10.07.2012 (eh)
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Integriertes Backup und Archivierung macht doch Sinn

  • Inhalt dieses Artikels
  • Storage-Administratoren, befasst Euch mit E-Discovery!
  • Ein »neuer Umgang« mit Backup- und Archiv-Daten wird kommen

Eigentlich werden Backup und Archivierung bislang in den IT-Abteilungen als ziemlich getrennte Disziplinen betrachtet. Doch die Vision, dass aufgrund von immer mehr Compliance-Vorschriften nebst zunehmender Datenflut – Sitchwort: Big Data – eigentlich ein integriertes Backup und Archivierung Sinn machen würde, bahnt sich bei vielen CIOs bzw. Storage-Administratoren erst ganz langsam seinen Weg. Das ist für mich eine der wichtigsten Erkenntnisse einer kürzlichen Gartner-Studie »Does Integrated Backup and Archiving Make Sense?«

Die Gartner-Analysten nehmen meiner Meinung nach zu Recht an, dass die Anfragen aus verschiedensten Unternehmensabteilungen nach früheren Daten bzw. Dokumenten demnächst drastisch zunehmen. Und den Anfragern ist es wohl ziemlich egal, ob die Daten/Dokumente auf einem Backup- oder Archivierungsmedium lagern.

Storage-Administratoren, befasst Euch mit E-Discovery!

In diesem Zusammenhang macht seit ein paar Jahren das Schlagwort E-Discovery die Runde. Also das Suchen nicht nur nach einem bestimmten Dokument oder einer expliziten Datei, sondern das Zusammenstellen eines kompletten Vorgangs oder Geschäftsvorfalls. Hewlett-Packard übernahm hier letztes Jahr mit Autonomy den größten eDiscovery-Anbieter in einem Milliarden-Deal. Das zeigt, dass sich die IT-Anbieter nun positionieren. Natürlich sind schon die ersten CIOs aufgewacht. Aber ich glaube, in der Breite hat sich das Thema, das hier auf die Storage-Abteilungen zurollt, noch nicht so durchgesetzt.

Die Gartner-Analysten haben in einer Umfrage festgestellt, dass zwar immerhin bereits 31 Prozent der Unternehmen ihre Backup-Daten mindestens ein Jahr oder länger aufbewahren. Die Backup-Daten werden also sozusagen einer Art Archiv zugeführt. Aber: 50 Prozent der Unternehmen löschen ihre Backups nach 30 bis spätestens 90 Tagen. Frei nach dem Motto: Es sind jetzt keine »heißen« Daten mehr, die werden also nicht mehr gebraucht.

Freilich macht es keinen Sinn, Backup-Bestände unbesehen zu Archiv-Daten zu erklären. Da stimme ich mit den Gartner-Analysten vollkommen überein: Backup ist für ein schnelles Recovery im Falle der Fälle eines Datenverlusts, und Archivierung ist für langfristigen Daten- bzw. Dokumentenerhalt und für mögliche Nachforschungszwecke.

Ein »neuer Umgang« mit Backup- und Archiv-Daten wird kommen

Aber es lässt sich mit neuen Data-Lifecycle-Management-Tools eine Art »neuer Umgang« mit Backup- und Archiv-Daten in Unternehmen einführen. Sozusagen ein integriertes Backup und Archivierung. Natürlich müssen CIOs und Storage-Administratoren bereit sein, ihre seit Jahren oder gar Jahrzehnten gepflegte Arbeitspraxis etwas umzuwerfen. Aber ich bin überzeugt: Wer sich ernsthaft damit auseinandersetzt, sollte bereits mittelfristig davon profitieren. Zum einen in Form von deutlich reduzierten mehrfach vorgehaltenen Datenkopien. Und zum anderen von geringerem Zeitaufwand für das Management von Backup- und Archivdaten. Beide Vorteile sollten sogar dazu führen, dass Unternehmen die Backup- und Archivierungskosten im Griff behalten – trotz Big-Data-Trend.

Das klingt natürlich alles sehr gut. Jedoch muss allen klar sein, dass dies auch neue An- und Herausforderungen an die Mitarbeiter stellt. Unternehmen brauchen Mitarbeiter, die zu ständiger Veränderung bereit sind, die latent dazulernen, sich vernetzen und sich immer wieder selbst erfinden. Wer solche Mitarbeiter will, muss ein Unternehmen auf gemeinsamen Werten und einer Vision aufbauen. Es ist eine kollaborative und offene Struktur in Unternehmen notwendig, damit jeder Mitarbeiter, oder zumindest die meisten wissen, wann und wie schnell sie auf welche Daten/Dokumente zugreifen können.

Mit backup-freudigen Grüßen
Engelbert Hörmannsdorfer
Redaktion ECMguide.de

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