07.09.2006 (eh) Drucken

Komfort und Sicherheit sind wichtiger als Datenschutz

84 Prozent aller Europäer wären bereit, sich bei Auslandsreisen Fingerabdrücke abnehmen oder einen Netzhaut-Scan durchführen zu lassen, um eine schnellere und komfortablere Abwicklung bei den Kontrollen zu gewährleisten. In Deutschland befürworten mit 80 Prozent beinahe genauso viele Befragte diese biometrischen Sicherheitsvorkehrungen.


Darüber hinaus sind 88 Prozent aller Studienteilnehmer der Meinung, dass biometrische Technologien das Risiko eines Identitätsdiebstahls erheblich mindern. 85 Prozent sind sogar überzeugt, dass damit Betrugsversuche im Finanzbereich reduziert werden können. So auch 85 Prozent der Deutschen, die eine Kreditkarte mit Fingerabdruck für sicherer halten als die gängige Chip-Karte mit PIN. Zu diesen Ergebnissen kommt die neue e-Identity-Studie von dem unabhängigen Marktforschungsinstitut Vanson Bourne im Auftrag des globalen IT-Dienstleisters LogicaCMG.

Im April 2006 wurden dafür jeweils 500 Einwohner in Großbritannien, den Niederlanden, Frankreich, Deutschland, Spanien, Portugal und Tschechien befragt. Die Ergebnisse zeigen, dass Komfort und Sicherheit auf Reisen sowie bei der Abwicklung von Finanztransaktionen für viele Europäer wichtiger sind als vermeintliche Datenschutzprobleme.

Verhielten sich die Europäer im Gegensatz zu den Amerikanern in der Vergangenheit eher zögerlich gegenüber biometrischen Technologien, so ist jetzt eine deutlich zunehmende Akzeptanz der Bevölkerung festzustellen. Verbraucher in Europa sind inzwischen von der Genauigkeit und der Zuverlässigkeit der Lösungen überzeugt und sehen für ihren Alltag, beispielsweise bei Auslandsreisen, Finanztransaktionen oder beim Kontakt zu öffentlichen Behörden, deutliche Vorteile durch den Einsatz biometrischer Lösungen. Der Meinungsumschwung lässt sich durch erfolgreiche Pilotprojekte und erste Installationen biometrischer Anwendungen in ganz Europa erklären.

Die Trendwende ist in allen an der Umfrage beteiligten Länder zu beobachten: Fast zwei Drittel der befragten Europäer würden beispielsweise ihren Finanzserviceanbieter wechseln, wenn sie dazu lediglich eine biometrische Karte zur Identifizierung nutzen könnten und keine Formulare oder Papiere ausfüllen müssten. Deutschland liegt mit 64 Prozent dabei voll im europäischen Durchschnitt.

71 Prozent aller befragten Europäer würden sich zudem durch die Verwendung eines Ausweises mit Fingerabdruck oder anderer biometrischen Daten bei der Zahlung von Waren und Dienstleistungen im Ausland sicherer fühlen. Diese Studienergebnisse lassen anstehende Veränderungen bei den eingesetzten Technologien in der Finanzbranche und im Einzelhandel erahnen.

Generell sind den Europäern die Vorteile biometrischer Technologien in Bezug auf Sicherheit und Komfort bewusst. Die e-Identity-Studie legt jedoch auch offen, dass sich die verschiedenen Länder in unterschiedlichen Akzeptanzphasen in Sachen Biometrie befinden. Beispielsweise führt Frankreich mit mehr als 92 Prozent bei der Akzeptanz der biometrischen Datenerfassung (Fingerabdruck- und Netzhauterkennung) für Reisen. Im Vergleich dazu sehen nur 67 Prozent der Tschechen diese neue Technologie als vorteilhaft an.

Bei der Bezahlung von Waren und Dienstleistungen im Ausland setzt sich Portugal eindeutig an die Spitze im europäischen Vergleich. Die Mehrheit der Befragten (85 Prozent) ist dort der Meinung, dass der Einsatz biometrischer Anwendungen die Kartenzahlung erheblich sicherer macht.

Dieser Meinung waren auch 76 Prozent der befragten Deutschen und befürworteten daher bei Finanztransaktionen die Verwendung eines Fingerabdrucks auf dem Ausweis. Dagegen sind lediglich 46 Prozent der niederländischen Verbraucher der gleichen überzeugung. Diese Ergebnisse verdeutlichen, dass den verschiedenen Einsatzbereichen biometrischer Anwendungen unterschiedliche Gewichtungen in den einzelnen Ländern zugeteilt werden.

Aktuell stoßen die Integration biometrischer Lösungen in Transportinfrastrukturen und Identifikationssysteme für Finanzdienstleistungen auf große Akzeptanz bei den Verbrauchern. Die Technologien müssen jedoch mit Bedacht und unter Berücksichtigung der lokalen Gegebenheiten sowie der sozio-ökonomischen Entwicklungen gewählt werden. Eine einheitliche Lösung für ganz Europa kann es nicht geben.

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