27.07.2011 (eh)
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Vor- und Nachteile von De-Mail und E-Postbrief

  • Inhalt dieses Artikels
  • Diskrepanzen zwischen Theorie und Praxis im Anmarsch
  • Rechtlicher Fokus bei E-Mail
  • E-Mail auszuspähen? Quasi unmöglich
  • De-Mail und die Sicherheit
  • De-Mail: Technische Restriktionen
  • Kritische Stimmen aus den Diskussionen bei Xing
  • Umstrittener Markt
  • Vorteil E-Postbrief: Hybridmail ist möglich
  • Gateway übernimmt auch das Adress-Rewriting
  • Mögliche Probleme in Zusammenhang mit dem E-Postbrief
  • Wird dies nun De-Mail beflügeln? Wird sich der E-Postbrief dranhängen können?
  • E-Mail vs. Social Media
  • Spam und Werbeflut schadet der E-Mail
  • Resümee

Am 3. Mai 2011 ist das De-Mail-Gesetz in Kraft getreten. Interessierte Anbieter können damit beim Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik die Akkreditierung als De-Mail-Diensteanbieter (»De-Mail-Provider«) beantragen. Die Entwicklungen rund um die Themen De-Mail und E-Postbrief wurden unter anderem in der Xing-Gruppe »Information & Document Management« kontrovers diskutiert. Eine Bestandsaufnahme rund um die Vor- und Nachteile der neuen Online-Brief-Generation.

von Dr. Ulrich Kampffmeyer, Geschäftsführer Project Consult Unternehmensberatung, und Agnieszka Wasniewski, Redaktionsleiterin Project Consult Unternehmensberatung.

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De-Mail-Logo (Bild: Bundesministerium des Innern)
Die Bundesregierung hat die De-Mail als rechtssicheres Kommunikationsmittel ins Leben gerufen und als Gesetz verabschiedet. Ziel dessen ist die Schaffung vertrauenswürdiger Lösungen für elektronische Kommunikation im Rechts- und Geschäftsverkehr, bei denen sich Teilnehmer der Sicherheit der Dienste, der Vertraulichkeit der Nachrichten und der Identität ihrer Kommunikationspartner sicher sein können. Zudem sollen die Stärkung der Rechtssicherheit im elektronischen Rechts- und Geschäftsverkehr durch verbesserte Beweismöglichkeiten gewährleistet werden. Allgemein geht es um die Schaffung eines rechtlichen Rahmens für eine rechtssichere Zustellung elektronischer Dokumente.

Im Rahmen der Akkreditierung müssen alle künftigen De-Mail-Provider nachweisen, dass sie die durch das De-Mail-Gesetz geforderten hohen Anforderungen an die organisatorische und technische Sicherheit der angebotenen De-Mail-Dienste erfüllen. Jeder Anbieter, der diese Anforderungen erfüllt, kann sich als De-Mail-Provider akkreditieren lassen. Bis jetzt haben United Internet (GMX, web.de), Mentana Claimsoft, Deutsche Telekom und Deutsche Post angekündigt, sich akkreditieren zu lassen. Zertifizieren darf beispielsweise das Essener Sicherheitsunternehmen secunet (ECMguide.de berichtete).

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Diskrepanzen zwischen Theorie und Praxis im Anmarsch

Das De-Mail-Projekt ist Bestandteil des Modernisierungsprogramms »Vernetzte und transparente Verwaltung« der Bundesregierung. Offiziell soll De-Mail das verbindliche und vertrauliche Versenden von Dokumenten und Nachrichten über das Internet ermöglichen. Laut Bundesministerium können sowohl die Identität der Kommunikationspartner sowie die Zustellung der De-Mails nachgewiesen werden. Die Inhalte einer De-Mail können auf ihrem Weg durch das Internet nicht mitgelesen oder verändert werden.

Abgesicherte Anmeldeverfahren und Verbindungen zu dem Provider sowie verschlüsselte Transportwege zwischen den Providern sorgen für einen verbindlichen Versand und Empfang von De-Mails. Doch die Diskrepanzen zwischen Theorie und Praxis scheinen sich bereits abzuzeichnen.

