04.06.2014 (eh)
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Lexmark: Vom Druckerhersteller zum Lösungsanbieter

  • Inhalt dieses Artikels
  • »Lexmark Data Story« etabliert sich
  • Analysten ordnen Perceptive als führenden ECM-Anbieter ein
  • Fokus auf Big Data, Archivierung und Wachstum unstrukturierter Daten
  • »AccuRead«-OCR-App für Lexmark-Multifunktionsgeräte
  • Lexmark sucht derzeit nach Industry-Consultants

Der Druckerhersteller Lexmark hat in den letzten vier Jahren eine unvergleichliche Neuausrichtung hingelegt. Durch die Übernahme zahlreicher Softwarehäuser hat man sich ein starkes ECM-Standbein geschaffen. Andreas Duthel, Director Global Services von Lexmark, erläutert gegenüber ECMguide.de die dahinterstehende Strategie.

Intelligent-Capture, Content-Management, Search, Document-Composition sowie Business-Process-Management (BPM) sind die fünf Grundpfeiler der Strategie von Lexmark/Perceptive Software (Bild: Lexmark)Der Übernahme-Reigen von Softwareunternehmen bei Lexmark ist immer noch nicht gestillt. Erst kürzlich hat Lexmark ein Übernahmeangebot für den Spezialisten für Rechnungseingangslösungen ReadSoft abgegeben. Bei einer erfolgreichen Übernahme würde Lexmark erneut seine eroberte Position in der Liste der weltweiten ECM-Top-10-Unternehmen festigen. Auch Readsoft würde nach der Übernahme – wie alle von Lexmark akquirierten Softwarehäuser – der Lexmark-Software-Division Perceptive Software unterstellt. Readsoft wäre damit die mittlerweile elfte Akquisition. Hierzulande war der größte Aufmerksamkeitserreger die Übernahme des Berliner ECM-Softwarehauses Saperion vor rund einem dreiviertel Jahr.

In Perceptive Software bündelt Lexmark sein gesamtes Software-Know-how rund um Capture-, Content- und Process-Management. Perceptive wurde vor fast genau vier Jahren ebenfalls übernommen, und stellt seither den Kern des Lösungsgeschäfts von Lexmark dar.

»Lexmark Data Story« etabliert sich

Mit den ganzen Übernahmen entwickelt sich eine Art »Lexmark Data Story«, wie es Andreas Duthel, Director Lexmark Global Services DACH, nennt. Lexmark positioniert sich damit für die derzeitigen Herausforderungen im Bereich Datenmanagement und Output – verursacht durch den zunehmenden Anstieg an unstrukturierten Daten im Unternehmen.

Mit den Perceptive-Lösungen geht es Lexmark darum, dass Unternehmen wichtige Dokumente erfassen, verarbeiten und bereitstellen können, und dass sie ihre unstrukturierten Informationen mit den Prozessen, Anwendungen und Mitarbeitern verbinden können, die diese Inhalte gerade benötigen. »Kurz gesagt: Unstrukturierte Inhalte für die Geschäftsprozesse nutzbar machen«, erläutert Duthel, »bzw. Prozesse optimieren und Informationen zugänglich machen.«

Analysten ordnen Perceptive als führenden ECM-Anbieter ein

Andreas Duthel, Director Global Services DACH, LexmarkAnalysten wie Forrester und Gartner erkennen Perceptive mittlerweile als führenden ECM-Anbieter an. Damit hat Lexmark andere Anbieter, die ebenfalls aus dem Umfeld Drucken/Scannen/Kopieren kommen und ihre Hardware mit Softwarelösungen aufpeppen, in einem vierjährigen Durchmarsch links außen überholt.

