26.11.2009 (ubr) Drucken
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Sharepoint: Markt und Entwicklung

  • Sharepoint: Markt und Entwicklung
  • Lücken nicht nur durch Drittanbieter füllen
  • Mehr als nur ECM
  • Mehr können mit Sharepoint 2010

Mit »SharePoint 2010« will Microsoft einige Lücken der Vorgängerversion füllen und dem Anwender ein umfassendes Arbeitsinstrument bieten. Revisionssichere Archivierung, Aktenbearbeitung, Web-Integration und ECM-Funktionen sind nur einige Dinge, bei denen nachgebessert wird. Da erst 2010 verfügbar, hier ein Statusbericht zur derzeitigen Sharepoint-Lage.

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Bild: Microsoft
Sharepoint scheint im Markt angekommen. Zahlreiche Unternehmen haben bereits die Plattform für Zusammenarbeit und den Austausch sowie die Verwaltung von unternehmensweiten Informationen im Einsatz. Trotzdem ist die Wahrnehmung einiger Anwender noch immer nicht die, die Hersteller Microsoft beim Kunden gern sehen möchte. Oft schafft der Marketingrummel noch Verwirrung in der Image-Frage beim Kunden.

»Der Medien- und Marketingtrubel um Sharepoint erzeugt eine hohe Erwartungshaltung bei den Interessenten«, sagt Jens Büscher, Geschäftsführer von DocuPortal. »Das Produkt wird in vielen Fällen als einfache und schnell verfügbare, umfassende ECM-Lösung angepriesen. Die suggerierten Eigenschaften werden oft nicht eingehalten; stattdessen bedarf es einer aufwendigen Installation, Individualentwicklungen und des Einsatzes von Fremdprodukten, um die zahlreichen Ansprüche einer Unternehmensunterstützung gegen Organisations- und Informationsdefizite zu erfüllen.«

Sharepoint ist eben keine ECM-Lösung. Der ECM-Anteil innerhalb der Software liegt bei unter zehn Prozent. Nichtsdestotrotz hat sich Sharepoint bereits eine breite Basis geschaffen, die schrittweise mit dem Funktionsumfang mitwächst. »Der Sharepoint-Server ist im Großkundensegment angekommen und erreicht jetzt auch immer mehr den Mittelstand«, meint auch Andreas Schulz, Leiter internationales Produktmanagement bei ELO Digital Office. »In der Regel kennen die Unternehmen das Einsatzspektrum von Sharepoint. Die Herausforderung ist dabei sicherlich dessen hohe Funktionalität. Daher ist er eher als Basistechnologie zu sehen, auf der individuelle Lösungen aufgebaut werden können.«

Generell sind sich Anbieter und Partner einig, dass Sharepoint enorm an Marktakzeptanz und -präsenz gewonnen hat. Mit der ab 2010 verfügbaren neuen Version wird dem wohl weiter Vorschub gegeben.

Lücken nicht nur durch Drittanbieter füllen

Die derzeit gültige Sharepoint-Generation konnte einige Anforderungen nicht bedienen. Hier mussten Funktionen und Leistungen von Drittanbietern greifen. Microsoft hat nun ein wenig Abhilfe geschaffen. Laut Aussage von Peter Fischer, Product Manager SharePoint & Enterprise Search bei Microsoft, ist es nun möglich Daten aus Sharepoint revisionssicher auf entsprechende Storage-Appliances auszulagern. Ebenso wurde bei der Aktenverarbeitung und ECM-Funktionen nachgebessert. Trotzdem werden die Dienste der Partner nicht obsolet. Viele branchenspezifische Ansprüche brauchen auch weiterhin Zusatzmodule.

»Viele der Defizite, zum Beispiel im Content-Management oder der Suche, lassen sich durch zahlreiche frei verfügbare Erweiterungen bzw. durch kommerzielle Produkte von Drittanbietern ausgleichen«, sagt Matthias Einig, Senior SharePoint Consultant bei Steria Mummert Consulting. »Funktionen zur Integration von Line-of-Business-Daten sind mit dem »Business Data Catalog« (BDC) derzeit nur eingeschränkt (lesend) verfügbar. Hier müssen häufig maßgeschneiderte Lösungen entwickelt werden. Microsoft hat jedoch nachgebessert und schließt im nächsten Jahr mit den »Business Connectivity Services« (BCS) in Sharepoint 2010 diese Lücke. Auch Richtung Records-Management und Postkorbsteuerung wird es entscheidende Verbesserungen geben. Ob jedoch in Zukunft auf den Einsatz von Drittprodukten verzichtet werden kann, muss sich mit der endgültigen Version noch zeigen.«

