT sind aus Ihrer Sicht besonders interessant?

Zöller: Viel Gesprächsstoff bietet die elektronische Signatur, die nun nicht mehr zwingend für elektronisch übermittelte Rechnungen vorgeschrieben ist, um die Umsatzsteuer geltend zu machen. Unternehmen haben nun mehr Möglichkeiten für die elektronische Rechnungsübermittlung, die sicher auf der Messe diskutiert werden. Außerdem steht eine BSI-Richtlinie zur Diskussion, die auch außerhalb von kaufmännischen Dokumenten die Vernichtung der gescannten Papieroriginale erleichtern soll.

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