09.11.2021 (as)
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CSP Magic Quadrant 2021 von Gartner

  • Inhalt dieses Artikels
  • Produktüberschneidungen bei Hyland
  • Opentext kann SaaS-/PaaS-Angebot erweitern
  • Microsoft profitiert von Sharepoint
  • Cloud-Anbieter Box unter ECM-Platzhirschen
  • SER Group mit vielen Konnektoren
  • Docuware mit gleichwertiger SaaS- und On-Premises-Lösung
  • Betrachtung Kyoceras schließt Yuuvis von Optimal Systems ein
  • Fabasoft wieder mit dabei
  • M-Files profitiert von Hubshare

Im neuen Magic Quadrant für den Bereich Content Services Platforms (CSPs) ist erstmals der deutsche Softwarehersteller Dvelop aufgeführt. Auch sonst finden sich einige bekannte Player aus dem deutschsprachigen Raum, die wir neben den wichtigsten internationalen Anbietern herausgegriffen haben.

Gartners Magic Quadrant für internationale Anbieter von Content Services Platforms (CSPs) (Bild: Gartner)Gartners Magic Quadrant für internationale Anbieter von Content Services Platforms (CSPs) (Bild: Gartner)Das Marktforschungsunternehmen Gartner hat einen neuen Magic Quadrant für den Bereich Content Services Platforms (CSPs) veröffentlicht. Gartner definiert CSPs als grundlegende Komponenten für die Verwaltung und Nutzung von digitalen Inhalten in einem Unternehmen oder einer Organisation. Aus der Sicht Gartners treten CSPs an die Stelle von Lösungen für Enterprise Content Management (ECM) und Dokumentenmanagement (DM), die als synonyme Bezeichnungen in der IT-Welt ebenfalls noch weit verbreitet sind.

CSPs werden laut Gartner vor allem zur Erfüllung operativer, geschäftsorientierter Anforderungen eingesetzt. Sie können in andere Geschäftsanwendungen wie ERP-Systeme integriert werden, um den Zugriff auf Informationen zu erleichtern und Governance- und Content-Schutz-Funktionen zu bieten. Zu den zwölf Eigenschaften, die ein CSP bieten sollte, zählt Gartner eine Archiv-Funktion, Dokumenten- und Content-Management-Dienste, Records Management sowie Prozessautomatisierungs- und Anwendungsentwicklung. Berücksichtigte Anbieter müssen über eine SaaS/PaaS-Version des Produkts verfügen, die ab dem 1. Mai 2021 mindestens 1.000 aktive monatliche Nutzer auf der PaaS/SaaS-Plattform hat.

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Produktüberschneidungen bei Hyland

Im Quadranten der Marktführer finden sich mit OpenText und Hyland zwei Softwarehersteller, die aus dem traditionellen ECM-Umfeld kommen. In Gartners Betrachtung fallen Hylands Produkte »OnBase« und die über Akquisitionen hinzugekommenen Open-Source-Plattformen »Alfresco« sowie »Nuxeo«. Die im deutschsprachigen Raum bekannte Lösung Saperion wird nicht berücksichtigt. Das auf den Mittelstand und den Unternehmensbereich ausgerichtete Onbase beschreibt Gartner als eine starke Low-Code-Plattform mit einer robusten Workflow-Engine und Konfigurationserfahrung. Dies ermögliche es den Kunden, Anwendungen zu erstellen, die dokumentenzentrierte Funktionen wie den Dokumentenvergleich und workflow-zentrierte Funktionen kombinieren. Alfresco mit gutem Records Management und Nuxeo mit Schwerpunkt Digital Asset Management sind ebenfalls auf große Repositories ausgerichtet. Neben den gemeinsamen Zielkunden gibt es gerade zwischen diesen beiden Lösungen Überschneidungen, was die Fähigkeiten betrifft. Kunden sollten daher die langfristige Roadmap der jeweiligen Hyland-Lösung, die sie evaluieren, sorgfältig prüfen. Gartner hat vermehrt Berichte von Kunden des zuvor erworbenen Hyland-Produkts Perceptive gehört, die aufgefordert wurden, auf alternative Hyland-Produkte umzusteigen. Bei Onbase sieht Gartner die Preisgestaltung kritisch und die SaaS-Option als gehosteter Single-Tenant-Service. Hier berichteten Kunden, dass die Arbeit mit Onbase in einem SaaS-/Hosting-Modell und die Integration mit On-Premises-Anwendungen eine Herausforderung darstellt. Gartner betrachtet dies als Folge des Hostings einer Lösung, die nicht für die Cloud konzipiert ist, wie es bei einigen führenden Wettbewerbern der Fall ist. Daneben hat Hyland aber auch cloud-native CSP-Optionen erworben, die als ergänzende Lösungen zur Verfügung stehen und zur Entwicklung einer neuen SaaS-Plattform beitragen.

