02.07.2013 (eh) Drucken
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Trotz Prism und Tempora: ECM-Branche noch ohne Antwort

  • Inhalt dieses Artikels
  • Wie von Google, Box, Dropbox, Amazon-Cloud wegmigrieren?
  • Amagno-Chef Jens Büscher wagt eine Antwort
  • Cloud-Markt muss für viele Jahre noch konsolidieren
  • Die Cloud muss ihr Vertrauen einmal mehr beweisen
  • Sensible Unternehmensdateien sind nichts für die Cloud
  • Einmalige wirtschaftliche Chance für Software-Lösungen »Made in Germany«

Die Internetüberwachungsprogramme der britischen und US-Geheimdienste NSA und GCHQ schadet nach Ansicht des deutschen IT-Verbandes Bitkom dem Wachstum der Branche. Das für 2013 angepeilte Wachstum von 50 Prozent beim Cloud-Computing werde sich beispielsweise kaum halten lassen, sagte Bitkom-Präsident Dieter Kempf der »Neuen Osnabrücker Zeitung«: »Einige Kunden haben neuerdings ein mulmiges Gefühl, wenn es darum geht, Daten in die Cloud zu verlagern. Die IT-Dienstleister würden bereits eine gewisse Zurückhaltung ihrer Kunden spüren.

Grundsätzlich hält der Bitkom eine Kooperation von staatlichen Behörden und Unternehmen bei der Strafverfolgung und -prävention im Internet für richtig und notwendig. Sobald private oder unternehmenskritische Daten betroffen sind, müssten aber hohe Hürden gelten, wie zum Beispiel eine richterliche Anordnung in jedem Einzelfall.

Wie von Google, Box, Dropbox, Amazon-Cloud wegmigrieren?

Dr. Ulrich Kampffmeyer, Geschäftsführer, Project Consult
Dr. Ulrich Kampffmeyer, Geschäftsführer, Project Consult
Gefragt wäre hier die ECM-/DMS-Industrie, die mit ihren Produkten für die Verwaltung, Organisation, Speicherung und Sicherheit von Unternehmensdaten und -dokumenten steht. »Liebe deutsche und europäische Software- und Dienstleistungsanbieter, warum bekomme ich keine Angebote, um nun von Google, Box, Dropbox, Amazon-Cloud etc. auf eure sicheren Leitungen, nur über VPN mit kryptografischer Codierung erreichbaren Speicher zu arbeiten und zu archivieren?«, schimpft Dr. Ulrich Kampffmeyer, Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Project Consult. »Ich bekomme auch keine Nachricht, wie man denn mit seinen Daten auch in Inhouse-, Extranet- und Cloud-Lösungen mit abgesicherter Kommunikation den internationalen Datenkraken entgeht.«

Amagno-Chef Jens Büscher wagt eine Antwort

Mit Jens Büscher, Geschäftsführer des ECM-Startups amagno, gibt zumindest ein Software-Unternehmen aus der ECM-/DMS-Szene eine Antwort. »Bereits 2010, zur Gründung von Amagno, war klar, dass die intimen Inhalte eines Unternehmens, die Wertschöpfung in Form von Dateien und Content, aus vielerlei Gründen nicht so schnell den Weg in die Cloud finden wird, wie es sich viele Analysten und Anbieter wünschen«, schreibt er in einem Blog. »Deshalb haben wir Amagno auf eine Doppelstrategie ausgerichtet: für die Cloud und die altbekannte lokale Datenhaltung im Unternehmen.«

Viele befreundete Kenner des Marktes hätten Büscher seinerzeit belächelt, dass man einerseits mit der »amagno«-Lösung eine native Applikation entwickle (ergänzend zum Web-Interface), und andererseits keinen exklusiven Fokus auf die Cloud habe. Und parallel, dass Amagno nicht auf bestehende Plattformen etablierter Lösungen, wie Microsoft-Sharepoint oder internationaler Cloud-Lösungen (Microsoft, Amazon, Google, etc), aufsetze.