Rechtlicher Fokus bei E-Mail

Die Diskussion um den sicheren E-Mail-Transfer wird nicht nur in Zusammenhang mit De-Mail und E-Postbrief auf vielen Ebenen geführt. Hierbei stehen stets folgende Punkte im Fokus:
? De-Mail und E-Postbrief – Werbung entwerten die herkömmliche E-Mail in Bezug auf Sicherheit und Rechtswirksamkeit. So entsteht eine »E-Mail-Zwei-Klassen-Gesellschaft«,
? Das Thema Datensicherheit haben insbesondere Steuer-, Wirtschaftsberater, Juristen und deren Verbände in den Fokus gestellt. Es basiert auf einer weit verbreiteten und völlig falschen Vorstellung über das, was im Internet tatsächlich passiert, und wird oftmals überzogen argumentiert und ausgerechnet mit der konventionellen Papierpost verglichen, die fälschlicherweise als sicher bezeichnet wird.
? Briefpost wird in der Regel per Fahrrad-Postboten verteilt. Auch Einschreiben. Die Post ist dort für Passanten im Zugriff und es ist theoretisch jederzeit möglich, solche Post ohne besonderes Know-how abzufangen (ein Griff in den unbeaufsichtigten Korb genügt).
? Dass selbst Postboten so manches Sicherheitsleck in sich bergen, bedarf keiner zusätzlichen Erwähnung.

E-Mail auszuspähen? Quasi unmöglich

Bei der E-Mail und dem damit verbundenen Internettransfer hingegen verhält es sich anders. Wenn die E-Mail via DSL oder Glasfaser am Übergabe-/Einwahlpunkt Ihres Anbieters ankommt, ist sie in mehrere Teile zerlegt, jedes Teil hat seine Zieladresse bekommen, trifft in die Backbones mit TByte-Transportdimensionen ein, und strebt singulär der Zieladresse entgegen. Dort rauschen die Fragmente also gemeinsam mit den Internetseiten, den Downloads, dem IP-TV, dem Voice-over-IP, dem IP-Radio und was sonst noch alles angeboten wird, ihrem Ziel entgegen

Dabei sind alle konkurrierenden Datensätze auch noch fragmentiert. Dort eine E-Mail auszuspähen, ist aus vielerlei Gründen quasi unmöglich; dazu kommt noch, dass die einzelnen Fragmente nicht nur »getrennt« daher kommen, sondern möglicherweise gänzlich unterschiedliche Wege nehmen.

De-Mail und die Sicherheit

Wo könnte also die E-Mail ausgespäht werden? Primär zwischen PC, Router und dem Internet-Modem – also im ausschließlichen Einflussbereich des Versenders/Empfängers. Dann bleibt noch der Weg vom Internet-Modem zum Übergabe-/Einwahlpunkt. Und man erinnert sich an alte Krimis, als Menschen mit Kopfhörern an den grauen Post-Kästen saßen und Gespräche mithörten. Das ist rein theoretisch noch möglich, allerdings weitaus komplexer als bei seinerzeitigen analogen Telefonaten.

Wäre das einfacher, hätte Herr Schäuble seinen Bundestrojaner nicht erfinden müssen. Der einzige reale Abfragepunkt ist dann tatsächlich der E-Mail-Ziel-Server. Der steht entweder beim Empfänger, zumindest bei großen Unternehmen, sonst beim Provider (T-Online, Arcor, web.de etc.), und dort gibt es tatsächlich Zugriffsregularien, die übrigens gesetzlich gefordert sind (G-10-Abkommen nach dem Artikel 10 Grundgesetz oder international als Interception-Agreement bezeichnet). Um die kommen auch E-Postbrief und De-Mail nicht rum, so wie jeder Telefonanschluss.

