12.12.2013 (eh)
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Docuware migriert Cloud-Angebot zum Hoster Profitbricks

  • Inhalt dieses Artikels
  • Docuware lagerte auch Produktivsysteme zu Profitbricks aus
  • Cloud-Kunden bevorzugen vertikale Skalierung (scale-up)
  • Grafische Benutzeroberfläche »Data Center Designer« fürs Management der Kunden-Cloud
Profitbricks-Lösung »Cloud Computing 2.0« kontra AWS (Bild: Profitbricks)
Profitbricks-Lösung »Cloud Computing 2.0« kontra AWS (Bild: Profitbricks)
Das Münchner ECM-Softwarehaus DocuWare hat erkannt, dass es als Softwareanbieter sehr aufwändig ist, die Cloud-Lösung aus dem eigenen Rechenzentrum heraus anzubieten. Aus diesem Grund wechselt Docuware nun zum Berliner Cloud-Computing-Provider ProfitBricks. Docuware schaltet die eigenen Server ab, und migriert mit ihrem in die »Profitbricks Cloud«.

»In unserer IT-Abteilung sind fünf Mitarbeiter beschäftigt. Damit ist auf Dauer im eigenen Haus ein Rechenzentrum für eine dynamisch wachsende SaaS-Lösung mit der gebotenen Redundanz und Verfügbarkeit nicht zu managen – ganz abgesehen davon, dass es für einen Ausbau räumliche und auch technische Grenzen gibt, wie zum Beispiel Klimatisierung, Stromversorgung, Anbindung an einen Backbone usw.«, erläutert Jürgen Biffar, President der Docuware Group, einige der Gründe für einen solchen konsequenten Umzug in die Cloud. »Dies aufzubauen und zu managen, ist als Softwareanbieter nicht unser Kerngeschäft. Unterm Strich kommt eine Cloud-Lösung deutlich günstiger und macht uns durch den Wegfall von kapitalbindenden Kosten wirtschaftlich agiler sowie technisch deutlich flexibler.«

Docuware lagerte auch Produktivsysteme zu Profitbricks aus

Damit hat Docuware innerhalb weniger Monate zwei entscheidende Schritte in die Cloud getan hat: Die komplette Infrastruktur für das SaaS-Angebot »DocuWare Online« läuft in der Profitbricks-Cloud – für deutsche und europäische Kunden im Profitbricks-Rechenzentrum in Deutschland, für Kunden aus Übersee im Data-Center in den USA. Darüber hinaus hat Docuware auch seine eigenen internen Produktivsysteme zu Profitbricks ausgelagert. Im Haus werden lediglich noch der Microsoft-Active-Directory-Login-Server und ein Fileserver betrieben, dessen Umzug demnächst ansteht. Altsysteme seien mittlerweile abgeschaltet worden, teilweise sogar bereits entsorgt.

Der Kundengewinn von Docuware zeigt, dass Profitbricks die Cloud-Hosting-Szene erneut durcheinander wirbelt. Denn Profitbricks greift vor allem den Cloud-Computing-Marktführer Amazon frontal mit aggressiven Preisen an. Versprochen wird den Kunden: Doppelte Leistung wie Amazon Web Services (AWS), und dazu halber Preis wie AWS. Und parallel soll’s natürlich einfacher gehen.

Cloud-Kunden bevorzugen vertikale Skalierung (scale-up)

»Ein Unternehmen möchte seine bestehende Anwendung oder Webseite nicht für die Amazon-Infrastruktur neu entwickeln. Gründe hierfür sind die fehlende Zeit und das Wissen, um dies umzusetzen, was gleichzeitig zu einer längeren Time-to-Market führen würde«, fasst René Büst, Analyst bei GigaOM, seine operativen Bedenken für eine Migration zum US-Marktführer zusammen. »Beides lässt sich auf die Komplexität zurückführen, um auf den Amazon Web Services Skalierbarkeit und Verfügbarkeit zu erreichen. Es sind nun einmal nicht nur ein paar API-Aufrufe. Stattdessen muss die vollständige Architektur auf die AWS-Cloud ausgerichtet werden. In Amazons Fall liegt es insbesondere an der horizontalen Skalierung (scale-out), die dies erforderlich macht. Die Unternehmen würden die vertikale Skalierung (scale-up) bevorzugen, um das bestehende System 1:1 migrieren zu können und nicht von vorne zu beginnen, sondern direkt in der Cloud Erfolge zu erzielen.«

Hier wittert Profitbricks nun seine Chance mit einer Art »Cloud Computing 2.0«. Denn es müsse sich die Cloud-Architektur an die Situation in den Unternehmen anpassen, und nicht umgekehrt. Mit der Cloud-Computing-2.0-Lösung des deutschen IaaS-Anbieters (Infrastructure as a Service) sollen komplette Rechenzentren sehr schnell in die Public-Cloud umziehen können: Mit der Virtualisierung des Netzwerks als Software Defined Network (SDN) und der Möglichkeit, vertikal während der Laufzeit der Systeme zu skalieren (Live Vertical Scaling).

Grafische Benutzeroberfläche »Data Center Designer« fürs Management der Kunden-Cloud

Die einzelnen Instanzen können dazu laut Profitbricks feingranular entsprechend des Bedarfs des Unternehmens konfiguriert werden – Server von ein bis 62 CPU-Cores sind möglich, die über ein bis 240 GByte RAM verfügen, und mehrere Storage-Systeme mit jeweils bis zu 2 TByte Speicherplatz ansteuern können. Für die Einrichtung und das Management der Umgebung kann eine API oder die grafische Benutzeroberfläche von Profitbricks, der »Data Center Designer«, genutzt werden. Dieser stelle komplette Rechenzentren Whiteboard-artig dar.

»Damit lösen wir die Versprechen ein, die die Anbieter der ersten Generation bisher nicht umzusetzen vermochten«, erklärt Andreas Gauger, Gründer und CMO von Profitbricks. Gauger und CEO Achim Weiß – beide ehemalige Vorstandsmitglieder von 1&1 – sind mit Profitbricks seit Mai 2012 auf dem Markt, und konnten eigenen Angaben zufolge in der Zwischenzeit mehrere hundert Kunden von Cloud Computing 2.0 überzeugen.

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