25.04.2012 (eh) Drucken
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 drupa:  neue Perspektiven beim Produktionsdruck

  • neue Perspektiven beim Produktionsdruck
  • Drupa bleibt nach wie vor hoch bedeutsam
  • Höherer Bedarf an hochwertigen Broschüren und Unterlagen
  • Nach Print-to-Web kommt Web-to-Print
  • Konica Minolta zeigt fünfte Version von »Printgroove JT Web«
  • Gemeinsam stärker: Canon und Océ nach der Fusion
  • Mit Xerox schneller und günstiger drucken
  • Arrondierung: Heidelberger partnert mit Ricoh

Um sich auf dem wandelnden Markt für Digitaldruck behaupten zu können, präsentieren die Anbieter auf der »drupa 2012« ab nächster Woche weit mehr als nur Equipment. Mit zusätzlichen Dienstleistungen und passender Software möchten sie Anwender wie Druckdienstleister entlasten und fit machen für neue Geschäftsmodelle.

Von Claus Grassl, freier Journalist

»If you can dream it, we can print it«: Messemotto von Kyocera auf der Drupa 2012
»If you can dream it, we can print it«: Messemotto von Kyocera auf der Drupa 2012
Grundsolide Produkte allein genügen nicht mehr, wen man im knallharten Geschäft des professionellen Druckmaschinenmarktes bestehen möchte. Denn durch den Siegeszug des Web hat sich die Medienlandschaft fundamental gewandelt. Neben in Masse druckbaren Erzeugnissen wie Zeitungen und Zeitschriften gewinnen heute kleine Auflagen und stark individualisierte Produkte an Bedeutung.

Qualität und Preis bleiben sowohl für die Anbieter von Drucklösungen als auch für die Druckdienstleister selbst wichtige Faktoren. Doch andererseits – so war im Vorfeld der Düsseldorfer Fachmesse »drupa 2012« unisono von großen Anbietern wie Canon, Konica Minolta, Kyocera oder Xerox zu hören – gehe es darum, gemeinsam mit den Kunden neue Geschäftsfelder zu erschließen oder bestehendes Geschäft auszuweiten.

Drupa bleibt nach wie vor hoch bedeutsam

Dass die Druck- und Medienbranche der westlichen Industrieländer einen tief greifenden Wandel samt teilweise erheblichem Rückgang der Auflagen im Printbereich hinter sich hat, scheint der Drupa wenig zu schaden. Die nur alle vier Jahre in Düsseldorf stattfindende Fachmesse für alles, was mit Print zu tun hat, hält sich gut und verzeichnet nur einen vergleichsweise geringen Rückgang an Ausstellern und Messefläche.

Im Jahr 2008 waren es 1.953 Aussteller, für 2012 werden immerhin 1.850 Aussteller erwartet. Der relativ geringe Aussteller-Rückgang der nach wie vor bedeutendsten Leistungsschau der Druckindustrie erklärt sich dadurch, dass weiterhin sehr viel gedruckt wird – allerdings in anderen Bereichen.

Höherer Bedarf an hochwertigen Broschüren und Unterlagen

»Der Bedarf der Unternehmen, Materialien wie Broschüren und Trainingsunterlagen in hochwertiger Farbqualität intern auszudrucken, hat zugenommen, postuliert Uwe Götze, Direktor Marketing bei Kyocera Document Solutions Deutschland. Auf gleich fünf Themeninseln stellt das Unternehmen entsprechende Produkte aus. Schwerpunkt des Messeauftrittes von Kyocera sind Produkte und Lösungen für den Publishing-Bereich in Unternehmen, die dazu beitragen, Workflow und Prozesse zu automatisieren.

Der Strukturwandel war dem japanischen Drucker- und Kopiererhersteller sogar eine Umfirmierung wert. Seit April 2012 heißt Kyocera Mita weltweit Kyocera Document Solutions und betont beim Drupa-Auftritt das avisierte Hauptgeschäftsfeld Managed-Document-Services (MDS).

Nach Print-to-Web kommt Web-to-Print

Einerseits hat das Web den klassischen Printmedien das Wasser abgegraben. Ohne einen entsprechenden – zusätzlichen – Online-Auftritt geht für viele Zeitschriften heute gar nichts mehr. Andererseits entsteht aber aus dem Web heraus Bedarf an bedrucktem Papier. Und zwar zunehmend ein auf die Bedürfnisse des Kunden hin individualisierter Druck - nicht selten in kleiner und kleinster Auflage. Der Endkunde stellt sich dabei im Web genau das zusammen, was er als gedrucktes oder bedrucktes Exemplar haben möchte.