Trotzdem ist verständlich, dass die Menschen Sicherheitsbedenken haben, wissen die ja nicht um die technischen Dinge, und zudem berichten die Medien oft genug von (völlig anders motivierten) Datenschutzvergehen. Also bleibt die Verschlüsselung, die es übrigens schon (fast) immer gibt. Sie wird jedoch gemieden, denn Sender und Empfänger müssen sich vor dem Versand auf eine Technologie einigen und die verschiedenen Versand- bzw. Empfangsschlüssel in ihren E-Mail-Programmen verwalten.

De-Mail: Technische Restriktionen

1) Die E-Mail-Adresse: Die Einrichtung einer neuen (zusätzlichen) E-Mail-Adresse, die noch dazu unlogisch, unvertraut und verwechslungsgefährdet aufgebaut ist, findet im Markt keine Akzeptanz. Zur Erinnerung: Adressen nach dem weltweit üblichen Schema vorname.name@firma.de sind nicht möglich, die Adresse endet zwingend mit dem zertifizierten Betreiber-Namen und lautet z.B. vorname.name.475@t-online.De-Mail.de.
2) Die geschlossene Benutzergruppe: Es ist nicht möglich, eine De-Mail oder einen E-Postbrief aus der (noch marginal kleinen) Gruppe heraus zu versenden. Selbst wenn davon ausgegangen wird, dass sich jeder Bürger eine solche Adresse beantragt und auch nutzt, endet der Dienst spätestens an der Landesgrenze. Hier würde sich Deutschland tatsächlich abschaffen – oder zumindest kommunikationstechnisch abkoppeln.
3) Die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung: Die De-Mail wird trotz großer Sicherheitsbedenken ohne Ende-zu-Ende-Verschlüsselung gesetzlich geregelt. Hinsichtlich des Themas Verschlüsselung der De-Mail bleibt es bei dem einfachen Versprechen des Beauftragten der Bundesregierung für Informationstechnik, wonach gilt: Die Inhalte einer De-Mail können auf ihrem Weg durch das Internet nicht mitgelesen oder gar verändert werden. Denn abgesicherte Anmeldeverfahren und Verbindungen zu dem Provider sowie verschlüsselte Transportwege zwischen den Providern sorgen für einen verbindlichen Versand und Empfang von De-Mails. Fachexperten und der Bundesrat halten diesen Sicherheitsstandard der De-Mail für unzureichend und hatten Bedenken angemeldet.
4) Anbindung und Einbindung: Die Frage nach einer einheitlichen API (Application Programming Interface) als Schnittstelle für Unternehmen, die ihre De-Mails direkt in das firmeninterne Emailsystem einbinden wollen, ist nicht genau geklärt. Unklar ist, wie die De-Mail den direkten Weg in die Postkörbe des Unternehmens findet.
5) Individuelle Anwender: Problematisch wird die personenbezogene Authentifizierung für Personen, die für ein Unternehmen handeln, denn die Verantwortung liegt bei ihnen selbst.

Kritische Stimmen aus den Diskussionen bei Xing

Ganz abgesehen davon, dass unklar ist, ob oder wann nun der E-Postbrief auch den Anforderungen des De-Mail-Gesetzes entspricht, haben bereits im vergangenen Jahr Warentester dem E-Postbrief ein schlechtes Zeugnis ausgestellt. Hierzu berichtet der Spiegel am 3.08.2010 »Online-Brief – Warentester nennen E-Postbrief ‚unausgereift’«.

Bei all der Kritik an Verschlüsselung, termingerechter Zustellung, Überwachung etc. – bei De-Mail und auch beim E-Postbrief bleibt eine Reihe von Fragen im Rahmen des Informationsmanagements bisher fast völlig unberücksichtigt:
? Wie verwalte ich meine empfangenen und versendeten E-Postbriefe und De-Mails?
? Wie stelle ich sicher, dass empfangene und versendete Formate auch noch in ein paar Jahren – Aufbewahrungsfristen lassen grüßen – lesbar sind?
? Wie ordne ich zum Beispiel in meinem Archiv versendeten E-Postbriefen und/oder De-Mails die Zustellbescheinigungen zu?
? Was mache ich denn, wenn ich einen E-Postbrief ausgedruckt erhalte, der ein qualifiziert elektronisch signiertes Dokument enthielt?
? Wie kann ich meiner E-Mail-Software beibringen, De-Mails und E-Postbriefe automatisch zu erkennen und vor irgendeiner manuellen Operation automatisch zu archivieren?
? Wie verhindere ich, dass – gefakte – De-Mails mir Viren ins System schleppen?
? Wer ist in meinem Unternehmen zuständig für Empfang und Versand – oder bekommt jeder eine eigene Firmen-De-Mail- und E-Postbrief-Adresse nebst qeS-Signatureinheit und -Karte?