Cloud-Markt muss für viele Jahre noch konsolidieren

Jens Büscher, CEO, Amagno
Jens Büscher, CEO, Amagno
»Hierbei vergessen diese (Kenner) oft, wie immens wichtig die Dateien für Unternehmen sind. Sie sind das sensibelste Medium, das niedergeschriebene Wissen der engagierten und klugen Mitarbeiter des Unternehmens«, meint Büscher. »Zur Verwaltung dieser Daten setzt man Dokumentenmanagement (DMS) und Enterprise-Content-Management-Systeme (ECM), wie Amagno, ein. Unternehmen vertrauen uns ihre Daten an. Dies ist eine besondere Verantwortung für uns als ECM-Anbieter.«

Büscher ging eigenen Angaben zufolge bereits 2010 davon aus, dass sich der Cloud-Markt für viele Jahre noch konsolidieren muss: »Insbesondere in Anbetracht der Sicherheitsmechanismen. Damals betrachtete ich nur sicherheitskritische Situationen, wie Wikileaks sowie Cyberangriffe auf Wirtschaftszentren, die ich weiterhin für eine große Bedrohung halte – gerade im Kontext der Cloud.«

Die Cloud muss ihr Vertrauen einmal mehr beweisen

Büscher will keine Angst schüren, sondern hält dies schlicht für eine realistische Möglichkeit: »Welche unglaublichen Entwicklungen sich für (oder eher gegen) die Sicherheit von Daten in der Cloud derzeit aufzeichnen, sind kaum zu fassen. Ebenso sollten wir davon ausgehen, dass es nicht nur die beiden genannten Überwachungssysteme gibt, sondern dass diese Systeme in vielen technologisch entwickelten Ländern verfügbar sind.«

Der Amagno-Chef geht zwar weiterhin davon aus, dass die Cloud die Zukunft der IT darstellt, denn alle Aspekte für Unternehmen sprächen langfristig dafür: »Skalierung, Kosten, Backup-Fähigkeit der Daten und vieles mehr. Aber das Vertrauen muss die Cloud einmal mehr beweisen.«

Sensible Unternehmensdateien sind nichts für die Cloud

In diesem Zusammenhang gibt Büscher Einblick in seine Umsatzzahlen, da sie seine Strategie von 2010 derzeit klar bestätigten: »99 Prozent unseres Umsatzes erreichen wir mit den Inhouse-Lösungen von Amagno. Eigentlich weniger als ein Prozent wird mit unserer Cloud-Strategie erwirtschaftet. Viele Themen sind für Unternehmen bereits jetzt problemlos ohne Ängste in der Cloud speicherbar, zum Beispiel Kundendaten im Rahmen von CRM-Lösungen. Aber die sensiblen Unternehmensdateien sind derzeit NICHT für eine Cloud-Speicherung vorgesehen.«

Büscher geht davon aus, dass insbesondere Mittelständler noch mindestens zehn Jahre benötigen, bis sich die Mehrheit dieser Unternehmen auf eine Cloud-Speicherung umstellt: »Abgesehen von der Tatsache, dass erst ca. zehn Prozent des Mittelstands ein DMS/ECM-System einsetzen.«

Einmalige wirtschaftliche Chance für Software-Lösungen »Made in Germany«

Auch in Anbetracht des Sicherheitsthemas gebe man sich bei Amagno sehr viel Mühe, die Sicherheit der Unternehmensdaten zu gewährleisten. So sei die Software annähernd vollständig hierzulande entwickelt. Dateien würden bereits auf dem Client verschlüsselt und anonymisiert. Dabei sei die verschlüsselte Kommunikation bereits ein Basisdienst (und nicht eine »Premiumlösung«). Pro Unternehmen gibt es eigene Sicherheitsschlüssel. Auch die Datenspeicherung für die Amagno-Cloud-Server erfolge verschlüsselt auf eigenen europäischen Servern (demnächst exklusiv in Deutschland).

»Es ist zu vermuten, dass Prism und Tempora nur die Spitze des Eisbergs darstellen«, mutmaßt Büscher. »Die Anbieter und der Cloud-Markt haben diese Phase und die nächsten Monate jetzt klug zu analysieren und für ECM/DMS-Strategien umzusetzen. Vielleicht ist dies auch eine wirtschaftliche Chance, Software-Lösungen ‚Made in Germany’ einen größeren Stellenwert zu geben, als jemals zuvor.«