»In den meisten Fällen lässt sich mit den Kernfunktionen von Sharepoint von der Verwaltung informeller Inhalte bis zur Förderung von Zusammenarbeit und dem Auffinden von Informationen eine fast vollständige Abdeckung der Anforderungen erreichen«, erklärt Luca Piras, SharePoint-Spezialist und Senior-Consultant bei it-function. »Fähigkeiten von Sharepoint-Spezialisten sind dann gefragt, wenn es um die Verbindung spezieller IT-Lösungen eines Kunden mit Sharepoint geht. Beispiele dafür sind Zulassungsverfahren in der Pharmaindustrie oder Genehmigungsverfahren in der Luftfahrtindustrie mit elektronischen Signaturen und anschließender rechtssicherer Archivierung.«

Lücken werden eben erst dann auffällig, wenn es um bestimmte Umgebungen und entsprechende Anforderungen geht. »Ob und wo sich Lücken ergeben, hängt von den Anforderungen ab«, meint Rainer Weissert, Leiter des Competence Center Business Collaboration des VOI-Verband Organisations- und Informationssysteme e.V. »Viele Unternehmen arbeiten mit den Sharepoint-Standard-Themes/Benutzeroberflächen, andere verwenden individuell abgestimmte Web-Oberflächen. Es gibt diverse Anbieter von Sharepoint-Webparts – das sind Steuerelemente zum Erstellen von Websites –, die gezielt Funktionalitäten für zum Beispiel Site-Navigations-, Datums- oder Berechnungsfunktionen zur Verfügung stellen. Workflow-Lösungen mit grafischen Benutzeroberflächen oder in Sharepoint integrierte Archivierungslösungen sind ebenfalls erhältlich.«

Fest steht, Microsoft lernt in diesen Segmenten auch eigene Module zu bieten, alles wird der Software-Riese sicher nie abdecken können. Aber Sharepoint möchte sich auch eher als umfassende Arbeitsbasis bzw. IT-Plattform sehen, die in Verbindung mit anderen Komponenten zur individuellen und optimalen Unternehmenslösung heranwächst.

Mehr als nur ECM

Fischer sieht auf dem deutschen Markt das größte Manko, dass Sharepoint oft als ECM-Lösung angesehen wird. Dabei soll Sharepoint gerade durch die Web-Integration, die zahllosen Kombinationsoptionen mit »Office«-Produkten und die gemeinsame Zusammenarbeit verschiedener Kollegen an einem Dokument zeigen, dass es mehr als nur ECM kann. Im Gegenteil, die Kernfunktionen fokussierten immer auf die Themen Kollaboration, Web-Fähigkeit und flexible Funktionsauswahl.

»Sharepoint gilt als  d a s  Werkzeug für ein effektives Collaboration-Management«, sagt Schulz. »Es ist als Webanwendung konzipiert und positioniert sich als zentrale integrierte IT-Plattform für Intranet-, Extranet- und Internetanwendungen. Die Verzahnung mit der Microsoft Office-Suite macht das Produkt vor allem für Microsoft-Anwender sehr attraktiv.«

Oft sorgt die Fehleinschätzung der Leistungsfähigkeit dazu, dass Anwender ihre Möglichkeiten nicht voll ausnutzen. »Das Potenzial von Sharepoint wird nicht wirklich ausgenutzt und liegt brach«, erläutert Bernd Hennicke, Portfolio Manager Microsoft Solutions Group bei Open Text. »Wenn man eine solch zentrale Plattform hat, dann sollte dies nicht nur als »File Share 2.0« genutzt werden. Dafür sind die mit Sharepoint verbundenen Kosten auch zu hoch.« »Sharepoint ist eine solide Kollaborationsplattform«, bestätigt Alexander Zirl, Business Unit Manager ECSpand Professional Services bei d.velop. »Im ECM-Markt ist Sharepoint noch nicht 100prozentig angekommen – dazu fehlt es an der einen oder anderen Stelle noch an der kritischen Funktionalität.«