Bei E-Postbrief und De-Mail wird nur an der Oberfläche gekratzt, aber immer mehr Details kommen zum Vorschein, die gegen die spezifisch deutsche Eigenheit sprechen. Die Behörden in Deutschland versuchen E-Mail neu zu erfinden, und besser geworden ist es dabei nicht. Schon bekommt die Diskussion um die elektronische Signatur wieder Auftrieb – besonders beim nPA –, denn dann kann man ja – wer will zusätzlich verschlüsseln, zum Beispiel mit PGP – auch einfach signierte Dokumente per normaler Mail versenden.

Am einfachsten wäre es, man würde beide Ansätze, De-Mail wie auch E-Postbrief, ganz vergessen, denn im Web zeichnet sich schon der nächste Schritt, weg von der E-Mail, ab: kontrollierte Nachrichten identifizierter Personen in Portalen oder Communities. Da wird nichts mehr versendet. Alles bleibt in einem geschlossenen System mit Login und sauberer Protokollierung – und kann natürlich dann auch datenbankorientiert sauber gespeichert und gegebenenfalls auch archiviert werden.

Umstrittener Markt

Die Wogen gehen hoch zwischen der Deutschen Post einerseits und den De-Mail-Anbietern wie zum Beispiel T-Systems, GMX und web.de andererseits. Es geht um einen großen Markt. Es geht um »vermeintliche« oder echte Sicherheit in Bezug auf Zustellung, auf Authentizität der Nachricht, Absender-Identität, Nicht-Abstreitbarkeit des Empfanges und vieles mehr. Bei der Post kommt noch die Brücke zur Papierwelt hinzu. Die »Wirtschaftswoche«, »Spiegel« und »CIO« haben das Thema, das offenbar auf dem letzten nationalen IT-Gipfel hochkochte, bereits aufgegriffen.

Das Versenden der »E-Postbriefe« erfolgt auf dem guten alten Postweg. Auf diese Weise verspricht sich die Post ein umfassendes Facelift, das durch die Portokosten von 0,55 Euro pro E-Postbrief finanziert werden soll. Immerhin darf man für 0,55 Euro ganze 20 MByte verschicken. Einschreiben mit Einwurf und Einschreiben mit Empfangsbestätigung (online, nicht auf Papier) kosten extra, je 1,60 Euro. Der E-Postbrief gilt als ein Konkurrenzangebot zur bundesverbindlichen De-Mail, obwohl im letzten Jahr die Post noch auf den Zug der De-Mail mit aufspringen wollte. Die Kosten für eine De-Mail werden voraussichtlich 0,15 Euro betragen.

Vorteil E-Postbrief: Hybridmail ist möglich

E-Postbrief: Kann auch ausgedruckt per Briefpost zugestellt werden (Bild: Deutsche Post)
E-Postbrief: Kann auch ausgedruckt per Briefpost zugestellt werden (Bild: Deutsche Post)
Während bei der De-Mail der Versand der Post nur an Empfänger möglich ist, die auch über ein De-Mail-Konto verfügen, ist für den E-Postbrief vorgesehen, dass papierbasierte Briefe eingescannt werden oder im Umkehrschluss ausgedruckt werden können, und auf traditionellem Postwege zugestellt werden können. Dieses Verfahren nennt sich dann Hybridmail.

