08.08.2017 (as) Drucken
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Fahndungserfolg bei gefälschten Kyocera Tonerkartuschen

  • Inhalt dieses Artikels
  • Leere Tonerkartuschen wurden in Deutschland, China und Dubai aufgefüllt
  • Die Schadenssumme bewegt sich vermutlich im zweistelligen Millionenbereich

Sichergestellte gefälschte Tonerkartuschen, die bereits verkaufsfertig waren (Bild: Zollfahndungsamt Frankfurt am Main)Beamte des Zollfahndungsamts Frankfurt am Main haben vergangene Woche 24 Wohn- und Geschäftsräume im Rhein-Main-Gebiet und vier in Nordrhein-Westfalen durchsucht. In den Niederlanden fanden parallele Durchsuchungsmaßnahmen in einer Firma durch die dortigen Behörden statt. Die drei Hauptbeschuldigten wurden mit Haftbefehl festgenommen. Die Ermittlungen richten sich gegen eine deutsch-iranische Tätergruppierung, die im Verdacht steht, Markenprodukte der Firma Kyocera im großen Stil gefälscht und anschließend verkauft zu haben. Die Fahnder stellten gefälschte Tonerkartuschen im Wert von etwa 10 Millionen Euro und umfangreiche schriftliche und elektronische Beweismittel sicher. Im Rahmen der Vermögensabschöpfung wurden 106.140 Euro Bargeld sowie Gold und Wertgegenstände im Wert von etwa 40.000 Euro gesichert, zudem eine Pfändung in Höhe von 50.000 Euro durchgeführt.

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Leere Tonerkartuschen wurden in Deutschland, China und Dubai aufgefüllt

Veränderte Chip Konfigurationen (Bild: Zollfahnungsamt Frankfurt am Main)Im Fokus der Ermittler stehen insgesamt 24 Beschuldigte mit deutscher, niederländischer, türkischer und iranischer Staatsangehörigkeit (23 Männer im Alter von 29 bis 72 Jahren und eine 33-jährige Frau). Einer der Festgenommenen besitzt die deutsche und griechische Staatsangehörigkeit und stammt aus Groß-Umstadt (34), die beiden anderen festgenommenen Deutsch-Iraner im Alter von 52 und 48 Jahren haben keinen festen Wohnsitz in Deutschland. Sie sollen dafür verantwortlich sein, leere Tonerkartuschen in Europa angekauft zu haben, um diese einerseits nach China und Dubai auszuführen und anschließend die dort befüllten Tonerkartuschen wieder nach Deutschland einzuführen; andererseits befüllten sie einen Teil der Tonerkartuschen in einer Produktionsstätte in Frankfurt am Main sowie in der Vergangenheit offensichtlich auch in Dieburg. Der Vertrieb der vermeintlich neuen »original Kyocera Tonerkartuschen« erfolgte über ein Firmengeflecht in Deutschland und den Niederlanden. Im Gegenzug flossen Gelder zurück und landeten letztendlich auf Konten der Tätergruppierung in Dubai.

Die Schadenssumme bewegt sich vermutlich im zweistelligen Millionenbereich

Ein Teil der Lagerhalle mit gefälschten Tonerkartuschen (Bild: Zollfahndungsamt Frankfurt am Main)»Zum gegenwärtigen Zeitpunkt ist die Schadenssumme schwer zu beziffern, wir gehen allerdings von einem Betrag im zweistelligen Millionenbereich aus«, sagt Hans-Jürgen Schmidt, Sprecher des Zollfahndungsamt Frankfurt am Main. »Auf uns kommt nun viel Arbeit zu, die sichergestellten digitalen Medien und schriftlichen Aufzeichnungen müssen aufbereitet und anschließend ausgewertet werden, das wird einige Zeit in Anspruch nehmen«, so Schmidt weiter.

Für den Abtransport von 180 Paletten und drei 20-Fuß-Container mit u.a. gefälschten Tonerkartuschen waren ein Sattelzug und ein 7,5 Tonner einer Spedition sowie sechs Lkw des THW erforderlich, die insgesamt gut zwei Dutzend Ladungen transportierten. Die letzte Palette wurde am Mittwochabend gegen 22 Uhr entladen.

An dem Einsatz waren mehr als 200 Beamte von Zoll, Landeskriminalamt, Staatsanwaltschaft und dem THW beteiligt sowie Sachverständige der Firma Kyocera.

Kyocera freut sich laut Aussagen eines Sprechers über den Fahndungserfolg. Jedoch dürfe das Unternehmen aufgrund des schwebenden Verfahrens zum jetzigen Zeitpunkt keine weiteren Stellungnahmen abgeben.