Das können beispielsweise individuell zusammengestellte Fotobücher, personalisierte Reiseführer, individualisierte Grußkarten und sogar Geschenkpapier sein. Mittels Digitaldruck ist die so genannte Mass-Customization (MC) mittlerweile eine interessante Option für die Druckbranche und deren Auftraggeber. Dies wird als weiterer Trend die Thementage der Drupa und die Stände der großen Aussteller prägen.

Konica Minolta zeigt fünfte Version von »Printgroove JT Web«

Der Workflow bei »Printgroove JT Web« (Bild: Konica Minolta)
Der Workflow bei »Printgroove JT Web« (Bild: Konica Minolta)
So setzt Konica Minolta nach eigenen Worten »auf einen kundenorientierten Ansatz als Kernstrategie«, und will professionell Druckanbieter den Wandel vom produkt- zum wertorientierten Verkauf erleichtern. Der Branchenriese möchte hierbei mit seiner Web-to-Print-Software behilflich sein und präsentiert auf der Messe die fünfte Version von »Printgroove JT Web«.

Die Software bietet die Möglichkeit, ein Internetportal für die webbasierende Auftragsannahme von Druckjobs einzurichten. Bedient wird das Ganze per Browser; spezielle Treiber auf dem PC sind nicht notwendig. Außerdem informiert Konica Minolta auf der drupa über Leistungsmerkmale des ersten Inkjet-Digitaldrucksystems KM1, welches gemeinsam mit Komori entwickelt wird. Zudem gewährt Konica Minolta einen Ausblick auf neue Digitaldrucksysteme, die im August 2012 auf den Markt gebracht werden sollen.

Gemeinsam stärker: Canon und Océ nach der Fusion

Der gemeinsame Messestand von Canon und Océ – inzwischen ein Unternehmen der Canon-Gruppe – will »Druckanbieter inspirieren, ihren Blickwinkel zu vergrößern und neue Chancen zu entdecken«. Der Messestand ist in vier Zonen gegliedert. Zunächst ein Bereich, der sich auf Wachstumsfelder wie Cross-Media und Fotodruck konzentriert. Die zweite Zone ist für Hausdruckereien konzipiert, und eine dritte für Druckdienstleister und Akzidenzdruckereien.

Interessant für alle, die das Maximum aus Digitaldrucksystemen von Canon und Océ herausholen wollen, ist die vierte Zone, in der das Unternehmen seine so genannten »Mehrwertdienstleistungen« vorstellt. Unter anderem Trainings und Workshops sowie strukturierte Beratung rund um den Druckbetrieb. Dies umfasst auch praktische Unterstützung in Bereichen wie der Entwicklung von Businessplänen, der Suche nach neuen Vertriebskanälen, der Bewältigung interner Finanzfragen oder Personalführung.

Mit Xerox schneller und günstiger drucken

Xerox legt einen Schwerpunkt des Messeauftrittes auf Profitabilität der Druckindustrie. Hierzu fährt das US-Unternehmen das gesamte Angebot an digitalen Produktionsdrucksystemen auf. Am Stand zu sehen ist unter anderem das Einstiegsmodell in den Produktionsdruck, der »Xerox Colour 550/560«. Außerdem können Messebesucher erfahren, wie sie Digital- und Offsetdruck kombinieren und so hybride Druckaufträge erstellen können. Und natürlich geht es auch bei Xerox um Workflow-Lösungen, mit denen sich komplexe Druckvorgänge optimieren und sogar automatisieren lassen.

Anhand von Kundenberichten will der Anbieter aus den USA veranschaulichen, wie das Geschäft in konkreten Fällen profitiert. Jeffrey Jacobson, der neue Präsident der Xerox Global Graphic Communications streicht im Vorfeld der Messe heraus: »Xerox konzentriert sich auf der Drupa 2012 auf die Unterstützung der Druckdienstleister und hilft ihnen dabei, von der Wachstumsmaschine Digitaldruck zu profitieren.« Xerox biete dafür ein umfassendes Paket aus Hardware, Software und Beratungsleistungen.

Arrondierung: Heidelberger partnert mit Ricoh

Da die Druckprozesse immer anspruchsvoller werden, erweitern die Anbieter zunehmend ihr Portfolio. Entweder indem sie zukaufen oder Joint-Ventures eingehen, um Lücken zu schließen. Beispielsweise partnert Heidelberger Druckmaschinen mit Ricoh und vertreibt ab der Drupa deren Digitaldrucksystem für den Druck kleiner Auflagen unter dem Namen »Linoprint C 901«.

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