14.06.2016 (as)
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Interview mit Chris McLaughlin von EMC zur Documentum-Zukunft

Durch Documentum ist der Speicherhersteller EMC auch im Enterprise-Content-Management-Bereich eine Größe. Warum man dies in der Vergangenheit gar nicht merkte, und ob es einen Verkauf des ECM-Bereichs im Zuge der Dell-Akquisition geben wird, besprach ECMguide.de neben strategischen Themen mit Chris McLaughlin, Chief Marketing Officer der Enterprise Content Division von EMC.

EMC hat mit Documentum eine relativ starke Marktposition im Enterprise-Content-Management-Sektor weltweit, aber gerade in Deutschland traten Sie in den vergangenen Jahren nach außen kaum in Erscheinung.

Chris McLaughlin, CMO von EMC (Bild: ECMguide.de)McLaughlin: Es gab keinen spezifischen Grund für diesen Umstand, jedoch hatten wir hierzulande in den vergangenen Jahren einige Wechsel an der Vertriebsspitze. Nun sind wir aber wieder stark darauf fokussiert, unser Geschäft in Deutschland zu steigern. Deutschland ist einer der größten Märkte für uns in Europa und stellt einen fantastischen Markt für uns dar. Wir planen verschiedene Investitionen, um hier unsere Verkaufspräsenz inklusive dem Channel-Geschäft zu vergrößern. Ich hoffe, dass sich in den nächsten Jahren viel ändern wird.

Welche Stellung hat die Enterprise Content Division, die das ECM-Geschäft von EMC verkörpert, aktuell in Deutschland?

McLaughlin: Deutschland repräsentiert einen großen Anteil der europäischen Umsätze. Mit Documentum sind wir hier bereits 25 Jahre am Markt vertreten und verfügen über eine große Kundenbasis. Die Kunden kommen aus den Bereichen Finanzdienstleistungen, Life Science und Pharmazeutische Industrie, Energie, Maschinenbau und dem öffentlichen Sektor.

Welche Vermarktungsstrategie verfolgen Sie hierzulande nun im Besonderen?

McLaughlin: Wir fahren mit einem direkten und indirekten Vertriebsmodell zweigleisig. Ein internationales Unternehmensteam betreut weltweit 800 Kunden größtenteils direkt, aber auch indirekt. Unterhalb dieser Gruppe mit 800 Unternehmen haben wir ein indirektes Vertriebskonzept etabliert, das die Betreuung unserer Kunden über Partner vorsieht. In Deutschland zählen unter anderem fme und inovoo zu diesen Partnern, die sich auf unsere Produkte fokussieren. Sie verkaufen unsere Produkte und bieten ergänzende Lösungen dazu an. Indem wir unsere Partner unterstützen, können wir gut lokal agieren und vertikale Märkte, die ich in der vorangegangenen Frage bereits erwähnte, adressieren. Wir sind auch stark darum bemüht, die Anzahl der Partner zu erhöhen. Damit wollen wir weiter Richtung mittelständische Unternehmen gehen, wo wir ein großes Wachstum im ECM-Bereich sehen.

Werden Sie in Ihrer Enterprise Content Division neue Mitarbeiter in Deutschland einstellen?

McLaughlin: Ja, da wir unser Geschäft weiter ausbauen wollen. Sowohl, um unsere Partner zu unterstützen als auch, um unser Unternehmensteam zu vergrößern, suchen wir neue Mitarbeiter. Typischerweise verfügen wir in den Ländern wie auch in Deutschland jeweils über ein Vertriebsteam für das direkte und das indirekte Geschäft inklusive Systemingenieuren, die den Verkauf unterstützen. Daneben gibt es ein Professional Services Team.

Nun wurde ja bekannt, dass EMC im Zuge der Übernahme durch Dell, das Documentum-Geschäft verkaufen will.

