27.07.2011 (eh) Drucken
(2.8 von 5, 5 Bewertungen)

Im Interview: Reg-Email

Der Trend zur zunehmenden Digitalisierung war schon immer eine Herausforderung in Postbearbeitungsabteilungen. Nun kommt eine neue hinzu: De-Mail und E-Postbrief wurden jüngst rechtlich verabschiedet, die ersten Anbieter werfen die Marketingmaschinerie dafür an.
ECMguide.de sprach mit Hans-Peter Bauer, Geschäftsführer für Marketing und Sales bei Reg-Email, über die neue E-Mail- bzw. Online-Briefgeneration und weitere Trends im Bereich Postbearbeitungslösungen.

Was bewegt den Markt für Postbearbeitungslösungen derzeit am meisten? Neuerungen bei klassischen Lösungen, oder der Hype rund um den kommenden elektronischen Briefverkehr wie De-Mail oder E-Postbrief?

Hans-Peter Bauer

Bauer: Der rasante Anstieg des elektronischen Briefverkehrs ist wohl der Trend der letzten sowie der kommenden Jahre. iPad, Tablet-PC und Smartphone bringen die Kommunikation an jeden Ort. Zudem prägen eBook, eBanking und Social-Networks das private und geschäftliche Miteinander und erzwingen quasi die papierlose Kommunikation. Außerdem sprechen auch Portoaufwand und Laufzeiten gegen den klassischen Postversand und damit gegen papierbasierte Lösungen. Dieser Entwicklung tragen moderne Postbearbeitungslösungen Rechnung, die quasi schon standardmäßig E-Mails nebst Anhängen verarbeiten und in Dokumenten-Workflows sowie Folgesysteme einspeisen können.

Glauben Sie, dass sich der elektronische Briefverkehr wie De-Mail oder E-Postbrief breitflächig durchsetzt? Immerhin muss sich ein potenzieller Kunde erst mal registrieren, was bei der normalen Papierpost nicht notwendig ist…

Bauer: Da sich mithilfe des elektronischen Briefverkehrs nicht nur Zeit und Geld einsparen, sondern auch die Sicherheit der Zustellung verbessern und eine bisher nicht vorhandene Revisionssicherheit herstellen lässt, wird sich diese Versandart zweifellos flächendeckend durchsetzen. Allerdings haben nationale »Insellösungen«, die mit erheblichen formalen Hürden und vergleichsweise hohen Kosten aufwarten, bis man auch nur eine Mail versenden kann, im Markt wohl keine große Chance. Hier bedarf es anwenderfreundlicher und kostengünstiger Lösungen, die barrierefrei und sicher genutzt werden können.

Wird nicht die elektronische Signatur beim Online-Brief überflüssig? Eigentlich besteht keine Notwendigkeit mehr für eine elektronische Signatur…

Bauer: Die elektronische Signatur beim Online-Brief ist in der Tat spätestens seit der letzten Entscheidung des Bundesrats in dieser Angelegenheit hinfällig. Ohnehin war sie besonders für kleine und mittlere Unternehmen oft zu kompliziert und aufwändig. Der elektronische Rechnungsversand mittels digitalem Einschreiben, das die absolute Manipulationssicherheit sämtlicher Inhalte und Anhänge garantiert und gleichzeitig den Versender identifiziert – was im übrigen auch von den Finanzbehörden jederzeit und rasch nachgeprüft werden kann –, ist hier eher das Mittel der Wahl.

Für welche Anwendergruppe ist der Online-Brief am interessantesten? Doch wohl eher für Unternehmen und Behörden, der normale Bürger dürfte sehr selten davon profitieren…

Bauer: Am interessantesten ist der Online-Brief, jedenfalls in seiner Form als digitales Einschreiben, sicher für Massenversender im B2B-Bereich. Vor allem stellen wir wachsendes Interesse an unserem Service bei Versendern aus den Bereichen Finanz- und Versicherungswesen sowie Steuerberatung und Forderungsmanagement/Inkasso, aber auch bei regionalen Carriern fest. Generell profitieren all die Unternehmen und Dienstleister, die kostengünstig und barrierefrei größere Mengen an Mails verschicken wollen, und für die manipulationssichere Zustellung des Dokuments eine gerichtsverwertbare Eingangsbestätigung benötigen, oder auch nur sicher wissen wollen, dass die E-Mail ihr Ziel erreicht hat.

Geht es also der normalen Briefpost an den Kragen, oder nicht?

Bauer: Die normale Briefpost wird weiterhin eine Weile Bestand haben, allerdings wird sie sich zunehmend immer mehr auf den privaten Bereich konzentrieren und dann mit dem weiteren Aufkommen der internetaffinen Generationen nach und nach verschwinden. Der geschäftliche Briefverkehr ist sowieso längst schneller, günstiger und sicherer digital zu bewältigen.

Es wird wohl auf hybride Postsysteme hinauslaufen. Heißt: Am PC einen Brief schreiben und ihn auf Knopfdruck an eine zentrale Stelle senden, die sich dann um Druck und Versand kümmert. Könnte dies die Lösung bei modernen Postbearbeitungslösungen sein?

Bauer: Dieses vor allem vom E-Postbrief verfolgte Verfahren hat seine Berechtigung, wenn der Empfänger über keinen eigenen E-Mail-Account verfügt, aber auch nur dann. Ansonsten ist diese Lösung nichts Halbes und nichts Ganzes, und unserer Meinung nach nicht geeignet für eine moderne, zukunftsorientierte Postbearbeitung. Denn von der erwartet man heute, dass auch die Rückantworten gematcht – also automatisch zugeordnet werden, konventionelle Papierpost kann das nicht.

Werfen wir jetzt einen Blick auf Rechnungseingangslösungen. Hier soll es erhebliche Einsparpotenziale geben. Wie weit haben sich solche Lösungen schon durchgesetzt?

Bauer: Elektronische Rechnungen wurden bisher in der Regel als PDF versandt und mit einer digitalen Signatur versehen, was einen erheblicher Zusatzaufwand für den Versender bedeutet und für den Empfänger oft schwer zu prüfen ist. Zudem sind PDF-Dokumente beim Empfänger oft nicht beliebig integrierbar. Eine Rechnung – gleich welchen Formats – über den Transportweg automatisch manipulationssicher zu machen, erleichtert sowohl den Versand, als auch den Integrationsprozess beim Empfänger.

Wagen Sie einen Ausblick, sagen wir zwei bis drei Jahre. Auf welche Trends sollen sich unsere Leser im Postbearbeitungs-Segment dann einstellen?

Bauer: Die E-Mail-Adresse wird als unverwechselbares Kennzeichen für CRM-Systeme zunehmend an Bedeutung gewinnen.

. Kommentar schreiben