Opentext kann SaaS-/PaaS-Angebot erweitern

Im Gegensatz zu Hyland wird Opentext ein besseres Zeugnis bezüglich der Cloud-Funktionalität ausgestellt, was am in diesem Jahr erweiterten mandantenfähigen SaaS-/PaaS-Angebot rund um »Core Content« liegt. Neben Core Content umfasst die Content-Cloud-Plattform unter anderem »Extended ECM« und »Documentum«. Opentext konzentriert sich hauptsächlich auf die Integration mit führenden Geschäftsanwendungen wie SAP und Salesforce, um Prozesse zu automatisieren und Governance-Richtlinien zu befolgen. Dabei hebt das Marktforschungsunternehmen eine gut durchdachte und kürzlich modernisierte Integration für »Microsoft Teams« hervor, die in Extended ECM verfügbar ist. Bei den Opentext-Kunden handelt es sich in der Regel um große internationale Unternehmen, wobei die wichtigsten Branchen Finanzdienstleistungen, der öffentliche Sektor sowie Energie- und Versorgungsunternehmen sind. Dagegen eignen sich die primären CSP-Angebote von Opentext laut Gartner wegen der Komplexität und Lizenzkosten für mittelständische und kleine Unternehmen weniger.

Microsoft profitiert von Sharepoint

Das gute Abschneiden von Microsoft mit der Plattform »Microsoft 365 E5« basiert stark auf der darin enthaltenen »SharePoint«-Komponente, die das Standard-Content-Repository für Microsoft 365 darstellt und Inhaltsdienste bietet. Für hochvolumige Archivierungs- und Transaktionsanwendungen erlegt Sharepoint architektonische Größenbeschränkungen auf, die in anderen führenden CSP-Plattformen nicht vorhanden sind. Generell ist Microsoft 365 eine ausgereifte und mit Datenschutzfunktionen ausgestattete SaaS-Plattform, die über ein umfangreiches Partner-Ökosystem verfügt. Diese Drittanbieter sind aber auch notwendig, um Schwächen auszugleichen, die beispielsweise in der Kontrolle von Inhalten aus Sharepoint-Sites und Teams-Kanälen bestehen.