McLaughlin: Ich will hier ganz deutlich machen, dass dies nicht durch EMC bekannt gegeben wurde, sondern dass dies Bloomberg sagt und es von der Presse aufgegriffen wurde. Da wir ein börsennotiertes Unternehmen sind, ist es mir nicht möglich, etwas hierzu zu sagen oder es zu kommentieren. Alles was ich sagen kann ist, dass dies ein Gerücht ist. Auch in unseren Geschäftsberichten werden Sie nichts lesen können, was in diese Richtung geht.

Was erwidern Sie jedoch Ihren Kunden und potentiellen Kunden, die diese Nachricht ebenfalls lesen und wissen wollen, wie es mit Documentum und dem ECM-Geschäft weitergeht?

Chris McLaughlin bezeichnet Absichten zu einem Documentum-Verkauf als Gerücht (Bild: ECMguide.de)McLaughlin: Das stimmt, unsere Kunden sprechen uns ebenfalls darauf an. Was uns im Moment hilft, ist die gesunde Basis unseres Geschäfts. Unser Bereich ist sehr gut geführt und befindet sich im Wachstum. Wir wuchsen 2015 und ebenfalls – sogar noch schneller – im ersten Quartal 2016, in dem unser Lizenzumsatz um mehr als 20 Prozent stieg. Insgesamt verspüren wir gerade viel Schwung in unserer Einheit, die sehr profitabel und innerhalb von EMC eine der erfolgreichsten ist. Alle aktuellen Produkte inklusive »InfoArchive« und Documentum-Lösungen wachsen im zweistelligen Prozentbereich. Wir fokussieren uns darauf, einen gesunden Unternehmensbereich mit den besten Produkten für unsere Kunden zu verkörpern. Uns gibt es bereits 25 Jahre und es wird uns auch noch weitere 25 Jahre geben, um uns um unsere Kunden zu kümmern.

Wie schätzen Sie das Marktumfeld derzeit ein?

McLaughlin: Anhand unseres Portfolios kann ich darstellen, wie wir den Markt in den verschiedenen Segmenten betrachten. Wir beobachten eine steigende Nachfrage nach Archivierungslösungen für strukturierte Daten, Enterprise Information Management und Enterprise Information Archiving, das wir mit Infoarchive adressieren. Auch der traditionelle Enterprise-Content-Management-Bereich wächst mit rund acht bis zehn Prozent jährlich, der unter anderem Capture-, Workflow- und Bilderfassungs-Lösungen beinhaltet. Am interessantesten erachten wir derzeit den Cloud-Content- und Collaboration-Bereich, der ein jährliches Wachstum von über 20 Prozent vorweisen kann und den wir mit Leap adressieren.

Wie gehen Sie dabei vor?

McLaughlin: Mit Leap wollen wir einen stärkeren applikationsbasierten Ansatz für ECM bieten. Lösungen wie Documentum aber auch die von IBM und Opentext sind komplexe Produktsuiten, die jedes Problem lösen können, robuste Repositories vorweisen, Compliance-Richtlinien einhalten und umfangreiche Auswertungsmöglichkeiten bieten. Unsere Kunden, die ihr Geschäft immer stärker digitalisieren und mit ihren Kunden ein besseres Kundenerlebnis erreichen wollen, suchen allerdings nach schnellen spezifischen Lösungen, die auf mobilen Geräten Informationen nutzen können. Sie erwarten Apps, die ihre Produktivität erhöhen. Daher müssen wir wirklich neu überdenken, wie ECM funktioniert und Menschen mit Content arbeiten und ihn konsumieren. Dies machen auch Lösungen anderer Anbieter wie Box oder Office365 mit Sharepoint von Microsoft deutlich, die Content-Management in die Cloud verlagern. Vor allem müssen wir überlegen, wie wir darauf reagieren. Den Anfang machen wir mit den aktuell vorgestellten fünf Apps der Leap-Serie, die leistungsstarke ECM-Funktionen bieten und gleichzeitig einfach zu verwenden sind.