04.10.2013 (eh)
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ZUGFeRD könnte sich tatsächlich durchsetzen

  • Inhalt dieses Artikels
  • ZUGFeRD: sichtbarer PDF-Teil plus unsichtbare XML-Daten
  • Umsatzsteuerlichen Pflichtangaben sind als Pflichtfelder definiert
  • ZUGFeRD hat das Zeug zur internationalen Akzeptanz
  • Finaler Release-Candidate Ende des Jahres avisiert

Noch kurz vor der »DMS Expo 2013« vergangenen Monat konstatierten wir auf ECMguide.de: »Es könnte Hype rund um ZUGFeRD geben.« Den gab es in der Tat. Alle darin involvierten Unternehmen legten sich mächtig ins Zeug, das Thema auf der Stuttgarter Messe hochzuheben. Es war eines der wirklich interessanten Diskussionspunkte auf dem Event.

Datenmodell von ZUGFeRD basiert auf internationalem »Cross Industry Invoice«-Standard (Bild: FeRD)
Datenmodell von ZUGFeRD basiert auf internationalem »Cross Industry Invoice«-Standard (Bild: FeRD)
Fachleute sind sich jedenfalls einig: Der Siegeszug des elektronischen Rechnungsaustauschs ist nicht mehr aufzuhalten. »Jüngste Hochrechnungen zeigen, dass Wirtschaft und Verwaltung in Deutschland bei einem flächendeckenden Umstieg von der papierbasierten zur E-Rechnung viele Milliarden Euro pro Jahr einsparen könnten«, erklärte Stefan Engel-Flechsig, Leiter des Forums elektronische Rechnung Deutschland (FeRD) auf der Fachmesse in Stuttgart.

ZUGFeRD: sichtbarer PDF-Teil plus unsichtbare XML-Daten

Interessant dabei: Laut Engel-Flechsig arbeiten alle 28 EU-Mitgliedsstaaten an Formaten für die elektronische Rechnung. Die ZUGFeRD-Entwicklung scheint relativ weit gediehen zu sein. Und vor allem ist die technologische Basis relativ simpel: es ist das PDF/A3-Format. Bedeutet: Grundsätzlich liegt die elektronische Rechnung im ZUGFeRD-Datenformat stets in zwei technischen Versionen vor: in einer für das menschlichen Auge lesbaren bildhaften Darstellung im PDF/A-Format und in einem inhaltlich identischen Rechnungsdatensatz im XML-Format.

»Dabei wird die XML-Datei als Dateianhang in das zugehörige PDF/A-Dokument eingebettet«, erläutert Dr. Bernd Wild, Geschäftsführer des Softwareherstellers intarsys und AP3-Leiter im Forum elektronische Rechnung Deutschland (FeRD). Dem Rechnungsempfänger, so Wild, bleibe es dann überlassen, ob er seine Rechnungsbearbeitung manuell bzw. halbautomatisch auf Basis des PDF-Beleges oder automatisiert auf Basis der XML-Datei organisiert.

Umsatzsteuerlichen Pflichtangaben sind als Pflichtfelder definiert

ZUGFeRD-Präsentation auf der DMS Expo 2013 (v.l.n.r.): Dr. Friedrich-Wilhelm Haug, Jürgen Biffar, Dr. Bernd Wild, Andreas Pelekies, Stefan Engel-Flechsig (Bild: ECMguide.de)


Diese beiden inhaltlich identischen Formate können sowohl als Buchungshilfen in ERP-Systemen als auch zur bildhaften Darstellung in Workflow- und Archivsystemen genutzt werden. »Im Unterschied etwa zur Papier- oder reinen PDF-Rechnung sind bei ZUGFeRD auch die umsatzsteuerlichen Pflichtangaben als Pflichtfelder definiert, die dadurch für die automatisierte Validierung der Rechnungsinhalte genutzt werden können«, betont Andreas Pelekies, Senior Projektmanager EDI/E-Business bei GS1 Germany und einer der Leiter des Arbeitspaketes AP 3, Technische Standards und ZUGFeRD, im FeRD. Somit lasse sich der gesamte Rechnungsprüfungsprozess ohne Medienbruch realisieren und vollständig automatisieren.

So toll sich auch alles anhört – es gibt auch Kritiker wie Dr. Ulrich Kampffmeyer, Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Project Consult. Er moniert zum einen, dass ZUGFeRD nur eine lokale deutsche Lösung ist. Und zum anderen: »Dass die ECM-/DMS-Anbieter drauf springen, ist ja gut. Aber wo bleiben die ERP-Anbieter?«

ZUGFeRD hat das Zeug zur internationalen Akzeptanz

Hier hält Pelekies dagegen, dass ZUGFeRD durchaus das Zeug hat, sich international auch zu etablieren. Denn das Datenmodell basiere auf dem internationalen »Cross Industry Invoice«-Standard. ZUGFeRD gibt es deshalb in drei Ausprägungen: »Extended« ist die umfangreichste Form, und basiert fast ausschließlich auf dem internationalen »Cross Industry Invoice«-Standard; gedacht für Großunternehmen mit viel internationalem Rechnungsverkehr. »Comfort« ist etwas einfacher, und sollte vor allem für die meisten Mittelständler reichen. »Basic« schließlich ist für Buchungen vor allem von Klein- und Kleinstunternehmen gedacht.

Was die ERP-Anbieter anbelangt, verweist Jürgen Biffar, stellvertretender Vorstandsvorsitzender des Kompetenzbereiches ECM beim Hightech-Verband Bitkom, auf das Softwarehaus Sage. Das entsprechende ERP-Paket könne schon das ZUGFeRD-Format verarbeiten. Er erwartet, dass weitere ERP-Häuser folgen dürften.

Finaler Release-Candidate Ende des Jahres avisiert

Wichtig ist aber freilich ein finaler Release-Candidate. Die jetzige Version, die seit Frühsommer vorliegt, ist eine Art 0.9er Release. Eine finale 1.0er Version avisiert Engel-Flechsig für »Ende November, Anfang Dezember«. Dann könnte es wirklich aufwärts gehen.

»Letzten Endes«, sagt Georg Bögerl, bei der Datev eG unter anderem zuständig für die Umsetzung des ZUGFeRD-Modells, »steckt das Potenzial in der automatisierten Verarbeitung strukturierter Daten, so wie es das ZUGFERD-Format sicherstellt.« Mit wenigen Klicks, so Bögerl, können auf Basis von ZUGFeRD Buchungen ausgeführt und Zahlungen ausgelöst werden. Die Datev ist von einem ZUGFeRD-Erfolg so überzeugt, dass es laut Bögerl »der einzige Non-Datev-Standard ist, den wir unterstützen«.

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