Cloud-Anbieter Box unter ECM-Platzhirschen

Die Box-Content-Cloud-Plattform ist eine SaaS-Lösung und konzentriert sich auf kollaborative, mitarbeiter- und unternehmenszentrierte Inhaltsanforderungen. Die Mehrheit der kleinen bis großen Kunden nutzt die im Vergleich zu den seit Jahren etablierte Hauptplattformen von beispielsweise Opentext  und Hyland neue CSP-Lösung von Box als sicheres Tool für die Zusammenarbeit mit Inhalten. Box hat seine Nutzerbasis und Content-Repositories so skaliert, dass es für geschäftsorientierte Content-Anwendungsfälle, die große Dokumentensätze, Governance, Sicherheit und Prozessautomatisierung erfordern, praktikabel ist. Bei mehreren wichtigen CSP-Funktionen wie Records Management, granulare Zugriffskontrolle, Formulare und Workflow hinkt das Angebot noch hinterher. Work-Hub-Konnektoren wie für Salesforce, SAP, Microsoft 365 und Google Workspace ermöglichen es Box nach Ansicht Gartners, eine umfassende Rolle bei Unternehmensanwendungen zu spielen, die sicher in der Cloud bereitgestellt werden. Jedoch können hierfür benötigte APIs zu relativ teuren Abonnementgebühren führen. Außerdem weist Gartner darauf hin, dass die in Box gespeicherten Metadaten zusammen mit dem Rest der Steuerungsebene in den Rechenzentren des Anbieters in den USA gespeichert werden. Daher empfiehlt sich die SaaS-Lösung von Box möglicherweise nicht für Kunden, die Bedenken hinsichtlich der Datenresidenz in der Cloud – speziell außerhalb der EU - haben.

Dvelop erstmals mit dabei

Gerade für deutschsprachige mittelständische Cloud-Kunden eignet sich die neu in diesem Quadranten aufgenommene Lösung »d.velop documents« von d.velop. Sie bietet ein komplettes Paket an grundlegenden Inhaltsdiensten, Integrationsoptionen und Lösungen für Vertrags- und Rechnungsmanagement. Die SaaS-basierte Lösung, die mit minimalen IT-Ressourcen einfach zu implementieren ist, verfügt über eine angemessene Preisgestaltung. Laut Gartner hat die SaaS-Architektur, die auf Microservices basiert, welche Amazon S3 und Elasticsearch nutzen, das Potenzial, erheblich zu skalieren. Allerdings biete Dvelop Documents nur eine grundlegende Funktionalität für traditionelle Content Services. Abgesehen von SAP und Salesforce sind nach Ansicht des Marktforschungsunternehmens viele der Integrationen in Geschäftsanwendungen eher auf mittelständische Unternehmen ausgerichtet. Dies könne für größere Unternehmen mit ausgereifteren Anforderungen an Content Services eine Einschränkung darstellen.

SER Group mit vielen Konnektoren

Wie Dvelop ist auch die ebenfalls in Deutschland beheimatete SER Group als Visionär im Magic Quadrant aufgelistet. Ihre »Doxis4 iECM«- (On-Premises) und »Doxis4 Cloud iECM«- (SaaS) Suiten unterstützen sowohl traditionelle aufgabenbasierte Geschäftsprozesse als auch fallbasierte Geschäftsprozesse, indem sie vorausschauende E-Mail-Ablage und starke Workflow-Funktionen bieten. Positiv bewertet Gartner die sofort einsatzbereite Konnektoren zu »Infor«, »Microsoft Dynamics 365«, »Oracle«, Salesforce, SAP und »Workday« sowie eine API, die es Kunden ermöglicht, ihre eigenen Integrationen zu entwickeln.

Die mandantenfähige Cloud-Plattform der SER Group wird nach den Ausführungen von Gartner derzeit nur für kleine und mittlere Unternehmen oder für Abteilungsimplementierungen eingesetzt. Kundenreferenzen und Preismodelle für große Unternehmen mit beispielsweise 5.000 Nutzenden konnte der Hersteller noch nicht vorweisen. Daneben erhält Gartner immer wieder Rückmeldungen, dass die Bereitstellung und Konfiguration von Doxis4 komplex sein kann.

Docuware mit gleichwertiger SaaS- und On-Premises-Lösung

Die aus Deutschland stammende und inzwischen als eigenständige Geschäftseinheit von Ricoh fungierende DocuWare ist als Nischenanbieter in diesem Magic Quadrant aufgeführt. Als On-Premises- und gleichwertige SaaS-Implementierungen bietet Docuware alle CSP-Kernfunktionen einschließlich Dokumentenverwaltung, Workflow-Design, Formularerstellung und Records-Management in einem übersichtlichen Toolset. Dieses zentralisierte Toolset ist besonders für Unternehmen mit begrenzten IT-Kapazitäten geeignet und nach Gartners Meinung ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal für Unternehmen, die mit der administrativen Komplexität von Microsoft 365 zu kämpfen haben.

