31.01.2014 (eh) Drucken
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Spigraph übernimmt Dicom, und wird Super-VAD

  • Inhalt dieses Artikels
  • Ein Partner fürs Management geschäftlicher Dokumente und Prozesse
  • Kam Rudolf Gessinger an Board, um Dicom-Verkauf vorzubereiten?
  • Dicom: vom VAD zum Softwarehaus, und wieder zurück zum VAD
  • Dicom durchlief in den letzten drei Jahren Schrumpfkur
Joachim Froning, CEO, Dicom
Joachim Froning, CEO, Dicom
Value-Added-Distributoren (VAD) für DMS-/ECM- und Document-Capture-Lösungen sind hierzulande dünn gesät. Und von den ganz wenigen schließen sich jetzt die beiden größten zusammen: Spigraph International mit Sitz in Frankreich übernimmt nun Dicom International mit Sitz in der Schweiz. Beide Unternehmen waren in Deutschland aktiv. Dicom dürfte in der Bundesrepublik sogar größer sein als am schweizer Heimatstandort. Die beiden Unternehmen gehen berechtigerweise davon aus, dass damit der größte VAD für Document-Capture-Lösungen im EMEA-Raum entsteht. Der fusionierte Konzern betreut künftig 6.000 Partner in mehr als 20 Ländern, teilen die Unternehmen mit.

Die neue Unternehmensgruppe fokussiert auf den Vertrieb von Dokumentenscannern und Softwarelösungen zur Digitalisierung von Dokumenten. Beschäftigt werden den Angaben zufolge zukünftig rund 400 Mitarbeiter, die insgesamt einen Umsatz von 130 Millionen Euro erwirtschaften dürften.

Ein Partner fürs Management geschäftlicher Dokumente und Prozesse

»Während unsere Unternehmen in der Vergangenheit zwar auf dem gleichen Markt tätig waren, so waren geographische und vertriebliche Überlappungen jedoch minimal«, erläutert Joachim Froning, CEO von Dicom. »Somit bedeutet die Fusion eine Zusammenführung unserer jeweiligen Stärken.«

»Unternehmen sind heute mit ständiger technologischer Evolution konfrontiert. Ein Partner, der in der Lage ist, sie beim Management ihrer geschäftlichen Dokumente und Prozesse optimal zu unterstützen, ist daher wichtiger als je zuvor«, erklärt Daniel Chautard, Vorsitzender von Spigraph. »Mit der Vereinigung der Kräfte von Spigraph und Dicom ist die neue Gruppe für die Herausforderungen der kommenden Jahre hervorragend aufgestellt. Ob Papier oder Web, Mobilität oder Cloud – unsere Aufgabe besteht darin, die besten verfügbaren Lösungen zum richtigen Zeitpunkt ausfindig zu machen und unsere Kunden und Partner bei deren Einführung zu unterstützen, wobei die Rentabilität immer im Vordergrund steht.«

Kam Rudolf Gessinger an Board, um Dicom-Verkauf vorzubereiten?

Im Rahmen der Fusion wird der vormalige CEO von Spigraph, Wayne Davey, CEO der neuen Gruppe. Froning, vormals CEO bei Dicom, wird Senior Vice President von Spigraph/ Dicom Distribution. Sitz der Gruppe bleibt der Stammsitz von Spigraph in Saint-Quentin-Fallavier in Frankreich.

Im Zuge der Übernahme erscheint die Berufung von Rudolf Gessinger zum Dicom-Chairman vor einem dreiviertel Jahr in einem etwas anderen Licht. Marktbeobachter argwöhnen, dass er nur deshalb dazu kam, für Dicom einen Käufer zu finden, und einen potenziellen Kauf strategisch vorzubereiten.

Dicom: vom VAD zum Softwarehaus, und wieder zurück zum VAD

Dicom hat eine interessante und wechselvolle Firmengeschichte hinter sich. Es gab sie nämlich schon mal in den 90er Jahren als Dicom Group Plc, und war sehr ähnlich aufgestellt wie das heutige Unternehmen. Das Unternehmen mit schweizer Wurzeln war damals an der Londoner Börse notiert. Im Jahr 2000 ging man am aufstrebenden »Neuen Markt« an die Börse und sammelte Investorengelder ein, um das US-amerikanische Softwarehaus Kofax – an der man seinerzeit bereits einen Minderheitsanteil hielt – vollständig zu übernehmen.

Kofax entwickelte Software, mit der man Dokumente erkennen kann. Die Software passte perfekt zu den Scanner-Lösungen, die die damalige Dicom vertrieb. Dicom stellt sich nach der Komplettübernahme neu als Gesamtlösungsanbieter für dokumentenbasierte Geschäftsprozesse auf. Die neue Strategie ging so gut auf, dass sich Dicom Group vor fast genau sechs Jahren aus Branding-Gründen in Kofax umbenannte.

Dicom durchlief in den letzten drei Jahren Schrumpfkur

Mehr noch: Innerhalb des neu aufgestellten Unternehmens wuchs die Kofax-Softwaresparte so stark, dass sich das Management vor fast genau drei Jahren entschied, die VAD-Sparte wieder abzuspalten, und als eigenständige Dicom International wieder auf den Markt schickte.

Doch der Restart gelang offensichtlich nicht wie erwartet. Bei der Abspaltung Anfang 2011 hieß es, dass mit 200 Mitarbeitern rund 97 Millionen Euro umgesetzt wurden. Spigraph hat zuletzt eigenen Angaben zufolge rund 300 Mitarbeiter beschäftigt, und rund 70 Millionen Euro umgesetzt. Gemessen an den Zahlen, die nun für das fusionierte Unternehmen erwartet werden, bedeutet dies, dass Dicom seit der Entlassung in die Unabhängigkeit mehr als ein Drittel der Umsätze einbüßte, und rund die Hälfte der Mitarbeiter verlor. – Der Verkauf nun an Spigraph hat damit das Geschmäckle eines Notverkaufs.

. Kommentare (2)
31.01.2014 - UKampffmeyer

Spigraph (Frankreich) hat Dicom übernommen. Ein kleiner Kommentar dazu: bit.ly/dicom-spigraph

31.01.2014 - UKampffmeyer

Spigraph (Frankreich) hat Dicom übernommen. Ein kleiner Kommentar dazu: bit.ly/dicom-spigraph


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