06.06.2013 (eh)
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Feldstudie: Unternehmen antworten mit De-Mail langsamer

  • Inhalt dieses Artikels
  • Start von De-Mail verlief schleppend
  • Möglichkeiten von De-Mail werden kaum ernst genommen
  • De-Mail konkurriert mit E-Postbrief
  • Deutsche Post nennt Umsätze mit E-Postbrief
  • »Safe-Address« ist eine einfache De-Mail-Anwendung
Maues Antwortverhalten der via De-Mail angeschrieben Unternehmen (Grafik/Quelle: Safe-Adress)
Maues Antwortverhalten der via De-Mail angeschrieben Unternehmen (Grafik/Quelle: Safe-Adress)
Das Antwortverhalten von Unternehmen, die sich für den neuen De-Mail-Verkehr registrierten, ist eher bescheiden. Im Rahmen eines Feldversuchs schafften es 75 Prozent der angeschriebenen Unternehmen mit De-Mail-Adresse nicht, innerhalb von einer Woche eine Antwort zu senden. Der Feldversuch wurde Ende Mai von der Genossenschaft zur Wahrung von Nutzerinteressen eG und internetPost durchgeführt.

Demnach klaffen Anspruch und Wirklichkeit weit auseinander. Denn eigentlich soll die rechtssichere De-Mail Schwung ins Angebot digitaler Services bringen. Doch zwei Jahre nach Inkrafttreten des entsprechenden Gesetzes sieht die Wirklichkeit anders aus. Am morgigen Freitag, 7. Juni 2013, entscheidet der Bundesrat über die Nutzung von De-Mail bei Behörden.

Start von De-Mail verlief schleppend

Schon der Start von De-Mail verlief schleppend. Zwar konnten Bürger sich bereits ab Sommer 2010 für den rechtssicheren E-Mail-Dienst registrieren, doch das zugehörige Gesetz wurde erst knapp ein Jahr später, nämlich am 28. April 2011, fertig. Fast ein weiteres Jahr dauerte es, bis die ersten Dienstleister zertifiziert wurden: Auf der CeBIT 2012 wurde Mentana Claimsoft und der Deutschen Telekom bestätigt, dass sie alle Anforderungen für De-Mail erfüllen und ein entsprechendes Angebot machen können. United Internet folgte als dritter Anbieter ein Jahr später.

Ziel von De-Mail ist es, Informationen rechtssicher über das Internet austauschen zu können, für Bürger, Unternehmen und Behörden. Vor allem Unternehmen und Behörden versprechen sich von der De-Mail, einfacher, schneller und preiswerter Geschäfte per Internet in rechtlich sicherer Form abwickeln zu können.

Möglichkeiten von De-Mail werden kaum ernst genommen

Doch die Wirklichkeit sieht anders aus, wie die maue Reaktion auf Auskunfsanfragen per De-Mail an Unternehmen und Behörden, die sich am De-Mail-System beteiligen, ergab. »Bislang scheint kaum jemand die Möglichkeiten von De-Mail ernst zu nehmen«, sagt Andreas Schumann, Vorstand von Internetpost und Leiter der Studie. »Zwar wollen alle gerne schnell, preiswert und einfach rechtssichere Nachrichten versenden – doch darauf eingestellt hat sich kaum jemand. Nicht einmal auf Seiten von Wirtschaft und Behörden.«

Unterdessen eskaliert der Streit um die Bedeutung der De-Mail. Nicht nur die Kritik an der technischen Umsetzung wird lauter – sie entzündet sich vor allem an der nicht durchgängigen Verschlüsselung bei der Übermittlung von De-Mail –, auch der Streit zwischen potenziellen Anbietern rechtssicherer Kommunikation wird schärfer: Die Deutsche Post will ihr eigenes durchgängig verschlüsseltes Mail-System, den »E-Postbrief«, durch den Gesetzgeber mit derselben Anerkennung wie De-Mail als gleichrangiges Kommunikationsmittel durchsetzen. Die für De-Mail erforderliche Zertifizierung will die Deutsche Post allerdings nicht durchlaufen.

De-Mail konkurriert mit E-Postbrief

Der Wettbewerb der beiden Systeme entwickelt sich zu einem Wettkampf zwischen De-Mail und E-Postbrief. Mit einstweiligen Verfügungen wird Werbung unterbunden, europäische Gerichte werden angerufen, und die Deutsche Post nutzt die traditionell intensiven Beziehungen in die Landes- und Bundespolitik, um ihren E-Postbrief im Wettbewerb zur De-Mail zu positionieren.

Die Provider von De-Mail geben bisher keine aussagekräftigen Nutzerzahlen bekannt. Die Hochrechnung der Feldstudie-Betreiber haben ergeben, dass bislang zirka 120.000 Nutzer für De-Mail registriert und freigeschaltet sein dürften. Rund 90 Unternehmen und Institutionen sind mit einer De-Mail-Adresse im öffentlichen Adressverzeichnis aufgeführt. Welchen finanziellen Aufwand die Provider für ihr De-Mail-System betrieben haben, ist nicht bekannt.

Deutsche Post nennt Umsätze mit E-Postbrief

Dagegen ist die Deutsche Post mit ihrem E-Postbrief-System ein wenig offener: Das Bonner Unternehmen investiert rund 500 Millionen Euro in seine E-Post, und hat im vergangenen Jahr 20 Millionen Euro an Umsätzen erzielt. Wie viele Nutzer in ihrem System freigeschaltet sind, veröffentlicht auch die Deutsche Post nicht.

Die geringe Antwortquote auf Unternehmensseite bei der Feldstudie lässt darauf schließen, dass bislang überzeugende digitale Angebote, die De-Mail erfordern, fehlen. Allerdings hat auch die Feldstudie eine Schwachstelle: Es wird nicht angegeben, wie viele De-Mails für den Test verschickt wurden. Sie dürfte also nicht repräsentativ sein. Für eine gute Indikation taugt sie aber allemal.

»Safe-Address« ist eine einfache De-Mail-Anwendung

Nutzerinteressen und Internetpost AG bieten mit ihrer Datenschutzzentrale »Safe-Address« eine einfache De-Mail-Anwendung: In dem Portal können Bürger bei Unternehmen und Institutionen mit wenigen Klicks Auskunftsanfragen über sie gespeicherten Daten stellen. Dies funktioniert nicht nur über den bislang üblichen Papierweg: Auskunftsanfrage geht per Fax ans Unternehmen oder an die Behörde; die Angeschriebenen müssen per Brief antworten.

Bei der Auskunft über die gespeicherten Daten können ellenlange Briefe von vielen DIN-A4-Seiten zusammenkommen. Per digitaler Kommunikation lässt sich die Antwort deutlich preiswerter abwickeln. Das Portal Safe-Address ermöglicht es deshalb, dass Bürger und Verbraucher ihre De-Mail-Adresse für Antworten auf ihre Anfragen nach Bundesdatenschutzgesetz freischalten.

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