14.05.2021 (pma)
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Charité und Vivantes tauschen Behandlungsdokumente digital aus

  • Inhalt dieses Artikels
  • Fax und Arztbrief haben bald ausgedient
  • Datenintegrations- und Interoperabilitätsplattform
  • Sicherheit und Datenschutz
  • Erweiterungen bereits in Vorbereitung

Die Charité hat begonnen, Patientendaten mit anderen Berliner Kliniken auf digitalem Wege auszutauschen. (Copyright Charité - Universitätsmedizin Berlin)Die Charité hat begonnen, Patientendaten mit anderen Berliner Kliniken auf digitalem Wege auszutauschen. (Copyright Charité - Universitätsmedizin Berlin)Die Berliner Charité und Vivantes, der kommunale Krankenhausbetreiber des Landes Berlin, haben den Austausch von Daten für gemeinsam behandelte Patienten digitalisiert. Die beiden Gesundheitseinrichtungen greifen dazu auf das Enterprise Content Managementsystem (ECM) »PEGASOS« von NEXUS / MARABU und die »März Health Suite« genannte Datenintegrations- und Interoperabilitätsplattform des Essener IT-Dienstleisters März zurück.

Das Projekt wurde Anfang Mai 2021 mit der Inbetriebnahme der Lösung abgeschlossen. Angeschlossen sind zunächst die Klinik für Geriatrie des Vivantes-Klinikums im Friedrichshain sowie die Klinken für Orthopädie, Traumatologie, Neurochirurgie sowie Onkologie der Charité. Nach der Evaluation des Projekts werden weitere Klinikbereiche eingebunden.

Fax und Arztbrief haben bald ausgedient

Das Projekt ist Teil der »Gesundheitsstadt Berlin 2030«. Es ersetzt die bisher übliche und zwischen vielen anderen Einrichtungen noch immer alltägliche Übermittlung von Behandlungsinformationen und -dokumenten mittels Telefon, Fax, Brief oder Arztbrief, der den Patienten mitgegeben wird. Der Dokumentenaustausch ist bisher allerdings auf gesetzlich Versicherte beschränkt. Für privat versicherte Personen soll er bald ermöglicht werden. 

Charité undVivantes tauschen zunächst Arztbriefe, Rettungsstellenscheine, Röntgenbefunde, Laborwerte und Medikationspläne auf gesichertem, elektronischem Weg aus. »Damit können alle an der Behandlung Beteiligten die Unterlagen im jeweils erforderlichen Umfang und unter Sicherstellung der Datenschutzanforderungen in Echtzeit digital einsehen«, teilt Nexus / Marabu mit. »Das spart Zeit, vermeidet Doppeluntersuchungen, erhöht die Arzneimitteltherapiesicherheit und verkürzt die Wartezeit von Patienten.« Weitere Dokumentenarten sollen in Absprache mit dem medizinischen Fachpersonal sukzessivein die Lösung einbezogen werden.

Datenintegrations- und Interoperabilitätsplattform


Andreas Kumbroch, Vorstand Software Entwicklung Vertrieb bei der März AG (Bild: März AG)Andreas Kumbroch, Vorstand Software Entwicklung Vertrieb bei der März AG (Bild: März AG)Als erster Schritt auf dem Weg zum digitalen Austausch von Behandlungsdokumenten wurde von beiden Einrichtungen die Datenintegrations- und Interoperabilitätsplattform (IOP-Plattform) aufgebaut. Sie dient als zentrale Datendrehscheibe für den Dokumentenaustausch. »Vivantes arbeitet bereits seit geraumer Zeit mit der März Health Suite, bei der Charité haben wir sie im Rahmen der IT-Kooperation der beiden Einrichtungen implementiert und an die Primärsysteme angebunden«, berichtet Andreas Kumbroch, Vorstand Software Entwicklung Vertrieb bei der März AG.

So habe man in kurzer Zeit auf beiden Seiten einen sicheren Datenaustausch über genormte Profile einrichten können. Die Plattform kommuniziert mit dem digitalen Pegasos Medizinarchiv, das in beiden Einrichtungen eingesetzt wird.

Sicherheit und Datenschutz

Thomas Lichtenberg, Geschäftsführer von Nexus / Marabu (Bild: NEXUS / MARABU) Thomas Lichtenberg, Geschäftsführer von Nexus / Marabu (Bild: NEXUS / MARABU) Grundlage des Dokumentenaustausches ist stets die ausdrücklich Einwilligung der Patienten zum Austausch ihrer Dokumente, mit der sie die behandelnden Ärzte von der Schweigepflicht entbinden. Diese Einwilligungen gelten drei Jahre lang und können jederzeit widerrufen werden.

»Vivantes legt die Einwilligungen in der Pegasos-Patientenakte ab, das System generiert ein sogenanntes BPPC-Dokument (Basic Patient Privacy Consents) und übergibt es zur Steuerung der Zugriffsrechte an das IHE. Bei der Charité werden die Einwilligungsinformationen bei der Aufnahme direkt im Krankenhaus-Informationssystem (KIS) erfasst und per HL7 an Pegasos übertragen“, erläutert Thomas Lichtenberg, Geschäftsführer von Nexus / Marabu, das Einwilligungsmanagement.

Ärzten stehen die Dokumente im KIS über den Pegasos-Client zur Verfügung. Mit der bei jeder Anfrage übergebenen Patientenidentifikation und der Identität des angemeldeten Benutzers stellt Pegasos eine XDS-Anfrage an das IHE-Archiv. Von dort werden sowohl das lokale Archiv als auch das beim Kooperationspartner abgefragt. Auf der Grundlage der BPPC-Dokumente entscheidet die März Health Suite, ob und auf welche Teile der Akte der Zugriff gewährt wird. Lokale und freigegebene Dokumente werden schließlich an Pegasos ausgeliefert und dem Arzt übersichtlich dargestellt.

Erweiterungen bereits in Vorbereitung

Prof. Dr. Heyo K. Kroemer, Vorstandsvorsitzender der Charité (Copyright Charité - Universitätsmedizin Berlin)Prof. Dr. Heyo K. Kroemer, Vorstandsvorsitzender der Charité (Copyright Charité - Universitätsmedizin Berlin)»Gerade die Corona-Pandemie hat uns gezeigt, wie wichtig Vernetzung ist und wie wesentlich es ist, ad hoc auf Ergebnisberichte und Behandlungsdokumente digital zugreifen zu können, auch wenn sie in anderen Einrichtungen erhoben wurden«, kommentiert Prof. Dr. Heyo K. Kroemer, Vorstandsvorsitzender der Charité. Die Kooperation der beiden größten Leistungserbringer in Berlin sei ein erster großer Schritt zur digitalen Behandlungsakte, denn Kroemer ist sich sicher, dass sich zeitnah weitere Häuser anschließen,

»Mit der Einführung der digitalen Behandlungsakte leisten wir einen Beitrag dazu, die Versorgungsqualität in der Hauptstadtregion weiter zu entwickeln und zukunftsfähig aufzustellen«, bekräftigt Dr. Eibo Krahmer, Geschäftsführer für Finanzmanagement, Infrastruktur und Digitalisierung bei Vivantes. Er freue sich zudem schon darauf, gemeinsam mit der Charité weitere E-Health-Lösungen voran zu bringen.

Das sind keine bloßen Absichtserklärungen. Bereits seit Anfang 2021 arbeiten die Projektpartner an einer ergänzenden Interoperabilitätsplattform für den Austausch diskreter, granularer Daten. Sie soll zusätzliche Möglichkeiten zum Austausch medizinischer Daten schaffen.




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