Was die Verbindlichkeit beider Verfahren angeht, so gilt für die De-Mail, dass Absender und Empfänger zweifelsfrei zu identifizieren sind. Eine De-Mail gilt nach drei Tagen als zugestellt (inklusive der Sonn- und Feiertage!). Bei dem E-Postbrief sind Absender und Empfänger ebenfalls zweifelsfrei zu identifizieren, laut AGB wird der Nutzer aufgefordert, mindestens einmal werktäglich den Eingang in seinem Nutzerkonto zu kontrollieren. es wird davon ausgegangen, dass der Nutzer jeden E-Postbrief daher spätestens am nächsten Werktag zur Kenntnis genommen hat.

Beim E-Postbrief steht für große Sendungsmengen eine Schnittstelle für Massenkommunikation (MKG), dem so genannten Massenkommunikations-Gateway zur Verfügung. Darüber werden Datenströme aus Ihrer IT-Anwendung mittels einer sicheren Verbindung (VPN – Virtual Private Network) an den E-Postbrief geleitet. Empfänger, die über eine E-Postbrief-Adresse verfügen, erhalten die Sendung elektronisch zugestellt. Sendungen, die nicht an einen elektronischen Briefkasten zugestellt werden können, werden automatisch zur Druckapplikation geleitet und dort gedruckt, kuvertiert und anschließend an die Postadresse des Empfängers zugestellt.

Gateway übernimmt auch das Adress-Rewriting

Alle Mails an die Firma werden dann von ePost über das Gateway an den im Gateway hinterlegten Mailserver weiter geleitet. Umgekehrt wird der Firmen-Mailserver derart eingestellt, dass alles an epost.de nicht mehr über das Internet, sondern quasi »intern« über den kurzen Dienstweg an den Gateway übermittelt wird. Der Gateway sichert diese Verbindung durch einen IP-Filter ab, das heißt, nur der interne Mailserver darf den Gateway erreichen.

Der Gateway übernimmt auch das Adress-Rewriting, das heißt, als Firma stelle ich EPost eine Liste mit Mailadressen bereit, diesen »öffentlichen Mailadressen« werden zusätzlich EPost-Adressen zugewiesen. EPost vergibt eine Adresse in der Form xyz@firma.epost.de. Jede Firma ist also wie bei DE-Mail eine Subdomain.

Mögliche Probleme in Zusammenhang mit dem E-Postbrief

? Abwesenheitsmeldungen (OOF); Diese sollte man auf jeden Fall für diese Domain abstellen, denn neben den Kosten helfen Sie nicht weiter. Laut AGBs fordert ePost, dass Mails im Postfach täglich gelesen werden. Das kann teuer werden.
? Keine Quittungen: Die zweite Unart sind die Anforderung von »gelesen«-Quittungen. Zwar freut sich der Absender über die Bestätigung der Zustellung, aber man bezahlt dafür zusätzlich. Theoretisch könnte ePost solche Quittungen sehr einfach erkennen und zum Beispiel nicht oder anders berechnen.
? Automatische Antworten per regelbasiertes Weiterleiten von Mails können sehr schnell zu irreführenden und schlecht überschaubaren Schleifen führen.

Wird dies nun De-Mail beflügeln? Wird sich der E-Postbrief dranhängen können?

Dass sich die Begeisterung für zusätzliche E-Mail-Adressen in Grenzen hält, dürfte nicht weiter verwundern. Die ganze Systematik erinnert an die Einführung anderer vom Standard abweichender Dienste, die jeden Nutzer auf eine ziemlich einsame Insel brachten. Teletex oder Fax-Gruppe 4 waren solche Dienste, die gegen die etablierten Kommunikationsstandards chancenlos blieben.

Für viele stellt sich schon längst die Frage nach der Ablösung der »altertümlichen« E-Mail-Kommunikation. Es gibt sie immerhin seit über 25 Jahren, und sie hat mit Attachements, Verschachtelung, eigenständigen Versendesystemen und anderen Unzulänglichkeiten zur Unbeherrschbarkeit der Informationsflut in den Unternehmen beigetragen – von ordnungsmäßiger Verwaltung, Archivierung und rechtlicher Anerkennung im Streitfall einmal ganz zu schweigen. Die Alternative kennen wir schon: über Portale datenbankgestützt kommunizieren. Nichts wird mehr versendet.