Das Marktforschungsunternehmen weist darauf hin, dass Docuware noch keine Integration mit Microsoft Teams bietet und selten als Basisplattform für große Unternehmen eingesetzt wird. Der Fokus liegt auf mittelständischen Unternehmen und Abteilungseinheiten.

Betrachtung Kyoceras schließt Yuuvis von Optimal Systems ein

Interessant ist auch die Einschätzung zu Kyocera, die durch Zukauf von ECM-Herstellern ein ziemlich großes CSP-Portfolio hat und bestehende Vertriebskanäle dafür nutzen kann. Während Gartner im vergangenen Jahr hauptsächlich »EverSuite« von Everteam berücksichtigte, bezieht sich der Magic Quadrant in diesem Jahr auch auf die aus Deutschland stammende Komponente »yuuvis« von OPTIMAL SYSTEMS, die ein relativ komplettes Paket an CSP-Funktionen bietet. Laut dem Marktforschungsunternehmen sind die Integrationen mit Microsoft 365 im Vergleich zu den führenden Anbietern in diesem Markt begrenzt – gerade was Microsoft Teams angeht.

Fabasoft wieder mit dabei

Der österreichische Hersteller Fabasoft wurde nach 2018 erstmals wieder in den CSP Magic Quadrant aufgenommen und als Nischenplayer eingeordnet. Gartner sieht die Stärken von Fabasoft in der modellgesteuerten, codearmen Bereitstellung von Inhalten und Geschäftsprozess-Services und den verschiedenen Bereitstellungsmodellen, die von On-Premises bis hin zur mandantenfähigen SaaS-Bereitstellung reichen. Außerdem habe Fabasoft vor allem in Deutschland einen guten Ruf bei E-Government Content Services. Jedoch verfügt Fabasoft zwar über offene programmierbare APIs aber nur über eine begrenzte Anzahl von Out-of-the-Box-Konnektivität für führende Geschäftsanwendungen. Es fehlen Integrationen für Salesforce, Microsoft Dynamics und Oracle ERP Cloud, die bei den Marktführern in diesem Bereich üblich sind.

M-Files profitiert von Hubshare

Eine ziemlich gute Bewertung als Visionär erhält auch der im deutschsprachigen und europäischen Raum gut vertretene finnische Anbieter M-Files. Positiv bemerkbar machte sich dabei die im Frühjahr getätigte Akquisition von Hubshare, die sich vorteilhaft auf die kritisierte Benutzerführung auswirkt und die Dateifreigabe sowie die Zusammenarbeit verbessert. M-Files kombiniert dies mit der Federation-Fähigkeit, um einen sicheren, benutzerfreundlichen Ansatz für die Freigabe von Inhalten aus beliebigen Quellen zu ermöglichen. Als Stärke sieht Gartner zudem, dass M-Files mittels integrierter KI die Klassifizierung von Dokumenten und unstrukturiertem Content weitgehend automatisieren kann, was die Effektivität von Suchvorgängen steigert. Laut dem Marktforschungsinstitut bietet M-Files eine breite Palette an Lösungen, darunter Content-Services-Anwendungen für Verträge, Personalwesen und Qualitätskontrolle sowie Beratungsangebote für die Kreditorenbuchhaltung und die Rechtsabteilung. Allerdings bediene der Herteller in erster Linie den Mittelstandsmarkt oder Abteilungen in großen Unternehmen. Darüber hinaus sei die Architektur nicht für große, hochvolumige archivierungsorientierte Anwendungsfälle ausgelegt.

Der komplette englischsprachige Report »Magic Quadrant for Content Services Platforms« lässt sich beispielsweise über Webseiten von M-Files, SER Group und Hyland kostenlos herunterladen.