05.12.2013 (as)
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Interview zu Scan-Trends mit Peter Schnautz, Inotec

Inotec ist Hersteller von Produktionsscannern, die Geschäftsführer Peter Schnautz als Schlüsselkomponenten für effizientes Enterprise-Content-Management betrachtet. Allerdings warnt er vor Gesamtpaketen aus Hard- und Softwarelösungen eines derzeit sehr preisaggressiv auftretenden Wettbewerbers, da dies aus seiner Sicht Kunden häufig in eine gefährliche Abhängigkeit führt.

Wo sehen Sie allgemein das größte Sicherheitsrisiko, wenn es um die Digitalisierung und die elektronische Bearbeitung und Archivierung von Dokumenten geht?

Peter Schnautz, Inotec (Bild: Inotec)
Schnautz: Wichtig für einen reibungslosen Prozessablauf ist die Aufbereitung des Scan-Guts. Dies sorgt dafür, dass bei der Digitalisierung sicherheitsrelevante Dokumente auch im richtigen Ordner landen beziehungsweise in die vorgesehenen Workflows integriert werden. Fatal wäre auch, wenn sensible Informationen ungeschützt eingesehen werden können. Dagegen helfen eindeutige Regelungen der IT-Sicherheit.

Anwender streben möglichst automatisierte Scanprozesse an. Wie lassen sich diese am besten realisieren?

Schnautz: Wichtigste Voraussetzung für automatisierte Scanprozesse ist die eindeutige Definition der gesamten Arbeitsabläufe. Dabei sollten auch die Ausnahmen eine große Beachtung finden. Man sollte sich darüber im Klaren sein, dass eine 100-prozentige Automatisierung - auf eine Organisation betrachtet – nicht erreichbar ist. Von hoher strategischer Bedeutung ist das Regelwerk für die Erkennung der Belege. Regeln steuern die Suche nach Schlüsselwörtern im Text. Abhängig vom ermittelten Beleg-Typ steuert der Capture-Flow die Dokumente in den passenden Postkorb. Automatisierte Scanprozesse sind zudem das Resultat eines weitgehend störungsfreien Papierflusses. Schlecht aufbereitete Belege oder Bedien- und Eingabefehler können zu Stillstandszeiten führen und eine zusätzliche manuelle Korrektur notwendig machen.

Welche Anforderungen an Produktionsscanner stehen ansonsten auf Kundenseite gegenwärtig im Vordergrund?

Schnautz: Produktionsscanner sind eine Schlüsselkomponente für ein effizientes Enterprise Content Management. Entsprechend gestiegen sind die Ansprüche. Der Bedarf geht hin zu Scannern, die mehrere Kriterien gleichzeitig erfüllen: eine hohe Erfassungsgeschwindigkeit in bester Image-Qualität, ein nahezu unterbrechungsfreies Scannen, ergonomische Bedienung und niedrige Gesamtbetriebskosten. Zusätzlich sollte das System flexibel genug sein, sich unterschiedlichen Anwendungsszenarien anzupassen und mit den Kundenanforderungen zu wachsen.

Welche technischen Innovationen bestimmen das Segment der Produktionsscanner?

Schnautz: Mit intelligenten Lösungen der Papierzuführung wird ein kontinuierliches Arbeiten am Gerät ermöglicht. So haben wir für den neuen »SCAMAX 8x1« Produktionsscanner einen Doppelanlage-Tisch entwickelt, der zwei Papierzuführungsschächte mit je 1.000 Blatt Fassungsvermögen besitzt. Während aus einem Anlagefach abgearbeitet wird, lässt sich das zweite bereits mit neuen Dokumenten bestücken. Technologie-Fortschritte im Glas-Bereich ermöglichen den Einsatz langlebiger und robuster Glas-Elemente in Dokumentenscannern. Der Scamax 8x1 zum Beispiel setzt ein Spezialglas von Schott ein, das als besonders kratz- und bruchsicher gilt. Damit können auch Heftklammern dem Gerät nichts anhaben. Durch den Einsatz von Elektronikkomponenten der neuesten Generation wird eine hohe Verarbeitungsgeschwindigkeit, auch bei großen Datenmengen, erzielt. Inotec setzt bei seinem neuesten Modell digitale Signalprozessoren ein, die im Vergleich zur vorherigen Generation einen Leistungsvorteil von eins zu zehn aufweisen. Das bedeutet, ein Prozessor bietet die gleiche Leistung wie zehn des Vorgängermodells.

