17.11.2015 (as)
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Opentext-CEO Mark Barrenechea über seine Leukämie-Erkrankung

  • Inhalt dieses Artikels
  • Leukämie-Behandlung mit vielen Hürden
  • Von 50 auf 20 auf zehn Prozent Überlebenschance
  • Opentext ist seine Familie

Selbst Menschen, die schon sehr sehr viele Keynotes gehört haben, betonten, dass sie solch eine Rede noch nicht erlebt hätten. Gemeint ist die zweite Keynote des Opentext-CEOs Mark Barrenechea auf der internationalen Firmenveranstaltung »Enterprise World« in Las Vegas, in der er über seine Leukämie-Erkrankung sprach. Daher weicht dieser Artikel von den sonst üblichen Themen auf ECMguide.de ab und berichtet über dieses besondere Erlebnis.

Mark Barrenechea in der emotionalen Keynote über seine LeukämieerkrankungMit einer überaus eindrucksvollen und persönlichen Keynote über seine Leukämie-Erkrankung wandte sich Opentext-CEO Mark Barrenechea vergangenen Donnerstag an die Teilnehmer der Enterprise World. Rund 2.000 Kunden, Partner und Mitarbeiter besuchten die Kundenveranstaltung, die vom 8. bis 13. November in Las Vegas stattfand. Bis zu dieser Keynote wussten selbst langjährige Mitarbeiter im kanadischen Hauptsitz des Unternehmens nichts über die genaueren Umstände der Krankheit, die erst wenige Monate zurückliegt. Barrenechea galt unter den Mitarbeitern eher als der klassische »demanding leader«, der wenig Privates und Persönliches preisgab. Umso mehr überraschte er nun mit seinem ausführlichen Krankheitsbericht, der Kranken aber auch anderen krisengeschüttelten Menschen Mut machen sollte.

Seine Rede startete mit ein paar Bildern aus frühester Kindheit sowie Schul- und Studienzeiten, um den Zuhörern etwas über seine Herkunft zu zeigen. Der 52jährige gebürtige Amerikaner betonte durch sein Elternhaus zugleich bodenständige Werte und intellektuelle Inspiration erfahren und eine öffentliche Schule besucht zu haben. Er wollte den Dingen schon immer gerne auf den Grund gehen und war sehr sportlich. Bis Februar 2015 verlief sein Leben relativ geradlinig, erfolgreich und unproblematisch. Nachdem er einige Wochen bereits mit großer Müdigkeit und Erschöpfung zu kämpfen hatte, konnte er jedoch eines Tages das Bett nicht mehr verlassen und verständigte den Notruf. Schnell erhielt er die Diagnose Leukämie AML mit einer Überlebenschance von 50 Prozent.

Leukämie-Behandlung mit vielen Hürden

Ein motivierendes Gedicht, das Mark Barrenecha in der Klinik anbringen ließDaraufhin wählte er eine Klinik und ein Ärzteteam aus und begann für sich selbst, die Krankheit zu erforschen. »Sich selbst mit einer Krankheit oder auch anderen Themen bis auf die atomare Ebene zu befassen«, war eine Empfehlung, die Barrenechea während seiner Keynote mehrmals wiederholte. In seinem Krankenzimmer am Stanford University Medical Center richtete er sich ein Büro ein, um die Opentext-Geschäfte weiter führen zu können. Per Pressemitteilung informierte das Unternehmen die Öffentlichkeit über die Leukämie-Erkrankung und einen reduzierten Arbeitseinsatz des CEOs. Die Behandlung startete mit einer Chemotherapie und wurde zweimal erfolglos wiederholt, so dass die Überlebenschance nur noch 20 Prozent betrug. Es stellte sich heraus, dass der Krebs mutiert und Barrenechea immun gegenüber der Chemotherapie war.

Von 50 auf 20 auf zehn Prozent Überlebenschance

Nun versuchten die Ärzte eine weitere Behandlungsmethode, die aus einer Injektionssuspension mit verschiedensten Bestandteilen wie Vidaza und TKI bestand. Doch auch hier schlugen die ersten Behandlungen fehl, und die Überlebenschance sank auf zehn Prozent. Nach der sechsten Behandlungsrunde kam dann die erfreuliche Wende und es stellte sich der erhoffte Erfolg ein. Um die Heilung langfristig zu sichern, empfahlen die Ärzte eine Stammzellentransplantation. Die Schwierigkeit war nun, einen geeigneten Spender zu finden. In der Familie kam niemand in Frage und auch US-weit fand sich keine Übereinstimmung.

So entschloss man sich die Spenderkriterien herabzusetzen und weltweit zu suchen. Schließlich fand sich in Deutschland ein passender Spender, der seine Stammzellen entnehmen ließ. Per Flugzeug und Hubschrauber gelangten die Stammzellen nach Stanford und wurden dem Patienten erfolgreich eingesetzt. Heute sagt Barrenechea: »Mein Herz ist amerikanisch, ich lebe in Kanada und habe deutsches Blut in mir.« Auf der Bühne in Las Vegas macht er einen überaus gesunden Eindruck. Lachend meint er, dass seine Haare nun dichter zurückkommen als zuvor, seine Blutgruppe habe sich selbst zur Überraschung der Ärzte geändert und kein Softwareprogramm lasse diese Änderung zu.

Opentext ist seine Familie

Barrenechea hebt die großartige Hilfe vieler Pflegekräfte hervor, die ihm während der Krankheit geholfen haben. Er lobt den in seinen Augen außerordentlichen Verdienst von US-Präsident Barack Obama, die Gesundheitsreform realisiert zu haben: »Großartige Nationen bewirken großartige Dinge für ihre Bevölkerung.« In seinem persönlichen Faktencheck berichtet Barrenechea, dass er unter anderem 67 Chemotherapien erhielt, siebenmal sein Immunsystem verlor, die Behandlung 3,8 Millionen US-Dollar gekostet hat und er keinen Arbeitstag versäumte. Die größte Motivation waren für ihn die Opentext-Mitarbeiter, die er als seine Familie betrachtet. Den Abschluss der Keynote bildete dann auch ein Video, das ihn seine Mitarbeiter aus der Zentrale in Waterloo schickten. Zu sehen war, wie sie von der Firma aus ins Freie gehen und im Schnee liegend, Schneeengel für Mark herstellen.

Mit seiner Klarheit und Offenheit weckte Barrenechea viele Emotionen im Publikum, wobei ihm seine eigenen Emotionen kaum anzumerken waren. Ein Indiz, dass ihm diese Rede vielleicht nicht so leicht fiel, wie es nach außen schien, war, dass die zuvor angekündigte Frage- und Antwort-Session für das Publikum nicht mehr stattfand.