E-Mail vs. Social Media

So funktioniert zum Beispiel auch das Nachrichtensystem auf Xing und zunehmend auch die Nachrichtensysteme in E-Business-Portalen (zum Beispiel zur Beschaffung), in Intranets und Social-Software. Die zentrale Kontrolle bleibt erhalten. Man muss sich nicht mehr darum kümmern, ob eine Nachricht wirklich versendet wurde, ob sie wirklich empfangen wurde. Dies alles passiert – kontrolliert oder kontrollierbar – in einem System.

Und deshalb ist ja auch der Vorstoß von Facebook und von Google mit ihren Universal-Inbox-Communication-Lösungen so interessant und zugleich auch so gefährlich. Jeder der mehr als eine halbe Milliarde Facebook-Nutzer erhält auf Wunsch seine eigene E-Mail-Adresse mit der Endung @facebook.com. Der neue Dienst aber soll mehr sein als nur ein neues elektronisches Postfach: Das Facebook-Kommunikationssystem fasst neben den traditionellen Nachrichten auch SMS und Instant-Messages zusammen.

In Deutschland gelten kontroverse Meinungen darüber, inwiefern wir überhaupt noch so etwas wie De-Mail und E-Postbrief zusätzlich zur E-Mail brauchen, während international schon der Trend weg von der E-Mail zu laufen scheint. Zahlen und Erfahrungen aus dem B2B- und B2C-Segment belegen einerseits die stets rege Nutzung von E-Mail. So werden weltweit täglich ca. 220 Milliarden E-Mails versandt.

Spam und Werbeflut schadet der E-Mail

Freilich ist ein erheblicher Anteil davon Werbung oder gar das, was wir als Spam bezeichnen. In den physikalischen Briefkästen der KMU oder Privatpersonen sieht es ähnlich aus, denn der überwiegende Inhalt der Papierpost ist Werbung, schließlich umfasst das adressierte Werbevolumen der klassischen Postdienste 47 Prozent, die lokalen Werbebotschaften kommen da noch dazu. Auch aus diesem Grund werden in Deutschland jährlich ca. 500 Millionen Einschreiben versandt. In England, das gut 30 Millionen Einwohner weniger hat, sind es übrigens knapp 600 Millionen Einschreiben – also etwa eins pro Monat und Einwohner.

Andererseits sehen Branchengrößen wie das US-Marktforschungsinstitut Gartner mittlerweile einen Trend weg von der herkömmlichen E-Mail hin zu Social-Networks. Die stark strukturierte Mail-Kommunikation im Geschäftsleben ist demnach bald Vergangenheit. Mailen und der Kontakt über Blogs und soziale Medien verzahnen sich, und Anwendungen wie Microblogging setzen sich durch.

Immer mehr Mitarbeiter in Unternehmen nutzen soziale Netzwerke zur geschäftlichen Kommunikation. Bis 2014 werden laut Gartner ein Fünftel der Business-User auf diese Weise Daten und Informationen untereinander austauschen. Social-Networking ist damit auf dem besten Weg, E-Mail-Anwendungen als primäres Kommunikations-Tool im Geschäftsleben zu verdrängen. Die Gründe, die Gartner dafür in seiner Untersuchung nennt, liegen im demografischen Wandel, in der allgemein zunehmend mobileren Arbeitsweise und Nutzung von Social-Media-Anwendungen via Smartphone und. Demnach steht ein weiterer Paradigmenwechsel im Business-Umfeld an.

Resümee

Unabhängig von der Vielfalt der E-Mail-Lösungen (und -Probleme) wird sich das Kommunikationsverhalten nachhaltig durch Social-Media und Mobile verändern. Hier gilt es, möglichst keine deutschen Sonderwege einzuschlagen.

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