. Kommentare (6)
10.07.2013 - marc.paczian

Die wichtige Frage von Herrn Dr. Kampffmeyer ist die, welche Alternativen die ECM-Branche anbietet, damit Mitarbeiter von Unternehmen nicht „gezwungen“ sind, Systeme wie Dropbox, Google, etc. zu nutzen. Hier gibt es aus meiner Sicht einen klaren Unterschied zwischen den o.a. Consumer-Produkten und echten Enterprise Lösungen. Genau diese bietet beispielsweise OpenText an – mit dem Produkt Tempo Box (www.opentext.com/2/global/products/products-document-management/products-opentext-tempo.htm) wird einfaches und sicheres Teilen und kollaboratives Bearbeiten von Dokumenten innerhalb der Unternehmens-Firewall realisiert – eine echte Enterprise Alternative zu Dropbox und Co. Das Produkt SecureIX Managed File Transfer (faxsolutions.opentext.com/secureix-secure-file-transfer.aspx) ermöglichen einen sicheren Datenaustausch über Punkt-zu-Punkt Verbindungen mit integrierter Verschlüsselung und Transfer-Beschleunigung und eignet sich daher besonders für große Dateien (z.B. Videos).

10.07.2013 - marc.paczian

Die wichtige Frage von Herrn Dr. Kampffmeyer ist die, welche Alternativen die ECM-Branche anbietet, damit Mitarbeiter von Unternehmen nicht „gezwungen“ sind, Systeme wie Dropbox, Google, etc. zu nutzen. Hier gibt es aus meiner Sicht einen klaren Unterschied zwischen den o.a. Consumer-Produkten und echten Enterprise Lösungen. Genau diese bietet beispielsweise OpenText an – mit dem Produkt Tempo Box (www.opentext.com/2/global/products/products-document-management/products-opentext-tempo.htm) wird einfaches und sicheres Teilen und kollaboratives Bearbeiten von Dokumenten innerhalb der Unternehmens-Firewall realisiert – eine echte Enterprise Alternative zu Dropbox und Co. Das Produkt SecureIX Managed File Transfer (faxsolutions.opentext.com/secureix-secure-file-transfer.aspx) ermöglichen einen sicheren Datenaustausch über Punkt-zu-Punkt Verbindungen mit integrierter Verschlüsselung und Transfer-Beschleunigung und eignet sich daher besonders für große Dateien (z.B. Videos).

04.07.2013 - UKampffmeyer

Bevor nun alle Diskussionen im allgemeinen Getöse um Snowden und das Nicht-Wissen von Politik und Geheimdienste untergehen, möchte ich noch einmal auf meine ursprüngliche Intension des Beitrages "Keine Reaktion der ECM-Branche zum NSA-Skandal: das Schweigen der Lämmer" zurückkommen. Zugegeben, ein etwas enger gefasstes und nur auf unsere Branche bezogenes Anliegen. Vielleicht war es von mir auch nicht hilfreich, die konkreten Fragen im Text ( bit.ly/ecm-schweigen ) zu "verstecken" (denn nur so erklärt sich, was denn hier öffentlich zitiert wurde und den Kern nicht traf). Daher ein neuer Anlauf mit konkreten Fragen an die EIM-Branche: bit.ly/20fragen

04.07.2013 - UKampffmeyer

Bevor nun alle Diskussionen im allgemeinen Getöse um Snowden und das Nicht-Wissen von Politik und Geheimdienste untergehen, möchte ich noch einmal auf meine ursprüngliche Intension des Beitrages "Keine Reaktion der ECM-Branche zum NSA-Skandal: das Schweigen der Lämmer" zurückkommen. Zugegeben, ein etwas enger gefasstes und nur auf unsere Branche bezogenes Anliegen. Vielleicht war es von mir auch nicht hilfreich, die konkreten Fragen im Text ( bit.ly/ecm-schweigen ) zu "verstecken" (denn nur so erklärt sich, was denn hier öffentlich zitiert wurde und den Kern nicht traf). Daher ein neuer Anlauf mit konkreten Fragen an die EIM-Branche: bit.ly/20fragen

02.07.2013 - UKampffmeyer

... also im Zusammenhang mit meinem ursprünglichen Beitrag sehen die Zitate im Artikel oben doch etwas anders aus ... :) bit.ly/ecm-schweigen
Ulrich Kampffmeyer
PROJECT CONSULT Unternehmensberatung GmbH
www.project-consult.com

02.07.2013 - UKampffmeyer

... also im Zusammenhang mit meinem ursprünglichen Beitrag sehen die Zitate im Artikel oben doch etwas anders aus ... :) bit.ly/ecm-schweigen
Ulrich Kampffmeyer
PROJECT CONSULT Unternehmensberatung GmbH
www.project-consult.com