Inotec setzt seit langem auf ein nachhaltiges Produktdesign. Welche Hauptvorteile ergeben sich daraus für Sie und Ihre Kunden?

Schnautz: Ein nachhaltiges Produktdesign schafft eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten. Indem Inotec langlebige Komponenten verwendet und über den gesamten Lebenszyklus Aufrüstungs- und Erweiterungsmöglichkeiten bietet, werden lange Einsatzzeiten erzielt. In Verbindung mit einem langfristig konzipierten Service und Support ergeben sich für unsere Kunden niedrige Gesamtbetriebskosten. Die eingesparten finanziellen Mittel kann der Kunde für andere Investitionen einsetzen. Doch auch Inotec hat geschäftliche Vorteile. Denn zufriedene Kunden kaufen mehr oder kommen wieder. Zudem beinhaltet ein nachhaltiges Produktdesign auch eine sozial- und umweltverträgliche Herstellung. Dazu gehören faire Löhne und strenge Umwelt- und Arbeitsschutzvorschriften. Das steigert die Mitarbeitermotivation und sorgt für eine hohe Identifikation mit dem Unternehmen Inotec und seinen Zielen.

Wie groß ist die Nachfrage aktuell nach Produktionsscannern in Deutschland und weltweit?

Schnautz: Die Nachfrage nach Produktionsscannern weltweit bewegt sich seit Jahren auf einem guten Niveau. Besonders bei Volkszählungen, Wählerregistrierungen, Steuer-Erfassungen, Archiv-Digitalisierungen oder großen Posteingangs-Anwendungen spielen Produktionsscanner ihre Vorteile aus. Das jährliche Wachstum bewegt sich weltweit bei ca. sieben bis acht Prozent.

Wie stellt sich aus Ihrer Sicht die Wettbewerbssituation im Markt für Produktionsscanner dar?

Schnautz: Ein renommierter Player agiert aktuell sehr preisaggressiv. Wir sehen das als Zeichen eines bewussten Verdrängungswettbewerbs. Über die Hardware hinaus sollen dann den Kunden verstärkt Software-Anwendungen in Richtung »Intelligentes Datenmanagement« angeboten werden. Wir sehen darin die große Gefahr von einem Angebotsoligopol mit Schaden für den gesamten Markt. Denn Anbieter spezialisierter Integrationssoftware werden sukzessive hinausgedrängt. Das schadet vor allem vielen mittelständischen deutschen Unternehmen und kostet Arbeitsplätze. Und der Kunde gerät in eine gefährliche Abhängigkeit und verliert dadurch seine Flexibilität. Geschlossene Systeme verhindern, dass Scanner über offene Schnittstellen mit Software-Anwendungen unterschiedlichster Hersteller verbunden werden können.

Welches Konzept stellen Sie dem »Alles aus einer Hand« entgegen?

Schnautz: Entsprechend der Vielzahl der Kundenbedürfnisse gibt es auch verschiedene Software-Anwendungen. Die Kunst besteht darin, die für die jeweilige Aufgabe beste Kombination aus Hard- und Software zu finden und erfolgreich zu implementieren. Genau an diesem Punkt setzen die Inotec Kompetenz-Pools an. Dort bündeln wir das gesamte Know-how von Inotec und seinen Partnern zum Thema »Input Management«. Die Kompetenz-Pools basieren auf einer fairen Partnerschaft mit Systemhäusern, Integratoren und VARs, die allesamt fachliches Spezialwissen, Branchen-Know-how und Projekterfahrung besitzen. Der Kunde erhält die für seine Anforderung beste Lösung präsentiert und behält seine Unabhängigkeit im gesamten Projekt. Er kann das angebotene Wissen zur Weiterbildung seiner Mitarbeiter einsetzen und gleichzeitig das eigene Mitarbeiter-Potenzial bei der Lösung der ECM-Problemstellung aktivieren. Die Kompetenz-Pools stellen zudem einen First-Class Service sicher. Dabei besitzt der Kunde die Wahlfreiheit, wer den Service durchführt, entweder spezielle Service-Partner oder er selbst.

Wie schätzen Sie die weitere Entwicklung des Dokumenten-Scanning ein?

Schnautz: Mittelfristig erwarten wir eine stabile, leicht steigende Nachfrage im Markt für Produktionsscanner. In den Archiven einiger Branchen - wie im Gesundheitssektor, in der öffentlichen Verwaltung und in Versicherungen – liegen große Mengen an Papierdokumenten, die noch nicht digitalisiert sind. Diese reichen teilweise, beispielweise bei den staatlichen Versicherungsträgern, bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts zurück.