18.11.2021 (pma)
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»Bye Bye Blue«: Opentext greift gezielt nach IBM-Kunden

  • Inhalt dieses Artikels
  • Migrationsangebot für IBM-Kunden
  • Kyndryl-Ausgliederung schwächt IBM
  • Opentext sieht sich durch Releasezyklus im Vorteil

Auch mit dieser Roadmap will Opentext IBM-Kunden von der eigenen Überlegenheit überzeugen (Grafik: Opentext)Auch mit dieser Roadmap will Opentext IBM-Kunden von der eigenen Überlegenheit überzeugen (Grafik: Opentext)Auf der diese Woche virtuell stattfindenden »OpenText World« hat CEO Mark Barrenechea unter dem Namen »Bye, Bye Blue«: eine Initiative angekündigt, mit der sich OpenText ganz gezielt an IBM-Kunden richtet, Insbesondere Anwender der »FileNet«-Produkte (Enterprise Content Management) und der »IBM Sterling Supply Chain Suite«. Ihnen stellte Barrenechea Unterstützung in Aussicht, die es ihnen erlauben soll, »in 90 Tagen oder weniger bye, bye, blue zu sagen« und auf die entsprechenden Angebote aus den gerade neue vorgestellten »Cloud Editions 21.4« zu wechseln.

Migrationsangebot für IBM-Kunden

Barrenechea argumentierte ausgesprochen aggressiv und direkt - allerdings nicht das erste Mal. Auch um Autonomy-Kunden von HP zu gewinnen, hatte er damals von einem Auseinanderfallen von Autonomy gesprochen und ein gezieltes Migrationsangebot für Geschädigte unterbreitet. Jetzt sieht er für die beiden IBM-Produktreihen aus mehreren Gründen keine Zukunft mehr.

Sowohl die »Business Network Cloud« als auch die »Content Cloud« von Opentext seien den IBM-Produkten Filenet and Sterling Commerce weit überlegen. Als einen Beleg führte er den von Gartner erst kürzlich vorgelegten Magic Quadrant für den Bereich Content Services Platforms (CSPs) an. »Wir sind da im oberen, rechten Quadranten, IBM ist weiter nach links unten abgerutscht. Noch weiter links unten, und sie wären nicht mal mehr auf der Grafik«, stichelte Barrenechea.

Diese Entwicklung sollten die Anwender nicht auf die leichte Schulter nehmen. Schließlich handle es sich um eine Technologieplattform, die ihr künftiges Wachstum ermöglichen solle. Und für zukunftsfähig hält er die IBM-Angebote definitiv nicht mehr.

Kyndryl-Ausgliederung schwächt IBM

Erstens habe IBM nach der Ausgliederung von Kyndryl kein Private-Cloud-Angebot mehr. Entweder müssten Kunden das also einstampfen oder sich auf vielfältige und langwierige Verhandlungen von SLAs einlassen. Opentext habe dagegen nicht nur ein vollumfängliches SaaS-Modell und ein komplettes Private-Cloud-Portfolio, sondern stehe für ein einheitliche SLA ein und gebe Leistungsgarantien für das, was es tue.

Opentext sieht sich durch Releasezyklus im Vorteil

Zweitens führte Barrenechea die während der Pandemie deutlich erhöhten Ausgaben für Forschung- und Entwicklung an. Das schlage sich auch in der aktualisierten Roadmap für die Cloud Editions nieder. Alle 90 Tage kommen demnach künftig »Tausende neuer Facetten und Features auf den Markt« die zudem automatisch bereitgestellt würden.

Das kostenlose Migrations-Assessment könnte IBM-Kunden durchaus bewegen, sich mit einer Alternative zu beschäftigen. Ob sie sich dann allerdings alle für Opentext entscheiden, bleibt abzuwarten. Denn in der von Barrenechea zitierten Gartner-Studie sind Microsoft, Hyland und sogar Box mindestens so gut eingestuft, wie Opentext. Allerdings decken sie nur den CSP-Bereich ab.