01.07.2020 (as)
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Bitkom: ITK-Branche nach Corona-Schock wieder positiver gestimmt

  • Inhalt dieses Artikels
  • Digitalindex dreht im Juni erstmals ins Plus
  • Ungewohnt: rückläufige Umsätze in der IT
  • Appell für Investitionen in Digitalisierung

Prognostizierte Entwicklung bei Umsatz und Beschäftigtenzahl (Bild: Bitkom)Prognostizierte Entwicklung bei Umsatz und Beschäftigtenzahl (Bild: Bitkom)Nach dem Corona-Schock im Bereich der Informationstechnik, Telekommunikation und Unterhaltungselektronik (ITK) wächst nun laut einer Untersuchung des ITK-Branchenverbands Bitkom wieder die Zuversicht unter den Anbietern. Das Geschäftsklima hat sich im Juni 2020 für die ITK-Unternehmen im Vergleich zu den beiden Vormonaten deutlich aufgehellt. Für 2020 erwartet der Digitalverband Bitkom für die Branche einen Umsatzrückgang von 3,3 Prozent auf 163,5 Milliarden Euro. Im kommenden Jahr soll dies zum großen Teil wieder aufgeholt werden. 2021 wächst der Markt laut Prognose um zwei Prozent auf 166,7 Milliarden Euro. Die Beschäftigtenzahl soll 2020 konstant bei 1,2 Millionen bleiben und im Folgejahr um 20.000 zusätzliche Jobs ansteigen. Das berichtet Bitkom auf Basis aktueller Berechnungen unter der Annahme, dass es nicht erneut zu einem flächendeckenden Lockdown kommt. »Mitten in der Krise mit ihren vielen Unbekannten bieten Prognosen vor allem Orientierungswerte. Sicher ist: Der Digitalisierungsschub bringt der ITK-Branche langfristiges Wachstum«, meint Bitkom-Präsident Achim Berg.

Digitalindex dreht im Juni erstmals ins Plus

Bitkom-Präsident Achim Berg sieht Coronakrise als Digital Turning Point (Bild: Bitkom)Bitkom-Präsident Achim Berg sieht Coronakrise als Digital Turning Point (Bild: Bitkom)Im Juni beurteilten die ITK-Unternehmen ihre Geschäftslage deutlich besser als noch im April und Mai, wie Erhebungen von Bitkom und ifo Institut zeigen. Der Index stieg um 9,3 Zähler auf 11,6 Punkte. Im Durchschnitt beurteilen die Unternehmen die Geschäftslage tendenziell eher positiv. Die Geschäftserwartungen für die kommenden sechs Monate kletterten um 12,3 Zähler auf -8,0 Punkte. Der Bitkom-ifo-Digitalindex, der sich aus Lage und Erwartungen berechnet, dreht im Juni erstmals seit Februar wieder ins Plus und notiert mit 1,5 Punkten nun 11,0 Zähler höher als im Vormonat. »Für die Unternehmen der Digitalbranche hat sich die Geschäftslage den zweiten Monat in Folge verbessert. Die Hoffnungen sind groß, dass der konjunkturelle Tiefpunkt der Corona-Krise für die digitale Wirtschaft überwunden ist und der allgemeine Digitalisierungsschub die Nachfrage nach digitalen Lösungen ankurbelt«, so Berg.

Ungewohnt: rückläufige Umsätze in der IT

Nach langen Jahren kräftigen Wachstums bestimmten rückläufige Umsätze in der Informationstechnik das Minus auf dem Gesamtmarkt. Die Umsätze in diesem größten Teilmarkt sinken laut Bitkom-Prognose 2020 um 5,6 Prozent auf 88,2 Milliarden Euro. IT-Hardware schrumpft am kräftigsten mit einem Minus von 7,5 Prozent auf 24,4 Milliarden Euro, was maßgeblich auf das zurückgehende Geschäft mit Halbleitern zurückzuführen ist. Andererseits werden aber etwa mehr Laptops, Headsets und weitere Produkte für das mobile Arbeiten verkauft. Ebenfalls rückläufig ist der Markt für IT-Services inklusive Projektgeschäft und IT-Beratung (38,7 Milliarden Euro, -5,4 Prozent) sowie Software (25,2 Milliarden Euro, -4,0 Prozent). »Die Sonderkonjunktur in einigen Bereichen, etwa bei Videokonferenz-Software, reicht nicht aus, um Rückgänge an anderer Stelle zu kompensieren. Unternehmen in Kurzarbeit benötigen meist weniger IT-Ressourcen als unter Volllast«, sagt Berg. »Die Kunden von Software-Anbietern sind auf Liquiditätssicherung bedacht und reduzieren Ausgaben für Lizenzen und Wartungsverträge auf das Nötigste. Die Rückgänge in diesem Bereich werden auch durch ein weiter kräftiges Wachstum des Cloud-Geschäfts nicht aufgewogen.«

Appell für Investitionen in Digitalisierung

Mittelfristig stehen die Zeichen für die Digitalbranche insgesamt wieder auf Wachstum. Bitkom-Präsident Berg appelliert an jene Unternehmen, die bislang keinen Grund sahen, in die digitale Transformation zu investieren: »Die Wochen des Lockdowns sollten ein Weckruf gewesen sein, auch für Bremser und Bedenkenträger.« Es seien digitale Technologien, die das öffentliche Leben und unsere Wirtschaft am Laufen gehalten haben. »Die Corona-Krise ist ein Digital Turning Point. Unsere digitalen Defizite wurden in den vergangenen Wochen schonungslos offengelegt, in Unternehmen, der Verwaltung und insbesondere der Bildung. Jetzt gilt es umso mehr, die Digitalisierung in allen Bereichen mit Mut, Entschlossenheit und Tempo voranzutreiben«, so Berg weiter.  Nach einer repräsentativen Bitkom-Studie plane nur jedes vierte Unternehmen quer durch alle Branchen (24 Prozent), in diesem Jahr in digitale Geschäftsmodelle zu investieren.