27.07.2011 (eh) Drucken
(2.4 von 5, 5 Bewertungen)

Im Interview: Anydoc Software

Der Trend zur zunehmenden Digitalisierung war schon immer eine Herausforderung in Postbearbeitungsabteilungen. Nun kommt eine neue hinzu: De-Mail und E-Postbrief wurden jüngst rechtlich verabschiedet, die ersten Anbieter werfen die Marketingmaschinerie dafür an.
ECMguide.de sprach mit Daniel Izsak, General Manager EMEA bei Anydoc Software, über die neue E-Mail- bzw. Online-Briefgeneration und weitere Trends im Bereich Postbearbeitungslösungen.

Was bewegt den Markt für Postbearbeitungslösungen derzeit am meisten? Neuerungen bei klassischen Lösungen, oder der Hype rund um den kommenden elektronischen Briefverkehr wie De-Mail oder E-Postbrief?

Daniel Izsak

Izsak: Wir sehen gegenwärtig mehrere Faktoren. Einerseits sehen immer mehr Entscheidungsträger, dass sich der Digitale Posteingang als idealer Einstieg für ein professionelles Business-Process-Management (BPM) darbietet, da die elektronische Verteilung der Eingangspost die Mitarbeiter dazu bewegt, papierlos zu arbeiten, und andererseits das Bedürfnis die unterschiedlichen Eingangspunkte wie zum Beispiel konventionelle Briefpost, E-Mails, Telefax, FTP-Transfer etc. in einen einheitlichen Verarbeitungsprozess zu integrieren.

Glauben Sie, dass sich elektronischen Briefverkehr wie De-Mail oder E-Postbrief breitflächig durchsetzt? Immerhin muss sich ein potenzieller Kunde erst mal registrieren, was bei der normalen Papierpost nicht notwendig ist…..

Izsak: Alles Neue braucht seine Zeit. Ich zweifle nicht im Geringsten daran, dass sich die digitalen Plattformen durchsetzen werden.

Geht es also der normalen Briefpost an den Kragen, oder nicht?

Izsak: Wir haben bereits beim Aufkommen von E-Mail eine drastische Veränderung des Kommunikationsverhaltens erfahren – und trotzdem gibt es die »klassische« Post immer noch. Ich könnte mir gut vorstellen, dass das Volumen in der klassischen Post weiter abnehmen wird, aber dass sie ganz verschwindet, denke ich nicht. Die zunehmende Mobilität der Gesellschaft und die Möglichkeiten, mobil zu kommunizieren, werden es der Briefpost sicher nicht leichter machen.

Es wird wohl auf hybride Postsysteme hinauslaufen. Heißt: Am PC einen Brief schreiben und ihn auf Knopfdruck an eine zentrale Stelle senden, die sich dann um Druck und Versand kümmert. Könnte dies die Lösung bei modernen Postbearbeitungslösungen sein?

Izsak: Das ist sicher eine von mehreren möglichen Varianten und mag für gewisse Anwendungen eine echte Erleichterung sein. Ich denke, dass sich besonders Unternehmen und Behörden vermehrt Gedanken darüber machen, wie geschäftskritische, kostenintensive oder zeitaufwendige Prozesse erweitert werden können, um aussenstehende Prozessteilnehmer aktiv in die Prozess zu integrieren. Gelingt dies, wird das Medium Papier sicher an Bedeutung verlieren.

Werfen wir jetzt einen Blick auf Rechnungseingangslösungen. Hier soll es erhebliche Einsparpotenziale geben. Wie weit haben sich solche Lösungen schon durchgesetzt?

Izsak: Das Einsparungspotenzial ist in der Tat beträchtlich. Inwieweit dies auch realisierbar und für das jeweilige Unternehmen auch sinnvoll ist, steht jedoch auf einem anderen Blatt geschrieben. Oftmals ist es doch so, dass die Kosteneinsparungen beim Rechnungsempfänger höher als beim Rechnungssteller sind. Es braucht jedoch die Mitwirkung beider Parteien. Ich denke, dass eine parallele Verarbeitung von Digitalen- und Papier-Rechnungen noch lange die Realität darstellen wird.

Wagen Sie einen Ausblick, sagen wir zwei bis drei Jahre. Auf welche Trends sollen sich unsere Leser im Postbearbeitungs-Segment dann einstellen?

Izsak: Die Trennung der Medien (Papier, Digital) wird zunehmend verschwinden. Organisationen werden versuchen, Dokumente und speziell die darin enthaltene Informationen durch standardisierte Prozesse zu verarbeiten und dies unabhängig der Quelle oder des verwendeten Transportmediums. Der Posteingang wird zum Logistikzentrum für Informationen, und Geschäftsprozesse werden vermehrt automatisiert angestoßen.

.