Die Hinwendung zu ECM und Softwarelösungen kam für Lexmark aus der Erkenntnis, dass die Unternehmenskunden zunehmend ganzheitliche Lösungen wollten, anstatt immer nur neue Drucker-Hardware. »Auch die Bedeutung des Mediums Papier veränderte sich, und verändert sich noch«, erzählt Duthel. »Die Menge von Daten, die in die Unternehmen einzieht, und die nicht von Microsoft-Office-Applikationen stammen, nimmt rapide zu.«

Fokus auf Big Data, Archivierung und Wachstum unstrukturierter Daten

Aus diesem Grund hat Lexmark eine ganze Reihe an Unternehmen zugekauft, um ihre Kunden bei den neuen Disziplinen rund um Big Data, Archivierung und extremes Wachstum bei unstrukturierten Daten zu unterstützen. Die Technologien und Produkte bündelt Lexmark in fünf Segmente:
► Capture bzw. Dokumenten- und Datenerfassung
► Enterprise-Content-Management (ECM)
► Search (unternehmensweites Suchen)
► Document Composition (Dokumentenerstellung)
► Business-Process-Management (BPM)

Teilweise haben sich hier auch Managed-Print-Services (MPS) etabliert. »Wir haben etliche Kunden, die bereits im zweiten oder sogar schon dritten MPS-Zyklus sind«, bekundet Duthel. Kunden, die MPS umsetzten, hätten beeindruckende Einsparungen erzielt. »Die Einsparungen mit MPS«, betont Duthel, »sind bereits vom ersten Tag an enorm und steigern sich mit dem Einsatz von Lösungen noch weiter deutlich.« Jetzt geht es Lexmark darum, die MPS-Lösungen mit den neuen zugekauften Technologien und Lösungen langsam zu verheiraten.

»AccuRead«-OCR-App für Lexmark-Multifunktionsgeräte

Ein ganz einfaches Beispiel dafür sei die kürzlich vorgestellte »AccuRead«-OCR-App, die für die Lexmark-Multifunktionsgeräte (MFP) angeboten wird. Die App erstellt durchsuchbare PDFs und wandelt Papierdokumente in ein RTF- oder TXT-Textbearbeitungsformat um. Der Vorteil: Eine einfachere Informationssuche und editierbare Inhalte statt manueller Texteingabe oder serverbasierter OCR-Lösung. In den Multifunktionsgeräten steht die App anderen Lexmark-Anwendungen wie »Scan-to-E-Mail«, »Scan-to-Network« oder »Scan-to-Network Premium« unmittelbar zur Verfügung. Indem die AccuRead-OCR-App durchsuchbare PDFs erstellt, verbessert sie den Zugriff auf unstrukturierte digitale Informationen, wann immer diese benötigt werden.

Lexmark hat in einer Umfrage kürzlich herausgefunden, dass 83 Prozent der Befragten einen deutlichen Trend zur Verarbeitung immer größerer Datenmengen im Unternehmen sehen. Aber: 59 Prozent bemängeln zeitaufwändige und fehleranfällige Admin-Prozesse. Ein Drittel der Befragten verbringe drei Stunden oder mehr pro Woche allein mit der Bearbeitung von Verwaltungsaufgaben. 70 Prozent denken außerdem, dass der Aufwand in den vergangenen fünf Jahren zugenommen habe.

Hier passt die AccuRead-OCR-App wie die Faust auf das berühmte Auge. Denn sie macht aus unstrukturierten Ausgangsmaterialien wie Rechnungen, Verträgen oder Bewerbungsunterlagen durchsuchbare Daten und editierbare Inhalte. So können Unternehmen der Herausforderung Big Data leichter begegnen.

Lexmark sucht derzeit nach Industry-Consultants

Derzeit ist Lexmark laut Duthel auf der Suche nach Industry-Consultants für verschiedenen Industrien und Branchen, um die vielen neuen Technologien und Lösungen bei den Kunden für deren spezifische Einsätze adäquat demonstrieren zu können. Generell gehe es immer mehr zu Service-Konzepten. »Heute kaufen Kunden eine MPS-Lösung noch«, meint der Lexmark-Manager, »aber warum sollen wir nicht zum Betreiber einer solchen Infrastruktur-Landschaft werden?«

Duthel vergleicht das so: »In der ‚Alten Welt’ ging es um die Optimierung der Output-Infrastruktur. In der heutigen ‚Neuen Welt’ reden wir zusätzlich über die Optimierung dokumentenbasierter Prozesse und wie sich die hohe Menge an unstrukturierten Daten im Unternehmen in die Geschäftsprozesse integrieren lassen.« Und das ist jetzt nach Ansicht von Duthel die besondere Value-Proposition von Lexmark: Die bekannte Hardware-Welt und das Serviceangebot von Lexmark – und die neue Software- und Lösungs-Welt von Perceptive Software, bestens miteinander verbunden, und aufeinander abgestimmt.

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