Bei ECM-Funktionen besteht eher Nachholbedarf, was der Hersteller mit Version 2010 einlösen will. Statt ECM versteht sich Sharepoint als Dreh- und Angelpunkt von Geschäftskommunikation und Inhaltsaustausch. »Kollaborieren und Publizieren sind die Paradedisziplinen von Sharepoint«, betont Einig. »Bei der Integration in die Microsoft-Office-Welt kann bisher kein Konkurrent Microsoft das Wasser reichen. Das Produkt bietet vor allem bei der Abbildung von Redaktionsprozessen eine Schlüsselfunktion, die vor allem bei großen, dezentral gepflegten Kommunikationsplattformen sowohl eine unternehmensweite Standardisierung als auch die nötige Flexibilität bietet.«

Mehr können mit Sharepoint 2010

Mit der jetzt in der Betaversion verfügbaren Sharepoint-2010-Generation will sich Microsoft erneut das Image als zentrale IT-Plattform sichern, die allerdings funktional gewachsen ist. Mehr Flexibilität, mehr Integration, mehr ECM und noch mehr übergreifende Dienste sollen dann innerhalb eines Unternehmens möglich sein. Gerade ECM ist immer noch ein wichtiges Thema.

»Natürlich wurde auch im Bereich des Enterprise-Content-Managements die Funktionalität verbessert«, bekräftigt Microsoft-Manager Fischer. »Dieses Thema ist im deutschen Markt stärker ausgeprägt als in anderen Ländern. Wir haben dem Rechnung getragen und zum Beispiel die Funktion der ›document sets‹ eingeführt. Dabei soll gerade bei öffentlichen Stellen die Aktenverwaltung und -bearbeitung effizienter und einfacher werden. Weitere Verbesserungen im ECM-Bereich sind unter anderem hierarchische Taxonomien, Dokumenten-IDs, Schnittstelle zur Langfrist-Ablage oder CMIS.«

»Neue bzw. erweiterte Funktionalitäten sind unter anderem die Offline-Funktionalität ›Workspace‹ und die Benutzeroberflächen mit kontextabhängigen Ribbons«, sagt VOI-Vertreter Weissert. »Auch die einfacheren Möglichkeiten, Sharepoint-Websites zu editieren und zu gestalten, die Browserunterstützung für Firefox und Safari und die einfachere Anbindung von Sharepoint an andere Business-Applikationen, Webservices und Datenbanken sind neu. Damit will Microsoft den Weg zur zentralen ECM-Plattform weitergehen.«

Im Allgemeinen sehen Anbieter die Marktakzeptanz durch die neue Version wachsen. Da ECM und neue Arbeitsformen immer mehr zum Thema in Unternehmen werden, rückt auch Sharepoint immer wieder in den Fokus der Firmen. »Die Bedeutung von Sharepoint im Unternehmenskontext wird zunehmen«, meint auch Steffen Jakob, Bereichsleiter Microsoft Technologien bei Adesso. »Während Sharepoint heute häufig ein abteilungsspezifisches Werkzeug ist, wird es zukünftig vermehrt als unternehmenskritische Portalplattform genutzt werden, die eine Vielzahl von Anwendungen integriert.«

»Sharepoint 2010 ist eine hochskalierbare Plattform, um Informationen im Intranet und Internet intelligent und rechtssicher zu erstellen, zu verwalten und zu publizieren«, betont Oliver Kießlich, Managing Consultant, PlanB. »Die neue Lösung ermöglicht modernes gemeinsames Arbeiten über die klassischen Grenzen eines Unternehmens hinaus. Microsoft stellt dem ›Information Worker‹ mit Sharepoint 2010 ein Arbeitsmittel zur Verfügung, das die Produktivität jedes Einzelnen erhöht und so enorme Produktivitätssteigerungen für das Gesamtunternehmen generiert. Wir sind der vollen Überzeugung, dass die Erfolgsgeschichte von Sharepoint mit der neuen Version mit größter Intensität fortgeschrieben wird.«

Mit Sharepoint 2010 will Microsoft verdeutlichen, dass sie in der Lage sind, sich auf neue Arbeitswelten einzustellen und somit neue Anforderungen zu erfüllen. Dazu gehören neue und vielfältige Kommunikationsmöglichkeiten, Einbindung von Mitarbeitern unabhängig vom Standort und schnelle Verteilung von Inhalten an die notwendigen Stellen, im Zweifel auch unternehmensweit. Microsoft möchte hier zum Alleinanbieter einer umfassenden IT-Plattform werden, dem sich andere nur noch in Modulform anschließen können. Es steht abzuwarten, wie weit Version 2010 diese Erwartungen umsetzen kann.